Der deutsche M&A-Markt hat 2025 trotz schwacher Konjunktur und geopolitischer Unsicherheiten überraschend stabil gehalten: Die Transaktionszahl ging laut dem M&A-Marktbericht von Oaklins nur leicht zurück. Auffällig sind jedoch die starken Verschiebungen weg von Cross-Border, hin zu deutlich mehr innerdeutschen Deals. Gleichzeitig bauen Finanzinvestoren ihren Marktanteil nach Jahren der Zurückhaltung wieder spürbar aus, während Großdeals weiter stattfinden. Der Ausblick für 2026 bleibt dennoch vorsichtig.
Oaklins Germany registriert bis zum Stichtag 16. Dezember 2025 insgesamt 2.586 gemeldete Transaktionen mit deutscher Beteiligung. Das sind 6 % weniger als 2024, jedoch weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt seit 1998.
Der Rückgang geht vor allem auf das Cross-Border-Geschäft zurück: Inbound-Deals fallen auf 555 (-38,8%), Outbound-Deals auf 522 (-26,4%). Demgegenüber gewinnen rein innerdeutsche Transaktionen stark an Bedeutung: 1.509 Deals bedeuten +32,8% und einen Anteil von 58,4% an allen gemeldeten Transaktionen.

Parallel verschiebt sich die Käuferstruktur: Finanzinvestoren steigern ihre Aktivität deutlich auf 975 Transaktionen (+36 %) und erreichen damit einen Marktanteil von 38% (höchster Wert seit 2022). Treiber sind u. a. gesunkene Finanzierungskosten und hoher Investitionsdruck durch verfügbares Fondsvolumen.
Auch im Large-Cap-Segment bleibt der Markt aktiv: Oaklins zählt 23 Transaktionen über 1 Mrd. EUR Transaktionsvolumen, der größte Deal ist der Carve-out der BASF-Coatings-Sparte (7,7 Mrd. EUR). In den Top-30-Deals waren Finanzinvestoren in neun Fällen involviert; außerdem sind Healthcare-Deals in den Top-Transaktionen überproportional vertreten.
Im Fazit betont Oaklins: Der Markt sei 2025 zwar robust gewesen, aber nicht internationaler geworden. Standortfaktoren (Lohn- und Energiekosten, Infrastruktur, Bürokratie, schwaches Wachstum) würden die Attraktivität aus Sicht internationaler Käufer dämpfen. Für 2026 bleibt Oaklins konservativ, erwartet aber Impulse durch Investitionen (u. a. Deutschlandfonds) bei anhaltenden geopolitischen und handelsbezogenen Unsicherheiten. Wir haben mit Dr. Florian von Alten, Vorstandsmitglied bei Oaklins Germany, gesprochen.
„Buy-and-Build ist heute viel häufiger Teil der Wachstumsstrategie“
Interview mit Dr. Florian von Alten, Vorstandsmitglied, Oaklins Germany
Unternehmeredition: Warum ist die Dealzahl 2025 Ihrer Analyse nach trotz multipler Krisenherde nur um 6% gesunken?
Dr. Florian von Alten: Hierfür gibt es in unseren Augen mehrere Gründe: Nachfolgeregelungen können trotz schwacher Konjunktur nicht auf die lange Bank geschoben werden. Konzerne konzentrieren sich wieder vermehrt auf ihre Kernkompetenzen. Finanzinvestoren stehen unter Investitions- und Exitdruck. Und schließlich dürfte sich auch der nochmalige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auf 23.000 positiv auf die Dealzahl ausgewirkt haben.
Was ist der wichtigste Grund für den starken Rückgang bei Inbound (-38,8%) und Outbound (-26,4%) – Geopolitik, US-Zollpolitik, Währungs-/Bewertungseffekte oder Standortthemen?

Ausländische Käufer haben sich 2025 deutlich in Deutschland zurückgehalten. Von den Top 10 Käuferländern gab es kein einziges Land mit einer Steigerung der Transaktionszahl gegenüber dem Vorjahr. Ganz besonders stark fiel die USA hierbei mit -91 Transaktionen bzw. -48% auf. Auch in umgekehrter Richtung hielten sich deutsche Käufer im Ausland zurück. Die schwache nationale Konjunktur und die Unsicherheit, wie sich die Warenströme und die Zölle in den kommenden Jahren entwickeln werden, haben zur Zurückhaltung beigetragen. In unseren Augen haben wir den Peak der Globalisierung überschritten.
Wie erklären Sie den kräftigen Anstieg der Domestic-Transaktionen (+32,8%)? Ist das eher ein Zeichen von „Binnenkonsolidierung“ oder von internationaler Abschottung bzw. Risikovermeidung?
Ich würde sagen, dass es ein bisschen von beidem ist, vor allem Binnenkonsolidierung, aber auch Risikovermeidung. Bei nationalen Transaktionen sind die Risiken auf Grund mangelnder Sprachbarrieren und gleicher Rechnungslegung per se niedriger. Von einer internationalen Abschottung kann jedoch bei der Exportnation Deutschland keine Rede sein.
Sie schreiben, Deutschland habe aus Investorensicht an Attraktivität verloren (Kosten, Infrastruktur, Bürokratie). Welche zwei Faktoren sind aus Ihrer Sicht am stärksten dealhemmend und wo wären kurzfristige Verbesserungen realistisch?
Als Kritik von ausländischen Käufern – Strategen wie Finanzinvestoren – hören wir immer wieder die hohen Kosten (Energie, Personal und Steuern) sowie die langwierigen Genehmigungsprozesse. Wir „überverwalten“ uns. Wenn gleichzeitig dann der Krankenstand noch signifikant zunimmt und die Produkte zu teuer werden, weichen Investoren auf andere Zielländer aus.
Private Equity bei 38% Marktanteil: Ist das vor allem ein Nachholeffekt nach dem Zinspeak oder sehen Sie eine strukturelle Verschiebung (mehr Buy-and-Build, Plattformen, Add-ons) als neues Normal?

Das gesunkene Zinsniveau hat in jedem Fall dazu beigetragen, dass die Finanzierung von Akquisitionen für Finanzinvestoren wieder günstiger geworden ist. Somit haben PEs gegenüber Strategen in Bieterprozessen wieder Boden gut gemacht. Die fortgeschrittenen Fondslaufzeiten haben jedoch auch dazu beigetragen, dass Finanzinvestoren auf Käufer- wie auf der Exit-Seite aktiver geworden sind. In jedem Fall ist der Private-Equity-Markt auch deutlich professioneller und kompetitiver geworden. Buy and-Build ist heute viel häufiger Teil der Wachstumsstrategie.
Welche Geschäftsmodelle haben 2025 bei Private Equity-Investoren gewonnen und welche haben an Interesse verloren?
Finanzinvestoren folgen häufig einem Herdentrieb. Heute sind Automotive und Heavy Industrials out. Die meisten Finanzinvestoren verfolgen einfach skalierbare und Asset-Light Geschäftsmodelle. Hier sind inzwischen jedoch auch die Multiples deutlich höher auf Grund des angestiegen Wettbewerbs unter Finanzinvestoren.
23 Deals >1 Mrd. EUR, aber kein Deal >10 Mrd. EUR: Was sagt das über Risikoappetit, Finanzierung und Verkäufererwartungen aus?
Sogenannte Mega-Deals über 10 Mrd. EUR kommen in Deutschland nicht so häufig vor. Bemerkenswert ist jedoch, dass es 23 Deals über 1 Mrd EUR Transaktionsvolumen gab und dass Finanzinvestoren an 9 der Top 30 Deals beteiligt waren. Wenn man berücksichtigt, dass Transaktionen mit Finanzinvestoren in der Regel einen höheren Leverage haben, dann ist die Finanzierungsbereitschaft von Banken und Debtfonds wieder angestiegen.
TMT bleibt vorne, Business Support Services legt stark zu, während u. a. Industrial/Consumer/Healthcare rückläufig sind. Welche dieser Bewegungen halten Sie für zyklisch und welche für strukturell?
Wenn die Finanzinvestoren 2025 an 38% der Transaktionen beteiligt waren und leicht skalierbare, Asset-Light-Transaktionen aktuell bevorzugen, so überrascht es nicht, dass im TMT-Sektor die meisten Deals stattgefunden haben und Business Support Services zugelegt hat. In den Branchen mit hohem Produktionsanteil, müssen die Produktionskosten verringert werden, entweder durch Automatisierung bzw. Innovation, durch Verlagerung einfacher, aber arbeitsintensiver Produktionsschritte ins benachbarte Ausland oder durch Senkung der Steuern und Abgaben. Ansonsten könnte sich die aktuelle Bewegung zu einer strukturellen Krise ausweiten.
Wie wirkt sich die neue Finanzierungslandschaft (Debt Funds, mehrere Kreditgeber) konkret auf die Umsetzung von Deals aus?
Der Anteil der Debt Funds gegenüber der klassischen Bankenfinanzierung ist deutlich angestiegen. Der Zinsabstand zwischen beiden Finanzierungsformen ist gesunken.
Was müsste 2026 passieren, damit Ihr Ausblick optimistischer wird und auf welche Frühindikatoren schauen Sie dabei zuerst?
In erster Linie muss es zu einem Stimmungswechsel kommen. Das gilt nicht nur für den Konsum, sondern auch für die Investitionsbereitschaft in Deutschland. Die Bundesregierung hat mit dem Deutschland Fonds und dem Sondervermögen ein klares Signal gesetzt und dabei in Kauf genommen, dass die Verschuldung deutlich steigen wird. Die Koalitionsparteien müssen aber endlich erkennen, dass es den Bürgern und Arbeitnehmern erst wieder besser geht, wenn die Unternehmen wieder den Mut finden, zu investieren, weil sie an die Zukunft des Standortes Deutschland glauben, und nicht die Staatskasse und Sozialversicherungen durch immer mehr Ausgaben und Umverteilung belastet werden. Eine immer höhere Staatsquote wird uns erdrücken.
Lieber Herr von Alten, haben Sie vielen Dank für diese Einblicke!
Das Interview führte Eva Rathgeber.
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