Rekord bei Großinsolvenzen belastet den Wirtschaftsstandort

Foto: © AdobeStock_VRD
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Die wirtschaftliche Lage deutscher Großunternehmen trübt sich im vierten Quartal 2025 ein. Nach Angaben der Transformationsberatung Falkensteg stieg die Zahl der Insolvenzanträge auf 138 Fälle. Dies ist der höchste Wert seit sieben Jahren. Im Vergleich zum Vorquartal entspricht dies einer Zunahme von über 10%. Gegenüber dem langfristigen Durchschnitt von 67 Fällen bedeutet dies mehr als eine Verdopplung. Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg, warnt vor dem Übergang in eine neue Krisenphase für die gesamte Wirtschaft. Im Gesamtjahr 2025 stiegen die Insolvenzen um mehr als ein Viertel auf 481 Fälle. Besonders betroffen sind Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 99 Mio. EUR

Strukturelle Brüche

Laut dem Report legten die Fälle dort um ungefähr ein Viertel zu. Diese sogenannten Hidden Champions geraten nun unter erheblichen Druck. Ihnen fehlt oft die Finanzkraft und Diversifikation großer internationaler Konzerne. Bei Unternehmen mit über 100 Mio. EUR Umsatz bleibt die Zahl mit 15 Fällen hoch. Die Metallwarenhersteller führen trotz eines leichten Rückgangs weiterhin die Statistik an. Auch Automobilzulieferer halten sich mit 16 Fällen auf den vorderen Plätzen. Im Autohandel stieg die Zahl der Insolvenzen von fünf auf dreizehn Fälle. Dies verdeutlicht nach Angaben der Studie die Umbruchkrise des klassischen Handelsmodells. Im Gesundheitswesen verzeichnete man eine Verdopplung der Insolvenzen auf zwölf Fälle. Jonas Eckhardt betont, dass die Welle vermutlich ihren Scheitelpunkt noch nicht erreicht hat.

Rückgang bei erfolgreichen Sanierungen

Die Zahl der beendeten Verfahren sank im vierten Quartal um fast ein Drittel. Laut Falkensteg wurden in diesem Zeitraum lediglich 64 Lösungen erzielt. Erfolgreiche Sanierungen brachen um fast 40% auf nur noch 34 Fälle ein. Asset Deals fielen deutlich von 41 auf 29 Fälle zurück. Sanierungen über einen Insolvenzplan gingen sogar um rund zwei Drittel zurück. Jonas Eckhardt stellt fest, dass jede Sanierung zunehmend zu einer individuellen Maßanfertigung wird.

Die Star Car Group musste ihren Betrieb wegen fehlender Investoren vollständig einstellen. Über 600 Arbeitsplätze gingen bei dem Autovermieter verloren. Im Gegensatz dazu sicherte die Übernahme der Innenraumsparte der Eissmann Automotive Group viele Stellen. Auch bei Accuride Wheels Europe & Asia fand sich eine Lösung für das Werk Solingen. Thomas Oberle von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz sieht fundamentale Ursachen für diese Entwicklungen. Viele Firmen kommen seiner Ansicht nach zu spät in die Insolvenz. Oft ist die Sanierungssubstanz bei Antragstellung bereits vollständig aufgezehrt.

Kritik an Controlling

Laut Thomas Oberle ziehen sich ausländische Investoren zunehmend vom deutschen Markt zurück. Das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort ist auf internationaler Ebene deutlich erschüttert. Ein weiteres großes Problem ist der oft katastrophale Zustand des Controllings. Viele insolvente Unternehmen wissen nicht, mit welchen Produkten sie tatsächlich Geld verdienen. Thomas Oberle sagt dazu: „Das Controlling ist in diesen Fällen so mangelhaft, dass wir nur mit größter Mühe überhaupt Ansatzpunkte für eine Sanierung finden“. Er warnt Geschäftsführer zudem vor den unterschätzten Haftungsrisiken bei drohender Zahlungsunfähigkeit.

Innovationsausgaben bleiben konstant

Der Verband Bitkom berichtet, dass mittlerweile über ein Drittel der Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzt. Fast die Hälfte der Firmen plant derzeit die Implementierung dieser Technologie. Die Innovationsausgaben bleiben laut dem Forschungsinstitut ZEW nach einem Rekordwert konstant. Kleine Unternehmen planen jedoch, ihre Ausgaben um ein Zehntel zu kürzen. Der Mittelstandsindex von DATEV sank zum Jahresende auf knapp 90 Punkte. Laut Creditreform stieg die Zahlungsmoral in Deutschland im zweiten Halbjahr wieder leicht an. Dennoch ist eine deutliche Investitionszurückhaltung in der gesamten Industrie spürbar. Ein direkter Zusammenhang zur Krisenfrüherkennung durch das StaRUG lässt sich noch nicht feststellen. Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer in einzelnen Branchen. Die Rüstungsindustrie und die Luftfahrt können mit einer steigenden Nachfrage rechnen. Auch die Pharmaindustrie zeigt laut Thomas Oberle positive Signale für die kommende Zeit.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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