Der Standort Indien im Umfragetief – zu Recht? Mit dieser Leitfrage begrüßte Dr. Thomas Zwissler, Partner der Zirngibl Langwieser Rechtsanwälte Partnerschaft, die Gäste der Veranstaltung am 11. September 2013 in München. Das Abendforum in der Münchner Kanzlei in der Brienner Straße fand unter dem Titel „Compliance in Indien“ statt. Vom hoffnungsvollen Mitglied der BRIC-Staaten entwickelte sich Indien zum Problemland. Mannigfaltige Probleme ausländischer Investoren und Konzerne mit indischen Geschäftspartnern, Behörden und Gerichten ließen die Attraktivität schrumpfen.

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte Indien zudem mit sinkenden Wachstumsraten, hoher Inflation, vor allem aber mit der Korruption zu kämpfen. Nach wie vor rangiert die Korruption in Indien als drittgrößter Problemfaktor auf der Liste der „Most Problematic Factors for doing Business“ für Unternehmer.

Mit Nachdruck verwies Zwissler auf die noch immer geltenden Argumente für den Standort Indien, nämlich die Größe des Marktes und die demographische Entwicklung. Er beschloss seinen Vortrag mit einem Ausblick auf die Handlungsoptionen ausländischer Unternehmen und übergab das Wort an seinen Kollegen aus der Roxin Rechtsanwälte LLP, Dr. Karl Sidhu.

Wie sei Compliance in Indien überhaupt zu verstehen und anzuwenden? So lautete die einleitende Frage von Dr. Sidhu. Für ein deutsches Unternehmen, das in Indien tätig ist, sei die offizielle Erklärung der Unternehmensführung zur Einhaltung der Gesetzestreue als „Tone from the Top“ ein äußerst wichtiger Bestandteil der Compliance. Richtlinien mit Verhaltensgrundsätzen sollten für alle Mitarbeiter klar als „Code of Conduct“ vordefiniert sein. Die Eckpfeiler einer guten Prävention von Auslandskorruption seien wiederholte Schulungen der Mitarbeiter und Führungskräfte. Auch müssten deutsche Unternehmen die strenge Strafverfolgung hierzulande bei Korruptionsfällen im Ausland ernst nehmen.

Die Rechtsanwälte der MZM Legal, Zulfiquar Memon und Shebir Panag, komplettierten den Vortragsabend. Ihre praxisbezogene Präsentation der Korruptionsrisiken in Indien, die sie süffisant unter die Überschrift „The Boon is not without the bane“ stellten – was so viel bedeutet wie „Segen und Fluch gehören zusammen“ – verwies auf die großen indischen Korruptionsskandale des vergangenen Jahres. Memon und Panag machten auf die in Indien verbreitete Geschäftskultur der Bestechung, ihre Ursachen und Auswirkungen aufmerksam. Mit einem Ausblick auf die geplanten Gesetzesänderungen der indischen Justiz eröffneten sie dann die Fragerunde der Zuhörerschaft.

Fazit: Indien bleibt ein attraktiver, für ausländische Unternehmen aber weiterhin schwieriger Markt.