Preissorgen belasten deutsche Wirtschaft

Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt für den April 2026 eine drastische Verschlechterung des Geschäftsklimas im deutschen Mittelstand auf. Laut KfW Research und dem ifo Institut ist der Indikator für kleine und mittlere Unternehmen massiv eingebrochen. Nach Angaben der Studienautoren sank das Klima um 4,1 Zähler auf einen Stand von -22,4 Saldenpunkten. Die Entwicklung resultiere vor allem aus den schwer kalkulierbaren Folgen des Krieges im Nahen Osten. Dieser belaste die Energiepreise und die globalen Lieferketten erheblich. Besonders die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sind laut der Erhebung erheblich zurückgegangen. Die aktuelle Lagebeurteilung sank nach Angaben der Experten ebenfalls, jedoch weniger stark. Unterm Strich notiere das Geschäftsklima nun tiefer als auf dem Höhepunkt der Energiekrise im Jahr 2022. Die aktuelle Situation sei durch eine schlechtere Ausgangsbasis gekennzeichnet.

Breite Eintrübung in allen Sektoren

Der Krieg bedrücke die Stimmung der KMU in sämtlichen Wirtschaftsbereichen. Laut dem Bericht der KfW verzeichnete der Bausektor mit einem Minus von 10,4 Zählern den deutlichsten Einbruch. Steigende Zinsen und hoher Kostendruck bei petrochemischen Materialien belasteten die Branche massiv. Im Einzelhandel sank die Stimmung nach Angaben der Forscher um 6,6 Zähler. Bei den Dienstleistern betrage das Minus 5,2 Punkte. Kaufkraftverluste der Verbraucher sowie gestiegene Treibstoffkosten verschlechterten hier die Aussichten. Relativ moderat fiel der Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit 1,1 Zählern aus. Dennoch liege das Niveau  weiterhin sehr niedrig. Großunternehmen zeigten sich laut Philipp Scheuermeyer von der KfW im April etwas stabiler. Deren Lageurteile seien sogar um 1,8 Zähler gestiegen. Große Bauunternehmen profitierten laut der Analyse eher von staatlichen Aufträgen im Tiefbau. Diese sollten trotz der geopolitischen Spannungen bald deutlich zunehmen.

Preisschock treibt Erwartungen an

Die Absatzpreiserwartungen schießen laut der Untersuchung in die Höhe. Im Mittelstand stieg dieser Wert um 8,9 Zähler an. Bei den Großunternehmen betrage das Plus sogar 10,5 Zähler. Nach Angaben der Institute planen nun auch Einzelhändler deutliche Preisanpassungen. Der Anstieg der letzten zwei Monate sei fast so steil wie nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Die Europäische Zentralbank werde dies kritisch prüfen. Eine Anhebung der Leitzinsen ab dem Frühsommer sei laut dem Bericht wahrscheinlich.

Die KfW Bank sieht den Aufschwung als deutlich angeschlagen an. In der Interimsprognose seien bereits erhebliche Abschläge vorgenommen worden. Weitere Abwärtsrisiken bestünden durch mögliche Blockaden der Straße von Hormus. Ein schnelles Kriegsende könnte die Stimmung jedoch rasch drehen. Die Experten sehen dann die Chance auf signifikantes Wachstum. Dies hänge jedoch von einem baldigen Verhandlungserfolg der US-Regierung ab. Ohne Entspannung bleibe die konjunkturelle Dynamik massiv gebremst.

Staatliche Impulse als Hoffnungsschimmer

Trotz der Krise bestehe die Aussicht auf eine Beschleunigung im Jahr 2027. Ein fiskalpolitischer Schub könnte laut dem Barometer unterstützend wirken. Aktuell überwiegen jedoch die Sorgen im deutschen Mittelstand. Die Verknüpfung von Energiepreisen und Lieferketten bleibe das zentrale Risiko. Unternehmen müssten sich auf anhaltend volatile Rahmenbedingungen einstellen. Die Stabilität der Großunternehmen biete nur einen teilweisen Ausgleich. Insgesamt zeige der April-Bericht eine ernsthafte Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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