Röchling Industrial übernimmt die Terbrack Kunststoff GmbH & Co. KG. Die Sanierungsexpertin Dr. Ria Brüninghoff von der Pluta Rechtsanwalts GmbH veräußerte den Geschäftsbetrieb im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Der Übergang erfolgt nach Angaben der Kanzlei zum 1. März 2026. Die Übernahme umfasst den operativen Betrieb sowie alle 100 Arbeitsplätze am Standort Vreden.
Die Fortführung erfolgt durch die neugegründete Röchling Industrial Vreden GmbH. Laut der Pressemitteilung sichert dieser Schritt die Zukunft für Kunden und Lieferanten des seit 1954 bestehenden Kunststoffpioniers. Das Unternehmen aus dem Münsterland ist auf die Verarbeitung technischer Kunststoffe spezialisiert. Es produziert unter anderem Pressplatten sowie extrudierte Profile für den Maschinenbau. „Mit der Übernahme von Terbrack nutzen wir eine wichtige Chance, unser Netzwerk gezielt auszubauen und die Ausfallsicherheit für unsere Kunden deutlich zu erhöhen,“ betont Wilhelm Korte-Dirxen, Chief Operating Officer von Röchling Industrial. Nach seiner Einschätzung ergänzt die Akquisition das bestehende Know-how ideal und stärkt das Produktionsnetzwerk nachhaltig.
Erfolgreicher Investorenprozess
Das Insolvenzverfahren wurde am 1. Februar 2026 durch das Amtsgericht Münster eröffnet. Zuvor ordnete das Gericht Ende Oktober 2025 die vorläufige Verwaltung an. Während des Verfahrens lief die Produktion laut Dr. Ria Brüninghoff vollumfänglich und stabil weiter. Sie äußert sich erfreut über das Ergebnis: „In den vergangenen Monaten haben wir die Produktion vollumfänglich fortgeführt, den Betrieb stabilisiert und alle Kundenanforderungen wie gewohnt erfüllt. Die Terbrack-Mitarbeiter haben sich in ganz besonderem Maße engagiert und damit den Grundstein für eine erfolgreiche Transaktion gelegt. Maßgeblich unterstützt wurden mein Team und ich auch von dem Geschäftsführer Michael Wittka. Für dieses überobligatorische Engagement der vollständigen Terbrack-Mannschaft möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Mein Dank gilt auch den Geschäftspartnern, die den Sanierungsweg in den letzten Monaten ebenso ohne Einschränkungen unterstützt haben. Von der erzielten Lösung profitieren alle Verfahrensbeteiligten – ganz besonders die Mitarbeiter, aber auch alle Gläubiger durch den Werterhalt und letztlich auch der Investor, der sein Produktportfolio mit Terbrack ausbaut. Ich freue mich außerordentlich mit Röchling einen Investor gefunden zu haben, der perfekt zu Terbrack passt und u.a. das wertvolle Asset der Mitarbeiter vollständig erkannt hat.“
Strategische Bedeutung für Röchling
Durch den Zukauf gewinnt die Röchling-Gruppe neue Kapazitäten und erhöht die Flexibilität für ihre weltweiten Kunden. Der Investor sieht in dem Standort Vreden ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland. Die Integration soll die regionale Wertschöpfung langfristig sichern. „Als Familienunternehmen legen wir großen Wert auf Stabilität und Kontinuität. Uns ist es ein besonderes Anliegen, allen Terbrack-Mitarbeitenden verlässliche Zukunftsperspektiven zu bieten. Daher übernehmen wir mit der neu gegründeten Röchling Industrial Vreden GmbH die über 100 Beschäftigten am Standort Vreden und werden gemeinsam mit ihnen und ihrer Expertise die Zukunft von Röchling Industrial mitgestalten,“ sagt Daniel Fritz, Chief Financial Officer von Röchling Industrial.
Beteiligte Berater
Den strukturierten M&A-Prozess verantworteten Experten der CVM Capital Value Management GmbH aus Dortmund. Unter der Leitung von Maya Thielenhaus wurde die Nachfolgelösung in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss erarbeitet. Zum Team der Insolvenzverwalterin gehörten zudem Nadja Neuber, Leon Linz und Tim Austmeyer. Unterstützt wurde die Kanzlei Pluta außerdem durch Christian Plückebaum von der PSM Management GmbH. Als Verfahrensbevollmächtigter agierte Rechtsanwalt Oliver Ruhe-Schweigel von der Kanzlei ks rechtsanwälte + notare gbr. Die Röchling-Gruppe erwirtschaftete im Jahr 2024 einen Umsatz von 2,6 Mrd. EUR. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 11.681 Mitarbeiter an 83 Standorten.









