Minderheitsbeteiligung eines Finanzinvestors

Der Mittelstand ist nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Er ist auch sehr innovativ, sonst hätte Deutschland nicht den viel beachteten Exporterfolg vorzuweisen. Dass eine finanzielle und operative Kooperation mit einem internationalen Konzern hilfreich dabei sein kann, zeigt das Beispiel von Brainlab und Intel Capital, beide in Feldkirchen bei München ansässig.

Datenflut filtern und aufbereiten

Schon Ende der 80er Jahre hatte Stefan Vilsmeier in Gesprächen mit Medizinern die Problematik der Bildschirmdarstellung in Praxen und Kliniken erkannt. 1989 gründete er die Brainlab AG, deren CEO er heute noch ist. Schon von Beginn an war das Unternehmen international orientiert, die ersten Kunden waren in Taiwan, Südafrika, den USA und anderen Ländern angesiedelt, wie Vilsmeier heute berichtet. In den USA, dem weltweit bedeutendsten Markt für Medizintechnik, etablierte sich Brainlab 1994 mit einer Niederlassung. Heute macht das Unternehmen den weitaus größten Teil seines Umsatzes international, allein etwa 50% in den USA. „Aus einer Vielzahl von Daten für die Behandlung relevante Informationen machen“, fasst Vilsmeier den Kern seines Geschäfts kurz zusammen. „Wir bieten Softwarelösungen, die den Input aus Daten verschiedener Quellen so verarbeiten und aufbereiten, dass der Arzt daraus seine Entscheidungen für die Behandlung des Patienten besser ableiten kann.“

Präzision in Diagnose und Operation

Das Unternehmen ist somit im Bereich der wissens- und evidenzbasierten Medizin tätig. Die Flut an Daten soll sinnvoll gefiltert und dadurch eine bessere Informationsstruktur erreicht werden – mit dem Ziel einer besseren Behandlung für den Patienten. Die Brainlab-Software wird insbesondere in zwei Bereichen eingesetzt. In der Radiochirurgie wird eine präzisere Bestrahlung von Tumoren ermöglicht, was die Therapie verkürzen und die Nebenwirkungen verringern kann. In der bildgestützten Chirurgie kann sich der Chirurg besser mit seinem Instrument orientieren und die Operation präziser ausführen. Vilsmeier: „Ein weiterer zunehmend wichtiger werdender Bereich ist die Verknüpfung von Medizinern an verschiedenen Orten, die interdisziplinär anhand von Daten und Bildern an komplexen Entscheidungsprozessen beteiligt sind.“

Operative Synergien erzielen

Mit seiner Technologie war Brainlab vor knapp vier Jahren einem großen Investor aus dem Bereich Corporate Venture Capital aufgefallen: Intel Capital. 1992 gegründet, gehört Intel heute zu den weltweit größten Playern im Bereich Corporate Venture Capital. Etwa 360 Firmen befinden sich im rund 2 Mrd. USD schweren Portfolio. Im Jahr 2006 nun kaufte Intel Capital bestehende Aktionäre – in erster Linie ehemalige Mitarbeiter – aus und ging eine Minderheitsbeteiligung ein. „Wir wollten die Transaktion, weil wir so zusätzliches Know-how und Kontakte bekamen“, erzählt Vilsmeier. Inzwischen habe man schon einige Male von der Verbindung profitiert – zum Beispiel bei Entscheidungen von Zulieferern, bei Marketingaktivitäten sowie in technischen Fragen der Software. Auch aus Sicht von Intel ist es klares Ziel, operative Synergien zu erzielen, so dass beide Vorteile daraus ziehen: Brainlab in seinem Wachstum und in der Entwicklung neuer Softwarelösungen, Intel in der stärkeren Durchdringung seiner eigenen Zielmärkte. Brainlab ist inzwischen mit Büros in 15 Ländern vertreten; Hauptkunden sind Krankenhäuser, insbesondere die Abteilungen Strahlentherapie, Neurochirurgie und Orthopädie. Die insgesamt knapp 1.000 Mitarbeiter (ca. 600 davon in Deutschland) erzielten 2009 einen Umsatz von etwa 180 Mio. EUR – ein Wachstum von rund 20% gegenüber 2008.

Bernd Frank
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Brainlab AGGründungsjahr: 1989Branche: SoftwareUnternehmenssitz: Feldkirchen bei MünchenMitarbeiterzahl: 1.000Umsatz 2009: 180 Mio. EURInternet: www.brainlab.com

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