Stille Beteiligung (Ausgabe 2/2009)

Nomos Glashütte/SA Roland Schwertner KG: Sächsische Uhren mit Stil

Mit einer fixen Idee kam Roland Schwertner nach der Wende ins beschauliche Glashütte – ihn lockte der schon verblassende Ruhm des sächsischen Städtchens als einziges deutsches Uhrenmekka.

Mit einer fixen Idee kam Roland Schwertner nach der Wende ins beschauliche Glashütte – ihn lockte der schon verblassende Ruhm des sächsischen Städtchens als einziges deutsches Uhrenmekka. Seine Branchenkenntnisse beschränkten sich damals allein auf die EDV-Beratung einer Uhrenfirma, trotzdem stehen seine Nomos-Uhren heute für einzigartige Qualität und Design. Nicht zuletzt wurde dieser Erfolg auch durch die Zusammenarbeit mit der MBG Sachsen ermöglicht.

Manufaktur mit Gütesiegel
„Ich fing mit schlechten Voraussetzungen an: kein Schweizer, kein Uhrmacher, kein Geld“, sieht Roland Schwertner schmunzelnd seine Gründung von Nomos aus dem Nichts heraus. Der mittelständische Betrieb behauptet sich heute gegen große Namen wie Swatch Group oder Richemont, deren einzige Niederlassungen in Deutschland an derselben Kreuzung in Glashütte zu finden sind wie Nomos. Das Gütesiegel Glashütte lockt, darf jedoch nur auf Uhren prangen, deren Wertschöpfung zu mindestens 50% in Glashütte erbracht wurde. Auch den Titel Manufaktur muss man sich in der Branche durch die Entwicklung eines eigenen Uhrenkalibers hart erarbeiten. Nomos errang diesen Status, den nur ein Dutzend Unternehmen weltweit inne haben, nach jahrelanger Vorbereitung schließlich 2005 mit dem Automatikwerk der Uhr Tangomat.

Partnerschaft mit gleichen Zielen
Das neue Jahrtausend brachte aber auch große Veränderungen in der Finanzierungssituation des Unternehmens mit sich. Die Versandhaus Manufactum, seit 1997 mit 37,5% an Nomos beteiligt, beschloss 2003 den Ausstieg. Um die Finanzlücke zu schließen und das Wachstum voranzutreiben, wandten sich Schwertner und der mittlerweile als zweiter persönlich haftender Geschäftsführer hinzugekommene Uwe Ahrendt an einen alten Bekannten: Nils-Christian Giese, Abteilungsdirektor Beteiligungen bei der MBG Sachsen, hatte schon mehrmals wegen einer Zusammenarbeit angefragt. „Mich haben einfach Produkt, Markt und Leute überzeugt“, so der bekennende Freund schöner Uhren. Zudem verband beide Parteien das Ziel einer langfristigen Zusammenarbeit auf regionaler Ebene.

Beteiligungsmix bringt Eigenkapital
Schnell war man sich einig: Die MBG Sachsen lässt über eine typisch stille Beteiligung Eigenkapital in Höhe von 800.000 Euro fließen, endfällig auf 15 Jahre ausgerichtet, und beteiligt sich darüber hinaus zu 5% direkt am Unternehmen. Auch ihre Schwestergesellschaft, die Bürgschaftsbank Sachsen, kommt ins Spiel und verbürgt sich für Nomos. Das gesamte Investitionsvolumen belief sich auf etwa 2,3 Mio. Euro. Nomos nutzte das Geld gut, baute seine Produktionstiefe hin zur Manufaktur aus und erweiterte seinen Standort um den neuen Hauptstammsitz im historischen Glashütter Bahnhof. 2009 steht das Unternehmen gefestigt da, trotz krisenbedingter Einbußen. Roland Schwertner: „Uhren dürften, menschlich durchaus nachvollziehbar, stärker betroffen sein als etwa Heizung und Wohnen. Ein vernünftiger Kaufmann wird jetzt sein Lager ein bisschen zurückfahren, wir rechnen dieses Jahr mit einem Minus von 20%.“ Hoffnungslos scheint die Situation indes nicht, wie die Uhrenmesse Ende März in Basel bewies. Hier konnte Nomos neben vielen Preisen einen ganz besonderen Erfolg einheimsen: Der Wirtschaftsteil der Baseler Zeitung begann mit einer Schlagzeile über Nomos: „Wir haben die richtige Uhr für die Krise!“ Die Schweizer, ausländischen Uhren gegenüber enorm kritisch, scheinen sich für das klare Design und das überzeugende Preis-Leistungsverhältnis der deutschen Uhren erwärmt zu haben – ein Ritterschlag für die sächsische Manufaktur.

Esther Mischkowski
mischkowski@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Nomos Glashütte/SA Roland Schwertner KG
Gründungsjahr: 1990
Branche: Uhrenmanufaktur
Unternehmenssitz: Glashütte in Sachsen
Mitarbeiter: 83
Umsatz 2008: k.A.
Internet: www.glashuette.com

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