„Ich bin zunächst meinen eigenen beruflichen Weg gegangen“

Unternehmeredition: 2007 haben Sie und die Verlagsgruppe Weltbild Ihr Filialgeschäft in die Finanzholding DBH eingebracht – die damals größte deutsche Buchhandelskette. Eine Hälfte der DBH gehört Hugendubel, die andere Weltbild. Wie war es für Sie, nach mehr als 100jähriger Tradition als Familienunternehmen die Selbstständigkeit aufzugeben?

Hugendubel: Emotional war diese Entscheidung nicht leicht, aber sachlich und fachlich richtig. Man muss als Familienunternehmer nüchtern abwägen, wie man die Firma am besten in die Zukunft führen kann. Das waren die Überlegungen damals, die DBH zu gründen. Wir wussten, dass wir uns verbünden müssen, wenn wir auch mittelfristig eine wirklich wichtige Rolle im Buchmarkt spielen wollen. Und wir wollten uns rechtzeitig aus einer Situation der Stärke heraus mit einem Wunschpartner zusammenschließen. Sicher hätten wir auch ohne Probleme noch zehn Jahre so weitermachen können, aber dann wäre es vielleicht schwieriger geworden, einen Partner zu finden. Ich denke, in solchen Situationen muss man das Unternehmen über sich selbst stellen und es immer wieder schaffen, das Emotionale so gut es geht außen vor zu lassen.

Unternehmeredition: Hat der stationäre Buchhandel angesichts der steigenden Konkurrenz durch das Internet überhaupt noch Zukunft? Welche Visionen haben Sie für Ihr Unternehmen?

Hugendubel: Der Vertriebsweg Internet wird natürlich noch wichtiger als bisher und die Digitalisierung von Verlagsprodukten weiter an Bedeutung gewinnen – diese Bereiche wollen wir natürlich künftig auch noch stärker besetzen. Trotzdem wird der stationäre Buchhandel auch in Zukunft eine wichtige Daseinsberechtigung haben. Beide Vertriebswege ergänzen und befruchten sich. Das Internet bietet die größte Auswahl, in einem Buchladen treffen wir aufgrund des begrenzten Platzes die beste Auswahl und können unsere Kunden persönlich beraten. In den Filialen wird das Thema „Erlebnis“ immer wichtiger – da sind wir schon gut dabei mit unseren Cafés und Leseinseln und arbeiten gerade an neuen Ideen. Wir haben bereits Ergänzungssortimente zum Buch eingeführt, wie CDs, Hörbücher und Kinderspiele, und wollen diesen Bereich in Zukunft weiter ausbauen.

Unternehmeredition: Wie sollten sich Unternehmer idealerweise auf die Nachfolge vorbereiten?

Hugendubel: Als Quintessenz meiner Erfahrung möchte ich dem Unternehmer eine Portion Mut zum Abstand empfehlen, das Vertrauen in die Nachfolger mitzubringen, ab einem gewissen Punkt wirklich die volle Verantwortung zu übertragen und auch Fehler zuzulassen. Das habe ich mir auch fest vorgenommen, falls meine Kinder jemals im Unternehmen arbeiten sollten. Den Nachfolgern würde ich immer raten, wohlüberlegt in ein Unternehmen einzusteigen und zu Beginn erst die Perspektive eines Mitarbeiters einzunehmen, sich einzugliedern und nicht gleich von Anfang an als Chef aufzutreten. Für die Akzeptanz bei den Mitarbeitern ist es wichtig, im Vorfeld externe Erfahrungen zu machen.

Unternehmeredition: Frau Hugendubel, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Nina Hugendubel
Nina Hugendubel ist geschäftsführende Gesellschafterin der H. Hugendubel GmbH & Co. KG (www.hugendubel.de). In der 2007 von Hugendubel und Weltbild gegründeten Finanzholding DBH Buch Handels GmbH & Co. KG, einem der größten Buchhandelsnetze Deutschlands mit einem Jahresumsatz von 743 Mio. EUR (2009), sind u.a. die Marken Hugendubel, Weiland, Weltbild, Jokers sowie 25 Karstadt-Buchabteilungen gebündelt.

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