Ideenklau ist wie Schwarzfahren (Ausgabe 4/2007)

Polohemden darf jeder herstellen, keine Frage. Aber wer ohne Lizenz ein Lacoste-Krokodil darauf näht, stellt eine Fälschung her. Das ist Produktpiraterie und zweifelsohne verboten. Wer dagegen „nur“ Plagiate produziert, sprich abkupfert, klaut zwar kreative Leistungen anderer, verstößt aber nicht direkt gegen Gesetze. Es ist eine Grauzone. Für Abnehmer und Verkäufer dieser Plagiatsprodukte in Deutschland haben Strafen bisher den Charakter einer Ordnungswidrigkeit. Hier ist ein klares Umdenken nötig.

Kavaliersdelikt Kopie
Da das Ausnutzen der Leistungen anderer ungefährlicher und erfolgreicher ist als der Drogenhandel, haben sich einige auf dieses Geschäft konzentriert und entsprechende Techniken entwickelt. Diese Vorgehensweise ist in Deutschland leider gesellschaftlich akzeptiert, auch wenn damit die Innovationskraft des Standortes zerstört wird. In Frankreich oder Belgien ist ein solches Vorgehen undenkbar und die gesetzlichen Rahmenbedingungen auch entsprechend ausgearbeitet. Empfindliche Strafen machen es unattraktiv, ein solches Geschäftsmodell zu verfolgen. In Deutschland wird dieses kriminelle Verhalten leider bisher als Kavaliersdelikt angesehen; im schlimmsten Falle ist eine Lizenzanalogie zu zahlen. Das ist als wenn man beim Schwarzfahren erwischt wird und dann einfach die Karte nachlösen muss, statt eine Strafe zu bezahlen. Wer würde da schon eine Fahrkarte lösen?

Umdenken braucht Zeit
Das Problem liegt bei der Einstellung der Handelshäuser, die einem Plagiathersteller in China erst den Markt bieten, um die Produkte zu verkaufen. In den Handelshäusern werden selbstverständlich auch die größeren Gewinne abgeschöpft. Mit rechtlichen Möglichkeiten lässt sich der Verkauf von Kopien unterbinden und die Vernichtung der Ware erreichen. Unsere eigenen Versuche, in China an der Quelle direkt erfolgreich zu sein, waren mit Hilfe eines englischen Spezialunternehmens bisher nur einmal erfolgreich. Der Besuch bei der chinesischen Botschaft in Berlin war wenig hilfreich, denn eine Unterstützung in Bezug auf die Einschränkung der Plagiatsaktivitäten konnten wir nicht erreichen. Es gibt zwar Gesetze, aber die Realitäten vor Ort in China sehen noch ganz anders aus, und es wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bevor ein Unrechtsbewusstsein entsteht, das zu einer Verhaltensänderung führt. Für mich wäre es in unseren Fall Erfolg versprechender, sich an Frankreich und Belgien zu orientieren und die Absatzkanäle zu unterbrechen. Dann würde sich das Problem relativ schnell von alleine lösen.

Fazit:
Solange das gesellschaftliche Bewusstsein nicht vorhanden ist, dass die erbrachte geistige Leistung und das Urheberrecht einen ganz besonderen Wert darstellen, ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ideen sind nicht schützbar, aber die reale Umsetzung der Idee in ein Produkt ist es sehr wohl. Wenn mittelständische Unternehmer in Deutschland mit ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Verantwortung auch in Zukunft bestehen wollen, dann benötigen sie Rechtssicherheit auf diesem Gebiet.

Zum Autor: Stephan Koziol
Stephan Koziol (presse@koziol.de) ist Geschäftsführer der Koziol »ideas for friends GmbH aus in Erbach im Odenwald. Das Unternehmen stellt seit 1927 Design-Produkte für den Haushalt her.
www.koziol.de

Autorenprofil

Stephan Koziol (presse@koziol.de) ist Geschäftsführer der Koziol »ideas for friends GmbH aus in Erbach im Odenwald. Das Unternehmen stellt seit 1927 Design-Produkte für den Haushalt her.
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