Mit einer Stiftung den Erhalt der Firma gesichert

Dickow Pumpen GmbH & Co. KG: Alles fließt − auch bei 450 Grad

Foto: © Dickow Pumpen GmbH & Co. KG

Familienunternehmen denken zumeist langfristig, sie möchten den Bestand ihres Betriebs auch für kommende Generationen sichern. Eine mögliche Lösung ist die Einrichtung einer gemeinnützigen Stiftung. Der Pumpenhersteller Dickow zeigt, wie man das macht. 

Alles fließt – das wussten auch schon die alten Griechen. Aber manchmal muss man ein wenig nachhelfen, und dann kommen in vielen Bereichen die modernen Pumpen der Dickow Pumpen GmbH & Co. KG zum Einsatz. Die Entwicklung des familiengeführten mittelständischen Betriebs zu einem Marktführer für Hochleistungspumpen begann vor 112 Jahren. Zwei Weltkriege brachten für das Unter­nehmen auch zwei unfreiwillige Umzüge und nach einer Enteignung dann 1946 einen Neustart in Waldkraiburg. Das Know-how für Pumpen war schon in den Jahrzehnten davor erarbeitet worden. Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg ließ sich Dickow die selbst entwickelte Kreiselpumpe patentieren.

„Wir gehen nicht in den Preiskampf“

Foto: © Dickow Pumpen GmbH & Co. KG

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Technologie weiterentwickelt – die Pumpen wurden immer größer und die Einsatzgebiete anspruchsvoller. „Wir sind inzwischen ein Nischenanbieter mit einer hohen Flexibilität“, erklärt Jörg Bornemann, seit 2017 Geschäftsführer. Eine der Stärken sei­nes Unternehmens sieht er in der Entwicklung von speziellen Lösungen für bestimmte Anwendungsbereiche. Für eine Fertigung von Großserien sieht Bornemann sein Unternehmen nicht aufgestellt – das sei aber auch nicht das Ziel. „Wir gehen nicht in einen Preiskampf – wir wollen mit Qualität und Zuver­lässigkeit überzeugen“, fährt er fort. Viele der Kunden hätten inzwischen den wichtigen Faktor „total cost of owner­ship“ erkannt, denn es gehe nicht nur um den Kaufpreis ­eines Geräts, sondern auch um Ausfallsicherheit, hohe Lebens­dauer und geringe Wartungsintensität.

Erneuerbare Energien werden wichtiger

Die wichtigsten Kunden von Dickow kommen aktuell aus den Bereichen Raffinerien, Chemiewerke und Flughäfen. „Gerade in chemischen Betrieben oder wenn es um brennbare Stoffe geht, dann ist eine absolute Dichtheit des Systems wichtig“, erläutert Bornemann. Mit der Technologie der sogenannten Magnetpumpen können diese Anforderungen noch besser erfüllt werden. Auch in diesem Segment zählt Dickow zu den Technologieführern.

Jörg Bornemann; Foto: © Dickow Pumpen GmbH & Co. KG

Da die Bedeutung der erneuerba­ren Energien stetig wächst, setzt sich auch das Waldkraiburger Unternehmen bereits seit Jahren mit diesem ­Bereich aus­einander. Bei Anlagen, die mit Solar­thermie betrieben werden, kommen Thermalöle auf Silikonbasis zum Ein­­satz, die Temperaturen von 450 °C und höher erreichen können. Mit diesen Hightech­flüssigkeiten wird über Wärme­tauscher Dampf erzeugt. Die extremen Temperaturwerte stellen beträchtliche Anforderungen an das komplette System. Mit der neuen magnetgetriebenen Krei­selpumpe NMX will Dickow neue Kunden­kreise in diesem Segment ansprechen. „Wir haben bei der Entwicklung besonderen Wert auf eine hohe Lebensdauer, gute Energieeffizienz und eine einfache Montage geachtet“, erklärt Bornemann. Eine Herausforderung dabei war, dass die Leistung von Magneten bei hohen Temperaturen nachlässt.

Stiftung als stabile Nachfolgelösung

In die Zeit der Coronapandemie fiel auch ein wichtiger Prozess für die langfris­tige Sicherung der Unabhängigkeit von Dickow Pumpen. Die aktuelle Generation der Gründerfamilie Dickow übertrug ihre Anteile am Unternehmen an die gemein­nützige Astrid-Dickow-Stiftung. Diese Lösung für das Unternehmen war von langer Hand vorbereitet – unter anderem in Zusammenarbeit mit den Rosenheimer Niederlassungen der Commerzbank AG und der HypoVereinsbank AG. „Der Sinn der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung und der Übertragung der Anteile der Familie liegt vor allem in der langfristigen Unabhängigkeit des Unternehmens. Und damit ist auch der Fortbestand des Produktionsstandorts garantiert“, erklärt Bornemann. Durch die Überführung der Firma in eine Stiftung ist ein Verkauf in der Zukunft prak­tisch unmöglich.

Standort Waldkraiburg erhalten

Foto: © Dickow Pumpen GmbH & Co. KG

Bei der Erarbeitung eines Konzepts für die Sicherung des Unternehmensfortbestands war der Gedanke an eine Stiftungslösung stets im Vordergrund. Ein externer Investor sollte keinen Zugriff auf das Familienunternehmen erhalten und der Produktionsstandort Wald­kraiburg sollte gesichert werden. Die Finanzierungslösung hatte drei wesentliche Bestandteile: die Übertragung der Familienanteile in die Stiftung, eine Ent­nahme von Kapital zur Versorgung der ausscheidenden Familienmitglieder sowie die Finanzierung des laufenden Werks­umbaus. Positiver Nebeneffekt dieser Form der Übertragung der Anteile war etwa eine deutliche Ersparnis bei der Erb­schaftsteuer. Auch in anderen Bereichen konnte die Steuerlast verringert werden. „Wir konnten diesen Weg unter anderem auch deswegen so gut beschreiten, weil es eine langfristige und gewachsene Beziehung zu unseren Hausbanken – Commerzbank und HypoVereinsbank – gegeben hat“, sagt Bornemann.

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„Die Hausbank ist noch lange nicht überholt“

Interview mit Leonhard Renner, Direktor Firmenkunden, Commerzbank Rosenheim

Unternehmeredition: Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile bei einer Übertragung der Firmenanteile an eine Stiftung?

Leonhard Renner: Der Fall Dickow Pumpen zeigt exemplarisch, dass ein Familienunter­nehmen auch in der Nachfolgesituation ohne einen fremden Investor langfristig erhalten bleiben kann. Es ist sicher ein ­mutiger Schritt, die eigenen Firmenanteile dauerhaft aus der Hand zu geben, aber dadurch bleibt die Struktur erhalten. Ein weiterer Vorteil besteht in einer hohen Steuerersparnis – sowohl für die ­Familie als auch für das Unternehmen.

Für welche Fälle eignet sich die Gründung einer Stiftung?

Es gibt hier keine Patentlösung oder standardisierte Vorgehensweise. Es kommt in jedem Fall auf die familiäre Situation und auch auf die finanzielle Ausstattung an. Bei Dickow Pumpen half das hervorragende Rating bei der Umsetzung einer pragma­tischen Finanzierungslösung. Außerdem haben wir darauf geachtet, dass ausreichend Liquidität im Unternehmen verbleibt, unter anderem für anstehende mittel- und langfristige Finanzierungen beispielsweise für die Modernisierung und Erweiterung des Produktionsstandorts.

Wie wichtig ist eine gute Beziehung zwischen Bank und Unternehmern?

Leonhard Renner; Foto: © Commerzbank Rosenheim

Sehr wichtig! Das Prinzip der „Hausbank“ ist noch lange nicht überholt. Eine langfristige Hausbankbeziehung zu haben ist ein Zeichen von Stabilität. Diese Beziehung ist in der Lage, das Wachstum und den Erhalt des Unternehmens zu sichern. Im Fall Dickow Pumpen sind wir seitens Commerzbank seit drei Generationen ­zusammen mit der HypoVereinsbank Hausbank. Der Vorteil für uns als Bank liegt darin, ein tiefes Verständnis für das Geschäftsmodell zu haben. Wir sprechen auf Augenhöhe miteinander. Wir wissen um die Kompetenz der operativen Geschäftsführung sowie der handelnden ­Gesellschaftervertreter. Natürlich hat auch das Unternehmen große Vorteile von einer Hausbankbeziehung: Aufgrund der vorliegen­den Informationen ist die Bank wesentlich schneller handlungsfähig. Das Geschäftsmodell muss nicht von null an erklärt ­werden, die Geschäftsführung weiß um die Verlässlichkeit des Bankpartners, und die Hausbank behält auch stets geschäft­liche und private Belange im Blick. Deshalb ist es uns seitens Commerzbank wichtig, unseren Kunden eine hohe Kontinuität in der Betreuung zu ermöglichen – ein großes Asset für beide Seiten. Dies gilt ebenfalls für die HypoVereinsbank.


KURZPROFIL Dickow Pumpen GmbH & Co. KG

Gründungsjahr: 1910

Branche: Industriepumpen

Unternehmenssitz: Waldkraiburg

Umsatz: 30 Mio. EUR

Mitarbeiterzahl: circa 200

www.dickow.de

Der Beitrag ist in der Unternehmeredition 1/2022 erschienen.

Autorenprofil
Alexander Görbing

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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