„Am Ende ist man den Aktionären verpflichtet“

Das war sicher nicht einfach.

In der Tat: Zunächst mussten wir Transparenz schaffen und ein Konzept erarbeiten, das den Verein aus der Krise herausführt. Dieses musste die Gläubiger überzeugen. Wichtig war, dass auch der Stadionfonds seine Zusage gab. Nach langen Verhandlungen bekam Borussia Dortmund so die Lizenz für die Spielzeit 2005/2006. Wir kauften uns damals Zeit, etwa 18 Monate bis 24 Monate. In dieser Zeit mussten wir die Kader-Kosten deutlich drücken, die Finanzen restrukturieren, die Organisation optimieren und alle Geschäftsfelder neu ausrichten. Dortmund hatte damals ein Umsatzvolumen von 78 Mio. Euro und Finanzschulden von knapp 200 Mio. Euro. Das war  kaum zu stemmen.

Warum war der Börsengang im Jahr 2000 eine gute Alternative?

Da ich erst 2004 dazu gestoßen bin, kann ich das nur aus der Retrospektive betrachten. Damals befanden wir uns in der Dotcom-Blase, und der BVB bekam relativ einfach Geld vom Kapitalmarkt, ohne einen besonderen Nachweis der Leistungsfähigkeit erbringen zu müssen. Damals wurde das Geld verwendet, um eine ökonomisch schwierige Situation zu lösen und auch um sportlich erfolgreich zu sein. Viele Fans sprechen im Zusammenhang mit dem Titel 2001/2002 heute von einer gekauften Meisterschaft.

Südtribüne im Dortmunder Stadion: Bei den Fans heißt sie nur "die Süd".
Südtribüne im Dortmunder Stadion: Bei den Fans heißt sie nur „die Süd“.

Würden Sie den gleichen Weg noch einmal gehen?

Einen Börsengang durchzuführen, Geld einzusammeln und das dann im operativen Geschäft Fußball zu verbrennen, halte ich nicht für statthaft. Denn am Ende ist man den Aktionären verpflichtet. Ein Börsengang ergibt dann Sinn, wenn man größere strategische Themen wie etwa einen Stadionbau zu bewältigen hat oder strategische Partnerschaften eingeht. Aber nicht um Geld zu scheffeln und es ins operative Geschäft für Transfers oder Spielergehälter zu stecken. Das verpufft schnell, und der sportliche Erfolg ist nicht nachhaltig.

Gibt es Überlegungen, Borussia Dortmund von der Börse zu nehmen?

Nein, auch weil im Falle eines Delistings ein Übernahmeangebot an die Aktionäre gemacht werden müsste, was die bisherigen Aktionäre gar nicht stemmen könnten. Zudem ist es nicht schlimm, börsennotiert zu sein.

Der Aktienkurs liegt allerdings immer noch deutlich unter dem Emissionspreis von elf Euro.

Man muss allerdings bedenken, dass vor und im Rahmen der Sanierung drei Kapitalerhöhungen zu 2,50 bzw. zu 2,00 Euro durchgeführt wurden. Deswegen liegt der gewichtete Ausgabekurs im Mittel bei 4,98 Euro. Nichts desto trotz liegt der Aktienkurs momentan immer noch darunter.

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