„Wer offen mit seinen Kreditgebern kommuniziert, findet nach wie vor eine hohe Kreditbereitschaft“ (Ausgabe 2/2009)

Interview mit Markus Beumer, Vorstand Mittelstandsbank, Commerzbank AG

Nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ist ein zweiter nationaler Champion in Deutschlands Finanzbranche entstanden. Im Interview spricht der für das Mittelstandsgeschäft verantwortliche Commerzbank-Vorstand Markus Beumer über die Auswirkungen von Staatsbeteiligung und Fusion auf das Firmenkundengeschäft, …

Nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ist ein zweiter nationaler Champion in Deutschlands Finanzbranche entstanden. Im Interview spricht der für das Mittelstandsgeschäft verantwortliche Commerzbank-Vorstand Markus Beumer über die Auswirkungen von Staatsbeteiligung und Fusion auf das Firmenkundengeschäft, die aktuelle Situation der Mittelstandsfinanzierung sowie den Vorwurf, die Großbanken würden aufgrund eines milliardenschweren Abschreibungsbedarfs eine restriktive Kreditvergabepolitik verfolgen.

Unternehmeredition: Herr Beumer, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Mittelstandsfinanzierung in Deutschland?
Beumer:
Finanzmarktkrise und Rezession hinterlassen ihre Spuren, das ist ganz klar. Viele Unternehmen sind zurückhaltender geworden, was Investitionen angeht, die Profitabilität in einigen Branchen leidet deutlich. Entsprechend hat die Kreditnachfrage insgesamt nachgelassen. Andererseits kann der Zugang zu neuen Krediten – besonders im langfristigen Bereich – für jene Unternehmen schwieriger werden, die sich in den letzten Jahren vorwiegend über ausländische Banken finanziert haben. Jetzt, da es heikel wird, zieht sich mancher dieser Anbieter zurück. Wer dagegen seine Hausbankbeziehung gepflegt hat und offen mit seinen Kreditgebern kommuniziert, findet dort nach wie vor offene Ohren und eine hohe Kreditbereitschaft.

Unternehmeredition: Immer häufiger taucht der Vorwurf auf, dass die Großbanken aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie eines milliardenschweren Abschreibungsbedarfs eine restriktive Kreditvergabepolitik verfolgen – und das trotz erheblicher staatlicher Hilfen. So erklärte etwa EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia Ende Januar auf einer Konferenz in Brüssel, die Kreditvergabe an Unternehmen sei unzureichend. Wie sehen Sie das?
Beumer: Wer einen überzeugenden und plausiblen Business-Case vorlegt, dem stehen wir jederzeit zur Verfügung – und das stärker denn je: Im vergangenen Jahr ist unser Kreditvolumen für mittelständische Kunden um mehr als 10% auf rund 46,5 Mrd. Euro gestiegen.

Unternehmeredition: Wie wirkt sich die 25%-Beteiligung des Staates an der Commerzbank auf Ihr Mittelstandsgeschäft aus? Können Sie dadurch mehr Mittel zur Verfügung stellen?
Beumer: Die Mittel des SoFFin haben unsere Eigenkapitalquote gestärkt, die per Ende 2008 von 7 auf wettbewerbsfähige 10% anstieg. Das verschafft uns ausreichend Spielraum, unsere Firmenkunden gerade in schwierigen Zeiten überall dort zu unterstützen, wo es nach angemessener Risikoprüfung möglich ist. Staatliche Mittel wie die des SoFFin sind eine wichtige Unterstützung in einer Situation, in der die Refinanzierung für Banken extrem schwer geworden ist. Damit sind aber auch zwei Verpflichtungen verbunden: einerseits natürlich die Kreditversorgung des Mittelstands zu gewährleisten, andererseits aber auch mit den Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umzugehen, die uns Deutschlands Steuerzahler zur Verfügung stellen. Es ist bestimmt nicht in deren Interesse, heute großzügig Finanzierungen auszureichen, die erkennbar den Abschreibungsbedarf von morgen bedeuten. Deshalb ändern die staatlichen Hilfen nichts an den Bonitätskriterien, die wir an die Kreditvergabe anlegen müssen.

Unternehmeredition: Wie ist es um andere Finanzierungsinstrumente bestellt, etwa Private Equity, Mezzanine oder Factoring?
Beumer: In der Krisenzeit, die wir gerade erleben, können die von Ihnen genannten alternativen Finanzierungsquellen wegen notwendiger Zukunftsinvestitionen im Wettbewerbskampf mitunter existenziell sein. Wir beobachten derzeit eine stärkere Nachfrage insbesondere bei individuellen Mezzanine-Finanzierungen. Die aktuellen Abschlusszahlen liegen sichtbar über den Vorjahreswerten. Das zeigt, dass insbesondere mittelständische Unternehmen für die Bedeutung einer angemessenen Eigenmittelausstattung sensibilisiert sind. Daher werden zukünftig verstärkt Sicherheitsüberlegungen bei der Gestaltung der Kapital- bzw. Finanzierungsstruktur Platz greifen. Private Equity spielt vor allem bei Nachfolgeregelungen unverändert eine wichtige Rolle. Der von uns und Pinova Capital aufgelegte Private Equity-Fonds beispielsweise richtet seinen Investitionsfokus auf Unternehmensnachfolgen über Management Buy-ins oder Buyouts und ist mit seinem Minderheitsbeteiligungsmodell speziell für Mittelständler interessant. Asset-gestützte Finanzierungsinstrumente wie Factoring und Forfaitierung bieten sich zur Sicherung der Unternehmensliquidität und zur Absicherung von Lieferanten gegen Forderungsausfälle an. Unsere CommerzFactoring GmbH ermöglicht es Kunden, mit einem neuen Forfaitierungsmodell je nach Situation nur ausgewählte Einzelforderungen zu verkaufen.

Unternehmeredition: Welche Auswirkungen hat die Übernahme der Dresdner Bank auf das Firmenkundengeschäft? Welche Vor- bzw. Nachteile ergeben sich dadurch für die Kunden sowohl der Commerzbank als auch der Dresdner Bank?
Beumer: Nach der Verschmelzung, die für Mai geplant ist, erhöhen wir die Zahl unserer Firmenkunden-Standorte auf über 150. Am Firmenkunden-Betreuungsmodell der Commerzbank halten wir dabei fest und wir werden alles tun, den Kunden der Dresdner Bank diesen Wechsel so gut als möglich zu erleichtern. Das geht natürlich nicht über Nacht – maßgeblich für das Tempo der Überführung ist vor allem die Komplexität der IT. Das ist wirklich eine Herkulesaufgabe. Hier kann es zu Schnittstellenanpassungen kommen, die für den Kunden aber von möglichst geringem Aufwand sein sollen. Wir arbeiten zudem mit Hochdruck daran, Kunden, die bisher von beiden Instituten betreut worden sind, ihren Wunsch-Ansprechpartner zu Seite zu stellen. Dies werden wir aber nicht in allen Fällen wunschgemäß schaffen. Ein Großteil der mittelständischen Kunden – die eher kleineren Unternehmen – war bei der Dresdner Bank dem Privatkundengeschäft zugeteilt. Damit konnte man aber den gestiegenen Ansprüchen vieler Firmen nicht mehr gerecht werden. Die Stärke der Dresdner Bank im Mittelstand sind eindeutig die qualifizierten Berater und ihre langjährigen Kundenbeziehungen. Diese Stärke können sie in der neuen, größeren Mittelstandsbank wieder einbringen.

Unternehmeredition:
Wann rechnen Sie mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage? Was raten Sie Mittelständlern, um ihre Finanzierung zu sichern?
Beumer: Prognosegemäß hält der Abschwung der deutschen Wirtschaft bis Mitte dieses Jahres an. Zuletzt haben sich immerhin einige Risikoindikatoren etwas entspannt. Unsere Volkswirte erwarten aber auch danach nur einen leichten und zaghaften Konjunkturanstieg. Unternehmen sollten nun vor allem drei Dinge fest im Blick haben: eine tragfähige Eigenkapitalausstattung, ein professionelles Risikomanagement und eine lückenlose Finanzkommunikation. Gute Finanzkommunikation, die offene und proaktive Information zur Wirtschaftslage des Unternehmens bietet, schafft eine stabile Vertrauensbasis zwischen Unternehmen und ihren Finanzpartnern – und ist damit heute wichtiger denn je.

Unternehmeredition: Herr Beumer, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Zur Person: Markus Beumer
Markus Beumer ist Vorstand der Mittelstandsbank der Commerzbank AG. Im Januar hatte die Commerzbank AG die Dresdner Bank für 5,1 Mrd. Euro von der Allianz übernommen. Infolge der Finanzkrise wurde die Commerzbank zu Jahresbeginn teilverstaatlicht – der Bund hält über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) 25% plus eine Aktie an der Commerzbank. Insgesamt liegt der Anteil der stillen Einlagen des Bundes an der Bank bei 16,4 Mrd. Euro. www.commerzbank.de

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