Ralpf Heuwing, Michael Reuther, Stefan Kornelius, Dr. Harald Nippel, Alexander Sixt und Jan Hofer.
Die Diskussionsrunde der Unternehmerperspektiven 2019 (v.l.n.r.): Ralpf Heuwing, Michael Reuther, Stefan Kornelius, Dr. Harald Nippel, Alexander Sixt und Jan Hofer.

In der breit angelegten Studie Unternehmerperspektiven 2019 geben Mittelständler Auskunft über Handelsbarrieren für ihr internationales Geschäft. Auf einer Podiumsdiskussion mit Unternehmern und politischen Experten wird klar, dass die Wirtschaft Antworten von der Politik erwartet.

Die Mittelstandsinitiative „Unternehmerperspektiven“ bildet seit 2006 ein Forum für unternehmerische Themen in der Öffentlichkeit. Einmal jährlich befragt sie 2.000 Eigentümer und Manager der ersten Führungsebene aus Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen.


Die meisten Anforderungen der Internationalisierung sind dabei operativ: Über Dreiviertel  aller deutschen Unternehmen nennt Bürokratie als das größte Problem im Auslandsgeschäft. Auf Platz werden politische Unsicherheiten im Ausland benannt. Preisschwankungen bei Rohstoffen sowie Einfuhrzölle stellen weitere Hürden dar.

Die politischen Fragen bildeten den Rahmen für die gestrige Abendveranstaltung der Commerzbank.  „Was Sie heute Abend ruhiger schlafen lassen wird: Alle politischen Disrupteure setzen auf Wachstum“. Mit diesem Satz fasste Stefan Kornelius in der BMW-Welt die optimistische Seite der internationalen Spannungsfelder zusammen.

Zuvor diskutierten die Unternehmer Ralph Heuwing (Knorr-Bremse), Dr. Harald Nippel (KraussMaffei Group) und Alexander Sixt (Sixt) zusammen mit eben zitiertem Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung und Michael Reuther von der Commerzbank die drängenden politischen Fragen unserer Zeit: Was bedeutet der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt für die Exportnation Deutschland? Welche Auswirkungen sind durch den anstehenden Brexit bereits spürbar? Wie muss die deutsche Automobilindustrie auf die Elektrifizierung antworten? Die Debatte wurde geleitet von Tagesschau-Sprecher Jan Hofer.

Dabei konnten vor allem Journalist Kornelius und Familienunternehmer Sixt das ein oder andere Fragezeichen bei den anwesenden 350 Unternehmern auflösen. So empfahl Sixt, bei der Internationalisierung – unabhängig von aktuellen Risiken – kontinuierlich vorzugehen, statt direkt das große Rad zu drehen: „Wir verfolgen eine Brückenkopf-Strategie mit klar definierten Schritten in den einzelnen Ländern.“ Beim Thema Elektromobilität mahnte Sixt zum Umdenken: Seiner Ansicht nach ist es ob der technischen Fortschritte in China hierzulande „fünf vor zwölf“, die Produktion jetzt umzustellen.

Auch für Kornelius ist China das Maß aller Dinge in den aktuell turbulenten Zeiten: „Irrationale Akteure in Großbritannien und den USA stehen extrem rationale Akteure in China gegenüber.“ Ähnlich wie Sixt und Kornelius sehen das auch die Unternehmer in der Commerzbank-Studie: Mittlerweile ist der chinesische Markt im Durchschnitt der drittattraktivste hinter Deutschland und Frankreich – und rangiert damit mittlerweile vor den USA.

Besonders Großbritannien hat mittlerweile an wirtschaftlicher Anziehungskraft verloren. In dem Ranking der Commerzbank rangiert es nur noch auf dem drittletzten Platz, lediglich acht Prozent der Befragten bewerten den Standort noch durchweg positiv. Dazu passt auch die Aussage von KraussMaffei-CFO Dr. Harald Nippel: „Wir ziehen zwar keine Investitionen ab, haben seit den Brexit-Verhandlungen aber auch nicht mehr neu investiert.“ Eine ähnliche Haltung beobachtet Commerzbank-Vorstand Michael Reuther bei vielen Mittelständlern.

Die Lage für Unternehmer ist also gerade von Instabilität geprägt. Dazu passte auch der Ausklang den Abends: Der Jongleur Christoph Rummel inszenierte eindrucksvoll die verschiedenen Drohszenarien. Und auch hier gab es einen optimistische Botschaft: Nur einmal fiel einer der Bälle aus Versehen auf den Boden, ansonsten war die Showeinlage ein gekonntes Spiel mit der Schwerkraft.

Weitere Informationen unter www.unternehmerperspektiven.de.