Von wegen aggressiv: Bei deutschen Unternehmen hinterlassen chinesische Investoren ein positives Bild (© fotolia/ChenPG)
Von wegen aggressiv: Bei deutschen Unternehmen hinterlassen chinesische Investoren ein positives Bild.

Von Wegen das Tor zur Hölle: Wenn chinesische Investoren in Deutschland Firmen kaufen, hinterlassen sie meist ein positives Bild bei Management und Mitarbeitern. Das ist Ergebnis einer Studie der Hans Böckler Stiftung.

Kaufen chinesische Investoren Unternehmen in Deutschland, üben die Muttergesellschaften aus der Volksrepublik relativ wenig Einfluss auf das Tagesgeschäft aus. Das vorhandene Management wird meist im Amt belassen. Dementsprechend positiv fällt das Urteil von Managern und Mitarbeitern aus, die die Hans Böckler Stiftung in einer Studie zu den strategischen Interessen chinesischer Investoren in Deutschland zitiert. Denn die Käufer selbst verfügen häufig nicht über genügend international erfahrenes, sprach-, rechts- und fachkundiges Personal. In bestimmten Kernbereichen bestehen die chinesischen Eigentümer jedoch auf die Entscheidungshoheit.

In der Regel gehen chinesische Investoren davon aus, dass durch Kontinuität in der Führung eines übernommen deutschen Unternehmens das Vertrauen der Mitarbeiter, aber auch der Kunden und Lieferanten am besten gewahrt werden kann. Auf diese Weise soll ein Abfluss von Personal mit wichtigem Know-how vermieden werden.

Doch es gibt auch zentrale Managementaufgaben, die chinesische Investoren und Eigentümer bevorzugt direkt kontrollieren. Es macht aus ihrer Sicht oft Sinn, den Posten des Finanzvorstands mit einem eigenen Vertreter zu besetzen. Es geht hierbei nicht allein um die Kontrolle über die Finanzen, sondern vor allem auch um die Abstimmung der Investitionspläne mit der Zentrale. Entscheidungen über den Einsatz der Geldmittel und Forschung und Entwicklung sind für die Unternehmen aus China von strategischer Bedeutung. Daher wird im Mutterhaus darüber entschieden. Hingegen vertrauen die chinesischen Käufer weitgehend auf die Expertise des deutschen Managements nicht nur in technischen Fragen sondern auch im Bereichen wie Recht und Human Resources.

Dies sind zentrale Ergebnisse der neuen Studie „Politische/wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strategische Interessen chinesischer Investoren in Deutschland“. Die Autorin Prof. Dr. Ulrike Reisach untersucht darin die Motivation und Vorgehensweise staatlicher und privater Akteure bei ihren Direktinvestitionen in Deutschland. Das Vorgehen bei der Integration nach einer Übernahme stellt sie anhand von kurzen Fallbeispielen wie die Akquisition von Preh durch Joyson oder Putzmeister durch Sany Heavy Industries dar.

Reisach forscht und publiziert seit Mitte der achtziger Jahre zu der deutsch-chinesischen Wirtschaftszusammenarbeit. Ihr Buch „China – Wirtschaftspartner zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, das bereits in vier Auflagen erschienen ist, gilt als ein wichtiger Leitfaden für Chinesische Investoren und den Einstieg in Verhandlungen mit chinesischen Geschäftspartnern. www.ma-dialogue.de