Innovationen diskutieren: Die Teilnehmer des Podiums am 14. Oktober in der Münchner Stiglerie.

Was macht Unternehmer erfolgreich? Braucht es dazu Innovation und einen schlüssigen Businessplan oder doch eher Disruption, ja vielleicht sogar kreative Zerstörung? Diese Fragen diskutierten Unternehmer mit unterschiedlichen Erfahrungshorizonten vor rund 65 Gästen in der Münchner Stiglerie. Durch die Veranstaltung unter dem Motto „Erfolgsfaktor Innovation: wie Querdenker unternehmerische Visionen formen“ führten Markus Rieger, Vorstand des Verlagshauses GoingPublic Media AG, und Matthias Renz, Verlagsleiter des VentureCapital Magazins.    

Als Kardinal Joseph Ratzinger im April 2005 zum Papst gewählt wurde, bot sich den wartenden Gläubigen auf dem Petersplatz noch vergleichsweise wenig Ablenkung. Wer Freunde und Familie anrufen wollte, zückte ein daumendickes Mobiltelefon und nur wenige besaßen bereits ein Fotohandy. Ganz anders sah es bei der Papstwahl im März 2013 aus. Die technisch hochgerüstete Menschenmenge kommunizierte via Apple iphones und Tablets, machte Selfies mit weißem Rauch im Hintergrund und postete, kommentierte, likte oder tweetete alle Ereignisse nahezu in Echtzeit.


Für Hans-Joachim Lorenz, Vertriebsleiter des in der IT-Automation tätigen Unternehmens Arago, ist dies ein Paradebeispiel für gelungene Disruption. Gemeint ist damit die Einführung eines Produktes oder einer Dienstleistung, die den Markt regelrecht erschüttert. Auf dem Netzwerkevent von DIE STIFTUNG sowie ihren Schwesterpublikationen Venture Capital Magazin und Unternehmeredition attestierte Lorenz derartigen Geschäftsmodellen größere Erfolgschancen als dem bloßen Bemühen um Innovation. Rund 65 Zuhörer aus dem Kundenkreis der drei Fachzeitschriften lauschten in der zentral gelegenen Münchner Stiglerie gespannt seinen Erläuterungen.

Allerdings warnte der Vertriebsleiter: „Es ist nicht der richtige Ansatz, um spontan und schnell reich zu werden. Es dauert lange, die Welt zu verändern, aber dann wird es unübersehbar sein.“ Entsprechend sei es nicht ganz leicht, hierfür Investoren zu finden, die oftmals den Kopien und Weiterentwicklungen von bereits Bekanntem mehr Vertrauen entgegenbringen würden. Und noch etwas sei für disruptive Geschäftsmodelle unerlässlich: „Bitte fangen Sie an, Fehler zu akzeptieren“, appellierte Lorenz an die Gäste. „Innovation kann nicht stattfinden, wenn man nur Fehler vermeiden will.“

Dem Thema „kreative Zerstörung als Schlüssel zum Erfolg“ widmete sich die anschließende Podiumsdiskussion mit der Serial Entrepreneurin Dr. Christine F. Kreiner, dem Ex-Manager und heutigem Management-Berater Prof. Dr. Helmut Wohland, dem Geschäftsführer des Druckhauses Mainfranken, Ulrich Stetter, und Philipp Roesch-Schlanderer, Gründer des Kraftgeräte-Herstellers eGym. Schnell gingen die Diskutanten allerdings dazu über, sich zur eigenen Unternehmensphilosphie zu erklären. Kreiner beschrieb sich selbst als eine große Anhängerin des Business-Plans: „Wenn Sie drauflos investieren, sind Sie schon tot.“ Stetter berichtete dagegen seinerzeit auf einen Businessplan verzichtet zu haben, um schnell am Markt teilnehmen zu können. Roesch-Landerer bekundete, dass sein Geschäftsmodell nicht unbedingt disruptiv sei, sondern etwas Bestehendes verbessert habe. Die Geräte von eGym ermöglichen dem Anwender dank Web-Anbindung eine individuelle Kontrolle seines Trainings und die ortsunabhängige Abrufbarkeit seiner Trainingsdaten. Entsprechend prognostizierte er allgemein eine „Wertschöpfung im Digitalen“. Wohland warb dafür, sich bei jedem Angebot über das zukünftige Substitutionsprodukt Gedanken zu machen: „Warum gibt es wohl Amazon Kindle?“

Wie es gelingt, dass auch die Belegschaft Innovationen mitträgt, war ebenfalls Thema der Gespräche. „Alle Versuche, Innovation von oben anzuordnen, funktionieren nicht“, berichtete Wohland aus eigener Erfahrung. „Sie müssen eine Art Vaterschaft erzeugen. Wer eine gute Idee hat, soll sie ausführen.“ Dies bestätigte auch Stetter: „Stolzer können Sie einen Mitarbeiter nicht machen, als wenn er an einer Maschine steht, die er sich ausgedacht hat.“ Damit Innovation überhaupt entstehen könne, warb  Wohland ähnlich wie Hans-Joachim Lorenz von Arago  für eine fehlerverzeihende Unternehmensführung: „Die Mitarbeiter gucken sich genau an, wie sie etwas ahnden.“

Ob die Ansichten des Panels allerdings schon mehrheitsfähig sind, bleibt abzuwarten. So befand sich trotz der vielbeschworenen Wertschöpfung im Digitalen im Untergeschoss der Stiglerie ein Ständer mit Werbepostkarten. Eine davon trug die Aufschrift „Mein Plan B ist, dass Plan A funktioniert.“