Wachstumsfinanzierung durch stille Beteiligung (Ausgabe 3/2009)

Panther GmbH: Vertrieb und Verleih von Filmequipment

Unter den merkwürdigen Berufsbezeichnungen, die man im Abspann von Filmen lesen kann – etwa „best boy“ (Lichttechniker) oder „gaffer“ (Chefbeleuchter) – findet sich auch der „dolly grip“, der Verantwortliche für den Kamerawagen, den sogenannten Dolly

Unter den merkwürdigen Berufsbezeichnungen, die man im Abspann von Filmen lesen kann – etwa „best boy“ (Lichttechniker) oder „gaffer“ (Chefbeleuchter) – findet sich auch der „dolly grip“, der Verantwortliche für den Kamerawagen, den sogenannten Dolly. Einer der führenden Anbieter solcher Dollys ist die oberbayerische Panther GmbH.

Vom Kameramann zum Unternehmer
Erich Fitz, der Gründer des Unternehmens, war zunächst als Kameramann tätig. Als Kenner der Szene hatte er in den 1960er Jahren die Idee, ein Unternehmen für den Verleih von Filmequipment zu gründen. 1972 ins Leben gerufen, beschränkt sich die damalige FGV Filmgeräteverleih Schmidle & Fitz OHG schon bald nicht mehr ausschließlich auf den Verleih, sondern konstruierte selbst spezielle Kamerawagen, beispielsweise für besondere Dreharbeiten auf einem Schiff. Auch Dollys anderer Hersteller werden auf spezielle Kundenwünsche hin modifiziert. Die dabei gesammelten Erfahrungen führen schließlich dazu, dass Fitz mit seinem Team 1982 den weltweit ersten computergesteuerten elektromechanischen Dolly entwickelt, der den Namen Panther erhält. Seither firmiert auch das Unternehmen unter dieser Bezeichnung. Der erste Kamerawagen dieses Typs bestand seine Bewährungsprobe bei den halbjährigen Dreharbeiten bei der Verfilmung des Romans „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende in den Münchener Bavaria Studios.

Kontinuierliche Erweiterung der Geschäftsfelder
Seither hat Erich Fitz das Unternehmen kontinuierlich ausgebaut. Zu dem Verleih von Filmequipment und der Herstellung von Dollys kam die Produktion von Kamerakränen. Von den Dollys existieren inzwischen diverse Modelle für unterschiedliche Einsatzzwecke und Budgets. Im März 1990 wurde der „Super Panther“-Dolly in Hollywood mit dem „technischen“ Oscar „Scientific and Technical Achievement Award“ (A.M.P.A.S.) ausgezeichnet. Durch Zukäufe anderer Unternehmen erweiterte sich das Produktspektrum beispielsweise um Stative; das Geschäftsfeld Verleih von Filmequipment wurde durch Niederlassungen in den USA, in Hamburg, Prag und seit kurzem auch in Berlin beständig ausgeweitet. Seit 2002 betreibt Panther in München auch ein eigenes Aufnahmestudio.

Gründung eines Tochterunternehmens
Ein besonderer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte war 1988 die Gründung des Tochterunternehmens htg High Tech Gerätebau GmbH. Die htg fungierte zunächst als exklusiver Systemlieferant für Panther, erwarb aber mit der Herstellung des Filmequipments auch schnell ein spezifisches Know-how im Sondermaschinenbau. Anfang der 1990er Jahre gab es daher Überlegungen, diese Kenntnisse auch in weiteren Anwendungsbereichen einzusetzen. htg testete den Markt und bot in einem ersten Schritt Lohnfertigung für Drittkunden an und entwickelte sich wenig später zu einem Systemlieferanten, der komplexe Lösungen im Bereich Maschinen-, Geräte- und Anlagenbau anbietet. Inzwischen ist die htg u. a. einer der großen Hersteller von Banknotenbearbeitungsmaschinen und Maschinen zum Beschichten von Speichermedien (CDs, DVDs). Schließlich bietet die htg seit einigen Jahren auch eigens entwickelte Produkte an, etwa berührungslose Innengewinde- und Innenraumprüfsysteme durch Laserkameras oder 3D-Laser-Messsysteme.

Wachstumsfinanzierung durch die BayBG
Als Finanzierungspartner haben sich Panther und die htg für die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH entschieden, den bayerischen Marktführer bei mittelständischen Beteiligungen. An der Panther GmbH hält die BayBG seit 1998 eine stille Beteiligung. Nach den durchweg guten Erfahrungen mit der Muttergesellschaft stieg die BayBG 2004 auch bei der htg ein, ebenfalls in Form einer stillen Beteiligung. In beiden Fällen dient die Eigenkapitalspritze der Wachstumsfinanzierung. Die Dauer des Engagements ist offen – bei der Panther GmbH währt es immerhin schon elf Jahre. Aber das verheißt nicht das baldige Ende, denn etwa an der Paul Reber GmbH, aus deren Produktion die bekannten Mozartkugeln stammen, ist die BayBG schon seit 37 Jahren beteiligt – genauso lange wie die BayBG ihr Geschäft betreibt. „Wenn die Unternehmen wachsen, gehen wir mit“, heißt es dazu bei dem Mittelstandsfinanzierer.

Bernd Luxa
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Panther GmbH / htg High Tech Gerätebau GmbH
Gründungsjahr: 1972 / 1988
Branche: Vertrieb und Verleih von Filmequipment / Sondermaschinenbau
Unternehmenssitz: Oberhaching
Mitarbeiterzahl: 35 / 140
Umsatz 2008: k. A.
Internet: www.panther.tv / www.htg-gmbh.de

„Ich wollte es besser machen als der Wettbewerb“

Interview mit Erich Fitz, General Manager der Panther GmbH und Gründer der htg High Tech Gerätebau GmbH

Unternehmeredition: Herr Fitz, angesichts der wichtigsten Stationen Ihrer Karriere – Traumberuf Kameramann, nebenberuflich Vermietung von Filmequipment, Aufgabe des Traumberufs, Herstellung von Filmequipment und Sondermaschinenbau – was treibt Sie an?
Fitz: Sicherlich das, was jeden Unternehmer antreibt: der Wunsch, Erfolg zu haben. Bei mir kam aber auch die Unzufriedenheit mit dem Handwerkszeug dazu, das den Kameraleuten damals zur Verfügung stand. Ich wollte es besser machen als der Wettbewerb. Und ich denke, das habe ich geschafft – einen Oscar bekommt man nicht einfach so.

Unternehmeredition: Sie haben am Anfang nicht selbst hergestellt, warum haben Sie 1988 mit der htg High Tech Gerätebau GmbH eine eigene Produktionsfirma gegründet?
Fitz: In erster Linie, weil unser Lieferant unzuverlässig war. Aber auch, weil die Wachstumsmöglichkeiten in der Filmbranche begrenzt sind. Sehen Sie, ein Dolly mit Grundausstattung kostet ca. 70.000 bis 100.000 Euro. Von 1982 bis 2008 haben wir 1.000 Stück verkaufen können. Natürlich haben wir mit den Dollys nur einen Bruchteil unserer Umsätze generiert, aber Sie bekommen ein Gefühl für die Potenziale in diesem Segment. Inzwischen generiert die htg ca. 75% ihrer Umsätze im Bau von Sondermaschinen, die nicht in den Panther-Bereich fallen.

Unternehmeredition: An Ihren Unternehmen hält die BayBG stille Beteiligungen, im Falle Panther schon seit über 10 zehn. Warum haben Sie sich für diese Art der Finanzierung entschieden?
Fitz: Weil die Banken stille Beteiligungen als Eigenkapital werten; das erweitert unsere Möglichkeiten, schnelleres Wachstum zu generieren.

Unternehmeredition: Viele mittelständische Unternehmen tun sich schwer damit, die Unternehmensnachfolge familiär zu regeln. Ihnen ist es schon früh gelungen, Ihren Sohn als Nachfolger aufzubauen. Wie haben Sie das angestellt?
Fitz: Das hat sich fast zwangsläufig ergeben. Andreas hat sich schon als kleiner Junge in der Firma herumgetrieben. Natürlich ist das eine Frage gegenseitigen Respekts und der Bereitschaft, Verantwortung abzugeben. Aber letztlich war es das, was er wollte, und inzwischen ist er ein besserer Designer als sein Vater.

Unternehmeredition: Herr Fitz, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Bernd Luxa.
redaktion@unternehmeredition.de

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