Das mittelständische Geschäftsklima stabilisiert sich im Mai nach zwei deutlichen Rückgängen in Folge. Laut dem KfW Research steigt der Wert leicht um 0,5 Zähler auf nun -21,6 Punkte. Die aktuelle Lagebeurteilung verbessert sich dabei um 0,7 Zähler auf -18,7 Punkte. Zudem nehmen die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate um 0,3 Zähler auf -24,6 Punkte zu.
Die Aufhellung des Klimas im Mittelstand ist im Wesentlichen auf die Dienstleistungsunternehmen zurückzuführen. In diesem Bereich klettert das Geschäftsklima um 2,2 Zähler auf -19,8 Punkte. Laut KfW Research dürften die zuletzt weniger stark gestiegenen Energiepreise für eine gewisse Beruhigung gesorgt haben. Dies gilt besonders für Branchen wie Tourismus und Logistik, deren Kosten direkt vom Ölpreis abhängen. In fast allen weiteren mittelständischen Wirtschaftsbereichen zeigen sich ebenfalls Verbesserungen, die jedoch moderater ausfallen. Eine Ausnahme bildet der Einzelhandel, wo die Stimmung auf sehr niedrigem Niveau auf -30,4 Punkte absinkt.
Warnsignale bei Großunternehmen
Bei den Großunternehmen verläuft die Entwicklung anders als bei den kleinen und mittleren Unternehmen. Zwar steigt das Geschäftsklima dort um 0,4 Zähler auf -20,7 Punkte, doch kommt dieser Anstieg ausschließlich von Dienstleistern. Bei diesen Anbietern schnellt das Klima um 6,2 Zähler auf -18,7 Punkte nach oben. Dagegen fällt das Klima in allen anderen Wirtschaftsbereichen der Großunternehmen. Besonders kräftig sinkt die Stimmung im Bauhauptgewerbe und im Einzelhandel. Ein Warnzeichen sind die eingebrochenen Exporterwartungen der Großunternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, die um 7,2 Zähler auf -12,8 Punkte fielen. Laut KfW Research erfordert eine positive Konjunkturdynamik eine nachhaltige Lösung im Irankonflikt sowie die Öffnung der Straße von Hormus.
Die deutsche Wirtschaft ist mit einem Wachstum von 0,3 % im Vorquartalsvergleich solide in das Jahr 2026 gestartet. Wachstumstreiber waren dabei der staatliche Konsum sowie die Exporte. Laut KfW Research trübt der Iran-Krieg jedoch nun die Konjunkturaussichten erheblich. Für das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland erwartet das Institut für 2026 nur noch ein Wachstum von 0,7 %. Dies stellt eine deutliche Korrektur gegenüber der Februar-Prognose von 1,5 % dar. Für das Jahr 2027 wird mit einem Plus von 1,3 % gerechnet. Der Krieg treibt die Energiepreise und in der Folge die Verbraucherpreisinflation nach oben.
Hohe Inflation durch Energiepreise
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex beschleunigte sich seit Kriegsbeginn ausgehend von Werten um 2 % deutlich. Im April lag die Gesamtrate in Deutschland bei 2,9 %. Laut KfW Research ist die Energieinflation der entscheidende Treiber für diesen Anstieg. In Deutschland näherte sich diese mit 8,9 % dem zweistelligen Bereich an. Die Prognose für die Inflationsrate 2026 in Deutschland wurde auf 3,1 % angehoben. Auch für 2027 dürfte der Preisanstieg mit 2,4 % noch über dem 2 %-Ziel der Europäischen Zentralbank liegen. Aufgrund dieser Entwicklung rechnet KfW Research mit einer moderaten geldpolitischen Straffung. Dies soll ein klares Signal für Preisstabilität setzen und die Inflationserwartungen verankern. Die Finanzmärkte haben bereits bis zu drei Zinsschritte für dieses Jahr eingepreist.
Der S&P Global Composite PMI Deutschland notierte im Mai mit 48,6 Punkten kaum verändert gegenüber den 48,4 Punkten im April. Damit signalisiert der Index den zweiten Monat in Folge moderate Wachstumseinbußen und deutet darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 auf Schrumpfkurs befindet. Ausschlaggebend für diesen Abschwung war erneut der Servicesektor, wo sich die Geschäftstätigkeit zum zweiten Mal hintereinander verschlechterte, wenngleich mit etwas abgeschwächtem Tempo. Im Verarbeitenden Gewerbe stagnierte die Produktion nahezu, da der Aufschwung durch einen neuerlichen Auftragsrückgang gebremst wurde. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ging insgesamt zurück, was die Umfrageteilnehmer auf die gesunkene Kaufkraft infolge höherer Preise sowie auf die große geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheit zurückführten.








