Saarschleife: Zwischen Natur- und Kulturlandschaft

Binnen zehn Jahren hat die Erlebnis Akademie AG (eak) acht Baumwipfelpfade errichtet. Über den Kapitalmarkt holt sich das Unternehmen Geld für neue Standorte. Das Wachstumstempo wird sich in den nächsten Jahren so fortsetzen.

Nebelschwaden hängen noch über dem Fluss, als sich der Wanderer an einem Frühlingsmorgen auf den steilen Weg hinauf zur Aussichtsplattform an der Saarschleife begibt. Vom Tal quer durch den Wald auf die Anhöhe führt der anspruchsvolle Saar-Hunsrück-Steig, ein Premiumwanderweg. Oben angekommen, will man den berühmten Blick hinab ins Tal genießen. Doch vorher zieht ein Holzkonstrukt Aufmerksamkeit auf sich: Ein 42 Meter hoher Turm, der auf gewaltigen Holzstämmen ruht und die Besucher in Schleifen nach oben lockt.


Aussicht von der Besucherplattform: Seit 2016 lockt die Attraktion Besucher und gilt als Touristenmagnet.Der Turm ist das Herzstück des Baumwipfelpfads Saarschleife. Seit Juli 2016 lockt die Attraktion die Besucher an, sie ist ein wichtiger Tourismusmagnet für den saarländischen Landkreis Merzig-Wadern, der bislang vor allem für das wenige Kilometer entfernte, idyllische Städtchen Mettlach mit dem Keramikmuseum des Traditionsherstellers Villeroy & Boch bekannt war. Mit einer Gesamtlänge von 1.250 Metern und einer Höhe von bis zu 23 Metern schlängelt sich der Baumwipfelpfad durch Buchen, Eichen und Douglasien. Es geht vorbei an Lern- und Erlebnisstationen, einer Wackelbrücke, einer Rutsche.

Schnittstelle zwischen Natur- und Kulturlandschaft

Baumwipfelpfade sind eine noch recht junge Attraktion in Deutschland, doch sie verbreiten sich vom Süden der Republik aus immer schneller – diese Entwicklung geht auf ein Unternehmen zurück, das sich mit seiner Gründung 2001 dem Aufbau von nachhaltigen Naturerlebniseinrichtungen verschrieben hat: die Erlebnis Akademie AG (eak) mit Sitz im ostbayerischen Bad Kötzting. „Wir stehen an der Schnittstelle von Natur- und Kulturlandschaft“, erklärt Christoph Blaß, CFO und Mitgründer des Unternehmens. „Es geht uns bei unseren Projekten immer um zwei Dinge: das Naturerlebnis und den Bildungsaspekt. Um das zu ermöglichen, arbeiten wir mit unterschiedlichen Partnern zusammen, etwa mit der Bundesstiftung Umwelt auf Rügen, im Bayerischen Wald mit dem Nationalpark.“

Erste Projekte der eak waren Hochseilparks und Adventure-Parcours; nach sieben Jahren zeigte sich eine neue Möglichkeit auf: „Die Baumwipfelpfade waren eine Chance, die wir 2008 ergriffen haben. Vorher ging es dem Unternehmen stärker um den Akademiegedanken im Rahmen von Teamtrainings und Seminaren. Nach einem Jahr war der Baumwipfelpfad Bayerischer Wald bei Neuschönau fertig. Es ist bis heute der weltweit längste Pfad dieser Art. Darin sei sicherlich das meiste Herzblut reingeflossen“, sagt Blaß, „ähnliche Einrichtungen gab es damals nur ein paar Mal auf der Welt.“

Finanzierung über die Börse

Die Bilanz seitdem: Rund 44 Mio. Euro investierte die eak bislang in acht Baumwipfelpfade, in Rügen, dem Schwarzwald, gar in Tschechien und der Slowakei. 2017 kamen rund 1,7 Millionen Gäste, 2018 über 2 Millionen auf alle Anlagen einschließlich Beteiligungen.

CFO Blaß ist mit der Nachfrage zufrieden und kündigt weitere Standorte an: „Für die nächsten drei Jahre haben wir eine ganze Menge an Projekten in der Pipeline.“ Diese stemmt das mittelständische Unternehmen über die Börse (siehe Interview). Bei der Frage nach weiteren Emissionen hält sich der CFO bedeckt. Er verrät nur so viel: „Die Projekte werden wir sicher nicht alle aus dem Cashflow finanzieren können, weshalb vermutlich irgendwann Eigenkapitalunterlegungen notwendig werden.“

Neben der Finanzierung muss sich das Unternehmen auch immer wieder um das Image der Projekte kümmern: „Wir greifen so wenig wie möglich in die Natur ein und legen Wert darauf, so wenige Bäume wie möglich zu beeinträchtigen, den Boden so wenig wie möglich zu versiegeln. Zudem arbeiten wir zu 80 Prozent mit dem regenerativen Werkstoff Holz.“ Beim ersten Projekt habe es keine Gegnerschaft gegeben, sagt Blaß. Bei einem Projekt in der Schwäbischen Alb seien die Bedenken sehr stark gewesen, weshalb das Unternehmen schlussendlich auf die Realisierung verzichtet habe.

Holzturm mit Besucherplattform: Das Projekt hat nicht nur Fans, sondern auch Gegner.
Holzturm mit Besucherplattform: Das Projekt hat nicht nur Fans, sondern auch Gegner.

Die Saarschleife als Zukunftsprojekt

Auch bei der Saarschleife gab es Widerstände: Kritiker sprachen von einem zu starken Eingriff ins Landschaftsbild. Einheimische monierten, vom Tal aus sehe der Turm mit seinen Schleifen wie ein überdimensioniertes Parkhaus aus. Carina Becker kennt diese Kritik. Die 36-Jährige leitet die Standorte Saarschleife und Schwarzwald. „Es gab negative Reaktionen von Menschen aus der Region“, berichtet sie. „Vielleicht liegt es daran, dass wir in der Nähe des wichtigen Wahrzeichens des Saarlands gebaut haben. Letztendlich ist es aber eine Geschmackssache.“

Die Akademie hat am Standort Saarschleife jedenfalls noch viel vor. In unmittelbarer Nähe des Baumwipfelpfads befindet sich ein alter Biergarten und ein kleiner, in die Jahre gekommener Spielplatz. „Wir haben das Areal gepachtet, werden eine eigene Gastronomie betreiben, den öffentlichen Spielplatz erneuern und zusätzlich einen 7.500 Quadratmeter großen kostenpflichtigen Abenteuerwald anlegen“, verrät Becker.


„Es ist ein Armutszeugnis, dass so wenige an der Börse sind“

Interview mit Christoph Blaß, CFO der Erlebnis Akademie AG

Christoph BlaßWarum haben Sie sich für eine Finanzierung über die Börse entschieden?

„Bis zum Börsengang waren wir, wenn man so will, ein Friends and Familiy-Unternehmen, für das die Finanzierung zunehmend schwierig wurde. Wir sind als kleine AG gestartet, haben uns projektbezogen aus dem eigenen Fundus finanziert und hatten bis zum Börsengang neun Kapitalerhöhungen hinter uns. Die Projekte wurden immer mehr, weshalb wir einen breiteren Kapitalmarkt angehen wollten. Außerdem sind wir ein Publikumsbetrieb mit mehr als 2 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr. Daher war es eine Intention, dass uns der Börsengang eine breitere Aufmerksamkeit verschafft.

Wie hat sich die Kreditvergabe durch die Banken seit dem Start entwickelt?

Das ist grundsätzlich leichter geworden. Das mag an der höheren Transparenz liegen, außerdem haben wir die Zielvorgaben erfüllt. Wir berichten strukturiert und quartalsweise und sicherlich etwas professioneller als zuvor. Die innere Börsenreife war sicher ein Grund, dass wir über die höhere Transparenz besser an Fremdkapital gekommen sind.

Denken Sie, dass dieser Weg ein Modell für andere kleine Mittelständler sein könnte, die Schritt für Schritt wachsen wollen?

Ehrlich gesagt hoffe ich das, denn es ist ein Armutszeugnis, dass in Deutschland so wenige Unternehmen in unserer Größe an der Börse sind. Gerade der m:access ist eine gute Adresse. Man hat eine ausreichende Transparenz, aber nicht gleich die große Keule eines regulierten Marktes. Das halte ich für sehr vernünftig.

Kurzprofil Erlebnis Akademie AG

Gründungsjahr 2001
Branche Freizeiteinrichtungen
Unternehmenssitz Bad Kötzing
Umsatz 2018
9 Mio. Euro
Mitarbeiter
rund 80

www.eak-ag.de