Grundig Business Systems: Turbulente Zeiten mit Happy End

„Wir waren immer profitabel“, betont Roland Hollstein. Dass der Diktiergeräte-Spezialist Grundig Business Systems trotzdem turbulente Jahre hinter sich hat, bestreitet dessen Geschäftsführer nicht. Nach der Pleite des Mutterkonzerns 2003 übernahm das Münchener Private Equity-Haus Induc AG die ehemalige Bürokommunikationssparte.

„Wir waren immer profitabel“, betont Roland Hollstein. Dass der Diktiergeräte-Spezialist Grundig Business Systems trotzdem turbulente Jahre hinter sich hat, bestreitet dessen Geschäftsführer nicht. Nach der Pleite des Mutterkonzerns 2003 übernahm das Münchener Private Equity-Haus Induc AG die ehemalige Bürokommunikationssparte. Die anschließende Restrukturierung war nicht immer einfach, aber wirkungsvoll, sagt Hollstein: In diesem Jahr kann das in Bayreuth ansässige Unternehmen erstmals seit fünf Jahren wieder Ausbildungsplätze anbieten.


Von der Stenorette zum digitalen Diktat
Für den Großkonzern Grundig war die Bürokommunikationssparte lediglich ein Randbereich – obwohl im Bayreuther Werk schon 1954 die legendäre „Stenorette“ produziert wurde. Mit deren Nachfolgern war Grundig durchgehend Marktführer bei Diktiergeräten in Deutschland, auch weltweit gehört Grundig Business Systems (GBS) nach wie vor neben Philips und Olympus zu den bekanntesten Anbietern. Nicht ohne Grund sicherte sich die Induc, die nach der Grundig-Pleite die als Grundig Business Systems aus dem Konzern ausgegliederte Tochter übernahm, in einem der ersten Schritte mit einer Lizenz die Namensrechte. „Der Name Grundig beschert uns noch immer eine hohe Aufmerksamkeit am Markt, die wir als Mittelständler ohne diese Historie kaum hätten“, betont Hollstein. Hinter den Kulissen wurde an den Standorten Bayreuth und Nürnberg indes so ziemlich alles umgekrempelt. Der Schwerpunkt der Entwicklung legte das Unternehmen auf Digitaltechnik und stellte Produktionsabläufe, interne Prozesse und das Vertriebskonzept um. Das Unternehmen hat seit 2004 jährlich etwa 15% seines Umsatzes in die Forschung und Entwicklung gesteckt – ein Aufwand, der sich auszuzahlen beginnt.

Ausweitung des Kundenkreises

Auch wenn das alte analoge Diktiergeschäft – und vor allem dessen Verbrauchsmaterialien, also Kassetten, aber auch Ersatzteile – dem Unternehmen laut Hollstein noch immer „solide Gewinne“ beschert, ist die Technik längst erheblich weiter. Digitale Aufzeichnung ist Standard, vor kurzem präsentierte GBS ein kabelloses Diktiermikrofon, das eine Brücke zwischen Handgeräten und stationären PC-Mikrofonen baut. Die Digitaltechnik macht es möglich, Diktate vom Aufnahmegerät aus direkt als Datei in den Computer einzulesen. Das könnte die GBS-Produkte auch für Branchen außerhalb des klassischen Kundenkreises aus Ärzten, Juristen und Behörden interessant machen – etwa auf dem Bau, bei Gutachtern oder im Außendienst. Zumal auch die mobile Übermittlung der Sprachaufnahmen „im Prinzip funktioniert wie bei jeder anderen Datei“, sagt Hollstein, „also etwa über W-Lan oder UMTS möglich ist.“

Mit Innovationen wachsen

Hollsteins Anspruch ist es, mit seinem Unternehmen Innovationsführer zu sein. Parallel will er Märkte erschließen, in denen GBS bislang noch nicht so präsent gewesen sei. Dazu zählen vor allem die USA. Seit 2007 hat das Unternehmen ein Vertriebsbüro in Chicago. Mit der Konzentration auf die Digitaltechnik hat GBS zudem die Möglichkeit, auch losgelöst von Diktiergeräten Umsatz zu generieren: Die Produktionsanlagen im Bayreuther Werk werden zum Teil auch für die Auftragsfertigung von Leiterplatten und anderem Digital-Equipment genutzt. Das sorge „für ein solides Grundrauschen“ und stärke nicht zuletzt mit Klein- und Entwicklungsserien das Gesamt-Know-how, so Hollstein.

Lars Radau
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Grundig Business Systems
Gründungsjahr: 2001
Branche: Büroelektronik
Unternehmenssitz: Bayreuth
Mitarbeiterzahl 2007: 120
Umsatz 2007: 20 Mio. Euro
Internet: www.grundig-gbs.com