Dr. Patrick Adenauer, Präsident, Die Familienunternehmer – ASU e.V.: Das „Familienunternehmer-Prinzip“ (Ausgabe 3/2010)

Unternehmerische Freiheit und Verantwortung

Unsere Freiheit ist untrennbar verbunden mit der Verantwortung für unser eigenes Handeln und auch die Folgen dieser Handlungen. Dieses ethische Verantwortungsprinzip unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung befolgen gerade die Familienunternehmer in ihren Unternehmen tagtäglich.

Unsere Freiheit ist untrennbar verbunden mit der Verantwortung für unser eigenes Handeln und auch die Folgen dieser Handlungen. Dieses ethische Verantwortungsprinzip unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung befolgen gerade die Familienunternehmer in ihren Unternehmen tagtäglich. Sie nehmen an ihren Heimatorten und darüber hinaus ihre gesellschaftliche Mitverantwortung wahr. Wer stets an die nächste Familiengeneration denkt und in seinen Mitarbeitern mehr sieht als nur eine Kostenposition, der lebt Nachhaltigkeit und Verantwortung.

Missachtung der Verantwortung durch die Finanzwirtschaft
Leider wurden diese Verantwortung und Werte durch einen Teil der internationalen Finanzwirtschaft und ihre kurzfristigen Gewinnerzielungsstrategien sträflich missachtet. Der Gesetzgeber hatte dafür den Boden bereitet. Die Akteure haben den zu großen Spielraum über das ethisch vertretbare Maß ausgeweitet. Das hat neben einem riesigen volkswirtschaftlichen Verlust zu einem tiefgreifenden Vertrauenseinbruch der Bürger in unser Wirtschaftssystem geführt. Und dies geschah gerade in einer Zeit, in der viele Industrieländer endlich mit reduzierten Neuverschuldungen und ersten Rückzahlungen eine nachhaltigere Haushaltspolitik vollziehen wollten. Weil unser Wachstum zukünftig weniger durch die nachwachsende, junge Generation getragen werden kann und die Ausgaben in unseren Sozialsystemen durch immer mehr Ältere weiter explodieren werden, müssen wir auf diesen Sanierungsweg schnellstmöglich zurückkehren.

Regulierung konsequent durchsetzen
Schon unter normalen Bedingungen ist ein Sparkurs schwer durchsetzbar. Inzwischen stehen in Deutschland rund 30 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Unternehmern fast 34 Mio. Empfänger von Sozialleistungen, Rentner und Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes gegenüber. Die Politik steht vor einem tiefgreifenden Dilemma: Nur wenige dieser 34 Mio. Menschen werden durch höhere Einsichten geringere staatliche Leistungen oder Forderungen nach mehr Eigenverantwortung akzeptieren. Wenn sich währenddessen einzelne Akteure der internationalen Finanzwirtschaft so verantwortungslos gerieren, wie es leider weiter zu beobachten ist, wird die notwendige Wende zu einer nachhaltigeren Politik psychologisch noch zusätzlich erschwert. Die Konsequenz daraus kann nur heißen: Die notwendige Akzeptanz unter den Wählern für eine Sparpolitik wird nur erreicht werden, wenn gleichzeitig konsequent gegen den weiteren Missbrauch von Finanzinstrumenten vorgegangen wird. Diese Regulierungen der Finanzmärkte müssen im europäischen Schulterschluss unbeirrt durchgesetzt werden. Wenn das Ideal des „ehrbaren Kaufmanns“ nicht gelebt wird und sich ein kleiner Kreis der Verantwortung für das eigene Handeln völlig entzieht, müssen staatliche wie supranationale Ordnungsrahmen gesetzt werden.

Verantwortung und Risiko tragen
Die „Philosophie“, die die Finanzkrise zum Ausbruch brachte, hat leider auch weite Teile der Realwirtschaft – davon über 90% in Deutschland Familienunternehmen – über Jahre in Mitleidenschaft gezogen. So ist es für Banken durch die hohen Kreditanforderungen aus Basel II für Firmenkredite bis heute attraktiver, weil eigenkapitalschonender, in alternative Finanzprodukte als in das eigentliche Kerngeschäft der Banken mit realen Kunden zu investieren. Das muss geändert werden, indem beispielsweise für alle verkauften Verbriefungsprodukte zumindest eine Haltepflicht von 10% beim Emittenten durchgesetzt wird. Dies ist das klassische „Familienunternehmer-Prinzip“: Jeder trägt für seine unternehmerische Freiheit durch sein Eigenkapital Verantwortung und Risiko.

Unterschiedliche Anreize bei Unternehmern und Managern
Familienunternehmer sind keine besseren Menschen als angestellte Manager, nur agieren sie in unterschiedlichen Anreizsystemen. Für Familienunternehmer stehen die Stärkung der Unternehmenssubstanz und ein nachhaltiges Wachstum im Mittelpunkt ihrer Anstrengungen, die Gewinnausschüttungen werden deshalb eher gering gehalten. Dagegen werden angestellte Manager durch die Höhe erfolgsabhängiger Boni nur eindimensional motiviert. Häufig wurden und werden ihre Einzelleistungen über- und letztlich wegen ihrer zu kurzfristigen Ausrichtung auch falsch bewertet und fehlgesteuert. Zudem unterliegen sie zumeist einer intransparenten Selbstkontrolle der Führungskräfte, von den Aufsichtsräten ist selten zu hören. So entsteht der Verdacht einer Selbstbedienungsmentalität auf Kosten der Eigentümer. Deren Position ist in Gesellschaften in breitem Streubesitz zu schwach.

Vorbildfunktion der Elite für mehr Verantwortung
Leider strahlen jedoch Fehlanreize und die daraus folgende Maßlosigkeit Einzelner auf andere aus. Maßlosigkeit in Funktionseliten der Wirtschaft senkt die Akzeptanz für unser Wirtschaftssystem, schwächt Mehrheiten für dessen Fortentwicklung, letztlich unsere Demokratie selbst. Familienunternehmer sind in Deutschland als „Gegenbild“ attraktiv, 87% der Arbeitnehmer wären gerne bei ihnen beschäftigt. Das kann jedoch kaum beruhigen, weil auch eine demokratische Gesellschaft wesentlich durch das gemeinsame Vorbild seiner Eliten geprägt wird. Wenn Einzelne nicht durch eigene Einsicht zu einem verantwortungsvollen Handeln finden, müssen die Regeln nach „Familienunternehmer-Prinzipien“ mit mehr Eigenverantwortung und eigenem Risiko sie dazu führen.

Zur Person: Dr. Patrick Adenauer
Dr. Patrick Adenauer ist Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer – ASU e.V.“. Seit 1949 vertritt dieser mittlerweile rund 5.000 Familienunternehmer aus allen Branchen in Deutschland. Als politische Interessenvertretung der Familienunternehmer folgt der Verband den Maximen Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung. www.familienunternehmer.eu

Autorenprofil
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