Leichtes Wachstum im Dienstleistungssektor

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Der deutsche Dienstleistungssektor erlebte im zweiten Quartal 2024 weiterhin ein positives Wachstum. Der HCOB Dienstleistungsindex von S&P Global notierte im Juni bei 53,1 Punkten, was ein solides Wachstum bedeutet. Ursächlich für das erneute Plus waren laut der Befragung unter anderem intensivere Werbe- und Vertriebsmaßnahmen, niedrigere Zinsen sowie die Fußball-Europameisterschaft. Die Neuaufträge hätten im dritten Monat in Folge zugelegt und auch das Auslandsgeschäft zeigte eine leichte Belebung.

Der Geschäftsausblick der Befragten fiel weniger optimistisch und der Index für zukünftige Geschäftsentwicklung sank auf den niedrigsten Wert seit Jahresbeginn. Die Inflation im Dienstleistungssektor war so gering wie zuletzt im März 2021. Die Mitarbeiterzahlen stiegen im Juni erneut an und die zusätzlichen personellen Kapazitäten trugen dazu bei, dass unerledigte Projekte und Aufträge im Juni schneller als in den vergangenen vier Monaten abgearbeitet wurden.

Obwohl die Befragten die Geschäftslage für die nächsten zwölf Monate mehrheitlich optimistisch einschätzten, habe die Zuversicht im Vergleich zum Vormonat spürbar nachgelassen. Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert die aktuellen Umfrageergebnisse: “Der Dienstleistungssektor hält die deutsche Wirtschaft in Schwung. Trotz leicht abgeschwächter Dynamik expandierte er erneut mit solider Rate. Die Auftragseingänge nehmen stetig zu, und die Unternehmen stellen weiterhin ein, wenn auch vorsichtiger als noch im Mai.“

Moderater Rückgang im Geschäftsklima

Das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand verzeichnet im Juni einen leichten Rückgang, den zweiten in Folge. Die Geschäftserwartungen und die Lageurteile des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers sind im gleichen Zeitraum auf ein Dreimonatstief gefallen und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sind deutlich gesunken. Dieser Rückgang deutet nach Ansicht der Autoren darauf hin, dass die Konjunkturerholung weiterhin unsicher sei und kein Selbstläufer sein werde. Dennoch zeige der Durchschnitt des zweiten Quartals einen Anstieg gegenüber dem Vorquartal, was Hoffnung auf eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung lasse. Auch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage hätten sich im Vergleich zum Mai verschlechtert.

Die Stimmung in der mittelständischen Wirtschaft zeigt sich gespalten. Während das Verarbeitende Gewerbe, der Großhandel und der Einzelhandel eine Abwärtsbewegung verzeichnen, sei die Stimmung bei den Dienstleistern und im Bauhauptgewerbe positiver. Besonders auffällig sei die Stimmungserholung bei den Dienstleistern, die den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht habe. Die Konjunkturrisiken bleiben nach Ansicht der KfW-Experten hoch und der Stimmungsaufschwung sei ins Stocken geraten.

Schuldnerberatungen mit mehr Klientel

Immer mehr Deutsche geraten in die Schuldenfalle. Derzeit sehen 61% der Schuldnerberatungsstellen einen steigenden Bedarf. Auffällig sei die veränderte Klientel, denn fast die Hälfte der Ratsuchenden sind inzwischen erwerbstätig, während nur 12% arbeitslos sind. Unterschiedliche Faktoren führen zur Überschuldung. 2022 machten nur 5% der Verschuldeten die Lebenshaltungskosten verantwortlich. Dieser Wert stieg inzwischen auf 12%. Zinssätze für Konsumentenkredite stiegen in den letzten 36 Monaten erheblich. Anfang 2022 lagen sie bei 5,6%, Ende 2023 bei 9,2%. Immer mehr Deutsche haben am Monatsende wenig Geld übrig, was die finanzielle Belastung verstärkt.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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