„Wir haben eine große Visibilität in den USA bekommen“

Interview mit Johannes Laumann, Chief Investment Officer, Mutares SE & Co. KGaA

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Die Beteiligungsgesellschaft Mutares ist auf Sondersituationen und Carve-outs spezialisiert. Seit einiger Zeit verfolgt sie eine ambitionierte Internationalisierungsstrategie. Dabei setzt sie durchgehend auf eigene Fachkräfte in lokalen Teams. Im Gespräch erläutert Johannes Laumann, Chief Investment Officer von Mutares, wie die Gesellschaft operative Restrukturierung, internationale Expansion und Carve-out-Kompetenz miteinander verbindet.

Unternehmeredition: Was kennzeichnet Mutares im Vergleich mit anderen Beteiligungsgesellschaften?

Johannes Laumann: Das sind im Wesentlichen drei Umstände. Zunächst haben wir mit unseren über 150 Mitarbeitern eine sehr breite operative Power. Damit können wir bei jeder Gesellschaft, die wir erwerben, die Restrukturierung selbst durchführen. Wir haben das Know-how dazu im Haus und sind nicht auf externe Berater angewiesen. Uns kennzeichnet überdies unsere Internationalität: Wir sind in zahlreichen Ländern vertreten, wo wir die Beteiligungen, die wir erwerben, mit lokalen Teams betreuen. Drittens zeichnet uns aus, dass wir uns Situationen zutrauen, die andere nicht anfassen wollen; sei es, weil sie defizitär sind, zu komplex oder weil sie in nicht angesagten Industrien zuhause sind. Vor einigen Jahren haben wir beispielsweise einige Unternehmen gekauft, die Produkte für die Öl- und Gasindustrie herstellten. Das war damals unter dem ESG-Diktat für viele nicht opportun. Die Zeiten haben sich geändert und wir sind heute sehr glücklich mit diesen Beteiligungen.

Wie gehen Sie einen Sanierungsfall oder einen Carve-out konkret an?

Wir machen jeweils eine sehr ausführliche Due Diligence und erarbeiten schon vor Vertragsabschluss ein detailliertes Konzept. Dieses Konzept setzen wir quasi ab dem ersten Tag der Übernahme um. Wir sprechen mit den Mitarbeitern, wie man das operative Geschäft verbessern kann und vergeuden keine Zeit mit monatelangen Finanzierungsgesprächen mit Banken. Wir sind operative Restrukturierer.

Wofür wollen Sie die Mittel Ihrer jüngsten Kapitalerhöhung einsetzen?

Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen hauptsächlich für das Wachstum in den USA verwendet werden. Dort wollen wir akquirieren. Speziell für Akquisitionen in den USA benötigt man aber mehr Eigenkapital als in anderen Regionen der Welt – denn die Bewertung einer Firma basiert dort im Wesentlichen auf dem erworbenen Eigenkapital und nur sekundär auf der operativen Performance. Wir haben bereits über 50 Mio. USD in den USA investiert und fünf Deals abgeschlossen. Zuletzt haben wir von dem saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco den Geschäftsbereich Engineering Thermoplastics (ETP) mit Werken unter anderem in den USA übernommen. Durch diese große Transaktion haben wir eine große Visibilität in den USA bekommen. Uns werden viele Projekte angeboten. Dieses Momentum wollen wir nutzen.

Kommt die hohe Zahl an Insolvenzen in Deutschland Mutares zugute?

Insolvenzen sind nicht unser Geschäft – aber sie könnten uns interessieren, wenn sie für unsere Bestandsbeteiligungen strategisch Sinn ergeben. Grundsätzlich denke ich, dass es in gewissen Industrien einfach notwendig ist, dass Kapazität vom Markt verschwindet. Uns kommt es daher zugute, dass sich unsere Beteiligungen Insolvenzen in ihren jeweiligen Industrien anschauen. Nicht, weil sie einsteigen wollen, sondern weil sie deren Geschäft herüberziehen möchten. Sie sprechen dann mit den Kunden und fragen, ob diese ihre Aufträge künftig nicht unserem Unternehmen erteilen möchten.

Was plant Mutares strategisch für die Zukunft?

Wir wollen bis 2030 jedes Jahr mindestens 25 % im Konzernumsatz und Holding-Gewinn zulegen. Das ist nach wie vor unser Ziel. Wir werden auch an der Strategie der Internationalisierung und unserem Fokus auf Konzernausgliederungen festhalten. Aktuell sehen wir gute Chancen. Wir durchleben eine Zeit der Unsicherheiten, und Unsicherheiten sind für uns auf der Käuferseite immer gut. Da besinnen sich Konzerne auf ihr Kerngeschäft und trennen sich oft von Unternehmensbereichen, die nicht dazu zählen. In wirtschaftlich guten Zeiten haben wir wenig Chancen auf der Kaufseite. Dafür können aber unsere Beteiligungen von dem guten Umfeld profitieren.

Lieber Herr Laumann, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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Johannes Laumann

Chief Investment Officer

Mutares SE & Co. KGaA

ir@mutares.com

www.mutares.com

Autorenprofil
Bärbel Brockmann

Bärbel Brockmann ist eine freie Wirtschaftsjournalistin, die schwerpunktmäßig über Finanz-, Energie- und Immobilienthemen schreibt. Die frühere Leiterin des Düsseldorfer Korrenspondentenbüros der Nachrichtenagentur Reuters begann ihre berufliche Karriere bei einer großen Regionalzeitung.

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