Papiermaschine aus dem Jahr 1883: Bei der Büttenpapierfabrik läuft sie noch immer auf Hochtouren.
Papiermaschine aus dem Jahr 1883: Bei der Büttenpapierfabrik läuft sie noch immer auf Hochtouren.

Liebe Leser, in der Weihnachtszeit und den Feiertagen danach bis zum 7. Januar stellen wir Ihnen unsere Höhepunkte aus dem vergangenen Jahr vor. In zehn Teilen lesen Sie unser persönliches Best-of an Porträts, Interviews und Features aus dem Redaktionsjahr 2017. Wir hoffen, dass Sie die ein oder andere Geschichte auch nochmal gerne lesen oder neu entdecken.

Das Team der Unternehmeredition wünscht Ihnen besinnliche Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2018.


 

Die Gmunder Büttenpapierfabrik produziert ihre Ware auf einer Maschine aus dem vorletzten Jahrhundert. Dennoch gehört das Traditionsunternehmen zu den innovativsten und erfolgreichsten Produzenten der Branche. Oscarpreisträger halten die Umschläge in der Hand und auch der König von Jordanien ist Kunde.

Es ist ein regnerischer Tag am Tegernsee in Gmund. Doch das kann die Idylle hier in Oberbayern kaum trüben. Das Verwaltungsgebäude der Büttenpapierfabrik ist im alpenländischen Stil gebaut. Es riecht nach Holz und ein wenig nach Farbe. Direkt am alten Gebäude fließt die Mangfall. München versorgt sie mit Trinkwasser. Hier sorgt sie überwiegend für die Energiegewinnung. Bis zu 75 Prozent des Stroms wird mithilfe von regenerativer Energie gewonnen, davon mehr als die Hälfte durch Wasserkraft. Seit jeher haben sich Papierfabriken am Wasser angesiedelt. Und seit Langem wird hier feinstes Papier produziert: 1829 gründete Johann Nepomuk Haas die Gmunder Papiermühle. Sein Nachfolger Gregor Fichtner überzeugte das bayerische Königshaus dazu, das Papier zu verwenden. Viel wichtiger war allerdings, dass auch Behörden die Qualität zu schätzen wussten. „Sie nutzten damals das beste Papier, heute ist es genau umgekehrt“, sagt Geschäftsführer Florian Kohler. In der vierten Generation führt er das Familienunternehmen.

Das erste Familienmitglied war der Urgroßonkel Ludwig Kohler. Er erfand das farbige Papier, was damals einer Revolution glich. Kohler war sich sicher, dass nur eingefärbte Materialien Wertigkeit vermitteln. Er sollte recht behalten. Heute sind sie das Brot- und Buttergeschäft der Gmunder Büttenpapierfabrik. Allerdings endete seine Karriere tragisch: er verhedderte sich mit seinem Lodenmantel in der Maschine und verunglückte tödlich.

Fortan führte der Großvater die Geschäfte. Allerdings mehr schlecht als recht. Als Theologe war er branchenfremd, weder Kaufmann noch Papiermacher. Ganz anders der Vater: Er brachte dann in typischer Nachkriegsmanier das Unternehmen in die Spur und erneuerte es. Mitte der 80er-Jahre trat dann Florian Kohler ins Unternehmen ein. Er machte in den darauffolgenden Jahren aus der Gmunder Büttenpapierfabrik einen der bekanntesten Papiermarkenartikler weltweit. Heute beliefert die Manufaktur das Königshaus von Jordanien, stellt die Umschläge für die Oscarverleihung her, produziert für große Luxuskonzerne, aber auch für den Otto Normalverbraucher.

Nächste Seite: Die erfahrenste Papiermaschine Europas