Sauberes Wachstum (Ausgabe 4/2007)

Das Interesse an sauberen Technologien wächst ebenso rasant wie der Bedarf. Die bayerische inge AG hat das bereits im Jahr 2000 gespürt und sich ihre Nische gesucht – Wasseraufbereitung. Mit ihrer speziellen Membranfiltration ist sie in den reifen Märkten Europa und USA als Nachzügler aktiv. In ihrem dritten Kernmarkt, China, gilt inge als einer der Vorreiter. Der rasante Aufbau der chinesischen Infrastruktur zur Wasserversorgung – kommunal und industriell – verspricht dem Unternehmen eine glänzende Zukunft.

Wachstumstreiber Infrastruktur
Viele Medienberichte über das chinesische Wirtschaftswachstum verweisen häufig auf die damit einhergehende Umweltbelastung und belegen sie eindrucksvoll, etwa mit erschreckenden Bildern völlig verdreckter Flüsse. Dennoch gewinnt der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen im chinesischen Bewusstsein zunehmend an Bedeutung. Die jüngsten Erfolge des deutschen Cleantech-Spezialisten inge AG, der Wasser mittels so genannter „Ultrafiltration“ aufbereitet, ist ein deutliches Anzeichen für den zunehmenden Bedarf dieser Technologie. So unterzeichnete inge vor kurzem einen millionenschweren Kooperationsvertrag mit Midea – mit 5,5 Mrd. Euro Umsatz einer der größten Haushaltsgerätehersteller in China. Die mit 55 Mitarbeitern eher kleine inge AG steigt damit als erstes internationales Ultrafiltrationsunternehmen mit Hilfe eines lokalen Partners in den Massenmarkt der sogenannten Point-of-Use-Wasseraufbereitungssysteme für Haushalte ein. „Die Chinesen sind gegenüber neuen Technologien sehr offen, was sie interessiert, sind Innovationen“, erläutert Mareike Schmidt, Leiterin der chinesischen Repräsentanz der inge AG. Wichtigster Treiber für inges stetiges Wachstum in China ist jedoch der gigantische und stetig wachsende „Durst“ nach sauberem Wasser – z. B. herrscht in Peking bereits jetzt Wassernotstand. Die enorme Wasserknappheit forciert die Nutzung von Meerwasser, so werden mittlerweile auch vermehrt große Meerwasserentsalzungsprojekte geplant und gebaut. Auch dazu bietet das bayerische Unternehmen Lösungen an.
Langsame Marktentwicklung
Die Inge AG hat sich 2004 für den relativ schnellen Markteinstieg über eine Repräsentanz in Peking entschieden. Auch wenn die Gründung fast schon unbürokratische vier Wochen in Anspruch nahm, dürfe man keine allzu schnellen Erfolge erwarten, so Schmidt. Sehr zeitaufwendig und wichtig sei etwa der Aufbau von Beziehungen. Vor allen Dingen erschwere die enorme Größe des Landes eine flächendeckende Marktbearbeitung Von Plagiaten oder gar Industriespionage sieht Schmidt derzeit keine Bedrohung ausgehen: „Auch in Zukunft verstärken wir unsere Marktbearbeitung weiter durch den konsequenten Ausbau unserer Vertriebsniederlassung. Die Kerntechnologie der Membranherstellung bleibt damit in Deutschland.“ Das Unternehmen schließt aber nicht aus, zukünftig den stetig steigenden Bedarf des chinesischen Marktes über die Verlagerung von Teilen der Produktion nach China zu befriedigen.
Fazit:
Erfahrungsgemäß braucht ein deutscher Mittelständler in China meist drei Jahre, um sich zu orientieren. Der inge AG dagegen gelang es, sich solide aufzustellen, wie Schmidt zusammenfasst: „Wir konnten seit Gründung der Niederlassung gute Absatzzahlen erzielen und zum Gesamtwachstum der inge AG beitragen.“

passmann@unternehmeredition.de

Kurzprofil inge AG
Gründungsjahr: 2000
Branche: Wasseraufbereitung
Unternehmenssitz: Greifenberg
Mitarbeiter: 55
Umsatz 2006: k. A.
Internet: www.inge.ag