Riesig ist er, der deutsche Mittelstand – um ihn beneidet uns die Welt, er prägt unsere Gesellschaft und unsere Kultur, sei es der Handwerker oder der geliebte Bäcker um die Ecke.

Welche Lösungsansätze können hier weiterhelfen?

Gibt es eine Lösung für dieses Problem? Mit Sicherheit kein allumfassendes Geheimrezept, jedoch drängen sich aus meiner Sicht insbesondere drei Denkanstöße auf:


  1. Auf der politischen Seite müsste dringend ein Umdenken stattfinden! Sicherlich ist es wichtig, einen Digitalisierungspakt nach dem anderen zu beschließen sowie Millionensummen in Co-working Spaces und in die Unterstützung von Internet Start-Ups zu investieren. Aber mindestens genauso weit oben auf der politischen Agenda muss der Fortbestand des Mittelstands stehen. Eine neue Online-Bezahlplattform ist ja schön und gut, aber mir persönlich ist es wichtiger, dass ich auch noch in  zehn Jahren zu meinem Bäcker vor Ort gehen und meinen Käse von der einzigartigen Bio-Käserei im Nachbarort kaufen kann.
  2. Es muss eine viel stärkere öffentliche Diskussion über das Thema Gründernachfolge stattfinden. Diese Möglichkeit, sich eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen, ist zu unbekannt – jungen Menschen ist dieser Karrierepfad  nicht bewusst.  Verkaufsplattformen wie die „Deutsche Unternehmensbörse“ oder „Nexxt Change“ führen ein Schattendasein. Warum gibt es Fernsehsendungen wie „Die Höhle der Löwen“ und nicht auch „Nachfolger im Mittelstand gesucht“?
  3. Betroffene Unternehmen dürfen nicht nur extern nach Nachfolgern im Rahmen eines Management Buy-in (MBI) suchen, sondern müssen auch frühzeitig ausgewählte Mitarbeiter in den eigenen Unternehmen fördern, damit diese potentiell das Unternehmen im Rahmen eines Management Buy-out (MBO) übernehmen können. Die Vorteile sind, dass eigene Mitarbeiter bereits das Geschäft und die Prozesse kennen. Ob es jedoch in jedem Unternehmen Mitarbeiter gibt, die gewollt sind, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen (siehe auch Kapitel „Wo liegen die Ursachen dieses Problems?“) – das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Fazit

Wie lange können wir uns diese Arroganz und Untätigkeit noch leisten? Unser Mittelstand mit seinen zahlreichen Arbeitsplätzen ist einfach zu wichtig für die deutsche Wirtschaft, als dass wir ihn weiter sang- und klanglos aussterben lassen dürfen!


Zur Person

Tobias Grimmig übernahm vor etwa einem Jahr im Rahmen eines Management Buy-in die Firma Arpogaus Stahlbau GmbH von Peter Arpogaus. Davor war er als Unternehmensberater und Ingenieur tätig. Für die Suche und die Verhandlungen mit dem Unternehmen hat er etwas über ein Jahr gebraucht. Die Finanzierung stemmte er aus Eigenmitteln, mithilfe einer stillen Beteiligung der BayBG sowie verschiedenen Darlehen.

www. arpogaus-stahlbau.de