Zwischen Innovation, Tradition und Globalisierung

Auf dem Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall trafen sich wieder die Hidden und die nicht mehr ganz so versteckten Champions. Innovation, Tradition, Internationalisierung und US-Präsident Trump standen im Mittelpunkt der Vorträge und Gespräche.

Neue Märkte erobern

Das ist das Ziel des Medizintechnikunternehmens B. Braun. Der Vorstandsvorsitzende Prof. Heinz-Walter Große sieht in Afrika große Chancen, um etwa Dienstleistungen und Produkte rund um die Dialyse anzubieten. Von den 6,5 Mrd. Euro Umsatz, den das Unternehmen 2016 erwirtschaftete, kommen gerade mal 100 Mio. Euro aus Afrika. Mit diesem Anteil ist das Unternehmen aus Melsungen sogar noch ein führendes deutsches Unternehmen auf dem Kontinent. Bislang findet der wirtschaftliche Aufschwung dort nahezu ohne deutsche Beteiligung statt. Die meisten Aufträge

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B.Braun-Chef Prof. Heinz-Walter Große: Er sieht in Afrika große Chancen.

für die großen Infrastrukturprojekte in Afrika haben die Chinesen an Land gezogen. Wenn sich deutsche Unternehmen auf dem Kontinent engagieren, dann vornehmlich in Südafrika. Doch kommen auch andere Länder schnell voran. „Afrika entwickelt sich“, sagt Große, der auch Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft ist. Die Mittelschicht wird stärker, und auch die Kapitalmärkte entdecken den Kontinent. Große sieht gerade für deutsche Unternehmen eine große Chance. Noch beackert B. Braun den Markt vor allem mit Vertriebsniederlassungen. Künftig sollen aber mehr regionale Produktionsstandorte entstehen. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller gab den Unternehmern auf dem Gipfeltreffen der Weltmarktführer die Richtung vor. „Auf nach Afrika“, fordert er. Überall treffe er im Land auf Chinesen und Russen, aber kaum auf deutsche Unternehmer.

Anders denken

Doch nicht nur die großen, alteingesessenen Familienunternehmen hatten ihren Auftritt beim Kongress. Wie man in der Modeindustrie andere Wege gehen kann, zeigt Gründerin Anna Alex mit ihrem Unternehmen Outfittery. „Viel zu lange ist in der Branche zu wenig geschehen. „Die Händler dachten, die Kunden kommen schon“, sagt sie. Doch kommen immer weniger in die Geschäfte. Ihrer Meinung nach fehlt vor allem Männern das Interesse, sich zwischen zig Krawatten, Hemden oder Hosen im Laden, aber auch in den Online-Stores entscheiden zu müssen. Outfittery setzt deswegen auf Personal Shopping im Internet. 300 Stylisten und Datenanalysten stellen für Kunden Bekleidungsboxen zusammen. Mittlerweile sammelte das Unternehmen 50 Mio. Euro bei Investoren ein und hat 400.000 Kunden.

Auf die Produktion Made in Germany setzt Sina Trinkwalder von Manomama. Wortgewaltig nahm sie den Preis auf der Abendveranstaltung des Kongresses entgegen. In ihrer Bekleidungsfirma beschäftigt sie unter anderem Alleinerziehende, junge Menschen mit keinem oder schlechtem Schulabschluss und Langzeitarbeitslose. Sie nahm den Preis für „Unternehmerisches Herz“ entgegen. „Die einzige Aufgabe eines Unternehmens heute ist die Maximierung der Menschlichkeit, nicht die Steigerung des monetären Gewinns“, sagt Trinkwalder.

Autorenprofil

Tobias Schorr war von März 2013 bis Januar 2018 Chefredakteur der "Unternehmeredition". Davor war er für die Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien im Ressort Geld als Redakteur tätig. Von 2003 bis 2007 arbeitete er zunächst als Redakteur, dann als Ressortleiter beim Mittelstandsmagazin "Markt und Mittelstand". Sein Handwerk lernte er an der Axel Springer Journalistenschule.

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