„Die Insolvenz war ein reinigendes Gewitter“ (Ausgabe 5/2009)

Interview mit Wolfgang Bastert, geschäftsführender Gesellschafter, Barthelmess Display & Decoration GmbH

Die 1929 gegründete Firma Barthelmess bietet europaweit für namhafte Kunden wie Kaufhof, Upim oder Escada sog. Visual Merchandising von der Konzeption bis zur Ausführung an. Dazu zählt, den Point of Sale (Verkaufsort) eines Kunden verkaufsfördernd zu gestalten und das Warenangebot attraktiv zu präsentieren.

Die 1929 gegründete Firma Barthelmess bietet europaweit für namhafte Kunden wie Kaufhof, Upim oder Escada sog. Visual Merchandising von der Konzeption bis zur Ausführung an. Dazu zählt, den Point of Sale (Verkaufsort) eines Kunden verkaufsfördernd zu gestalten und das Warenangebot attraktiv zu präsentieren. Filialisten, Warenhäuser und Shoppingcenter bedient Barthelmess über das individuelle Projektgeschäft des Hauses. Ein zweites Standbein der Firma ist der Vertrieb trend- und themenbezogener Dekorationsartikel. Zu Beginn dieses Jahrtausends wurde das Unternehmen jedoch von einer schweren Krise gebeutelt und daraufhin von Wolfgang Bastert übernommen, der sofort den Restrukturierungprozess einleitete. Im Interview spricht er über den Weg aus der Krise.

Unternehmeredition: Herr Bastert, als Sie 2003 Barthelmess übernahmen, war die Traditionsfirma schwer angeschlagen. Was hat Sie daran gereizt, ein Krisenunternehmen zu führen?
Bastert:
Barthelmess ist ein überaus interessantes, traditionsreiches Unternehmen in einer spannenden Branche. Trotz der Krise, in der sich das Unternehmen 2003 befand, sah ich die großen Potenziale, die in dieser Firma steckten. Das Problem: Barthelmess war einfach überladen, hatte unklare Strukturen, organisatorische Schwächen und reagierte nicht mehr flexibel auf den Markt und den Wandel der Kundenbedürfnisse. Die Branche des Visual Merchandising ist sehr dynamisch. Mir schien deshalb, um das bildlich zu beschreiben, dass das Schiff Barthelmess mit deutlich weniger Ballast, einem klaren definierten Ziel vor Augen und einer motivierten Mannschaft schnell wieder auf Erfolgskurs zu bringen war. Im Verlauf meines damals über 20-jährigen Berufslebens hatte ich mich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt und schon einige Firmen erfolgreich saniert. Dabei war der Wunsch nach unternehmerischer Selbstständigkeit immer latent vorhanden, ließ sich aber vorher aus verschiedenen Gründen nicht realisieren. Die Übernahme von Barthelmess war somit nur die logische Fortsetzung meines bisherigen Handelns.

Unternehmeredition:
Inzwischen haben Sie den Turnaround geschafft. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?
Bastert:
Dazu war ein umfassender Change Process nötig: tiefgreifende Reformen und Umstrukturierungen sowie eine starke Konzentration auf das Kerngeschäft. Ich habe 2003 aus diesem Grund nur Teilbereiche, die aus meiner Sicht das Kerngeschäft der Firma bildeten, übernommen. Wir gestalteten Aufbau- und Ablauforganisation komplett um. Die neue Firma Barthelmess sollte nicht so sein wie die alte, und so lösten wir uns komplett von verkrusteten Strukturen. Bei diesem Prozess kam mir meine Rolle als Quereinsteiger zugute. Als anfänglich Branchenfremder hatte ich einen anderen Blick auf viele Dinge und somit ein klares Auge für etablierte, aber nicht mehr adäquate Abläufe. Doch bei allen Veränderungen galt auch: Was in der Vergangenheit gut war und in die Zukunft passte, wurde beibehalten. Letztendlich war die Insolvenz ein reinigendes Gewitter für die Firma. Natürlich hatte die neue Firma Barthelmess einen massiven Imageverlust, der durch die Insolvenz und die Zeit davor entstanden war, aufzuholen. Doch der Turnaround war erfolgreich. Barthelmess ist auf einem sehr guten Wege. Auch die Umsatzzahlen verdeutlichen die gute Entwicklung des Unternehmens: Von 16 Mio. EUR im Jahr 2004 konnten wir uns auf 29 Mio. EUR Umsatz im Jahr 2008 steigern. Natürlich sind die Anpassung an ein sich veränderndes Umfeld und die Weiterentwicklung unserer Kernkompetenzen Aufgaben, die uns weiterhin beschäftigen.

Unternehmeredition: Angesichts der Wirtschaftskrise sparen viele Unternehmen gerade bei Werbung. Wie stark sind Sie davon betroffen, und wie reagieren Sie darauf?
Bastert:
Natürlich ist die derzeitige Situation am Markt spürbar. Allerdings ist Barthelmess auch in der Krise gut aufgestellt: Mit unseren beiden Geschäftsfeldern sind wir fokussiert und gleichzeitig breit aufgestellt. Gerade in unsicheren Zeiten suchen unsere Kunden etablierte Kompetenz, Qualität und Zuverlässigkeit. Da bieten wir mit unseren Produktionskompetenzen im Haus, von der Druckerei über Holz- und Kunststoffverarbeitungstechniken bis hin zur Lackiererei und Schlosserei, und den langjährig erprobten Beschaffungsnetzwerken in Fernost und anderen Märkten Stabilität, Verlässlichkeit und zugleich wichtige Flexibilität. Schnelle und klar definierte interne Prozesse, die effiziente Abwicklungen im Unternehmen erlauben, ein straffes Kostenmanagement, effektives Controlling und vorausschauendes Finanzmanagement helfen uns zusätzlich, in diesen Krisenzeiten weiterhin auf Kurs zu bleiben.

Unternehmeredition: Herr Bastert, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
mischkowski@unternehmeredition.de


Zur Person: Wolfgang Bastert

Wolfgang Bastert ist geschäftsführender Gesellschafter der Barthelmess Display & Decoration GmbH aus Fürth. Er übernahm Anfang 2003 das Unternehmen aus der Insolvenz, das mittlerweile rund 170 Mitarbeiter beschäftigt. www.barthelmess.com

Autorenprofil
Vorheriger ArtikelIn schwierigem Fahrwasser (Ausgabe 4/2009)
Nächster Artikel„Das Aufzehren stiller Reserven hat Unternehmen anfälliger in der Krise gemacht“ (Ausgabe 5/2009)