Kupfer Holding übernimmt Mehrheit an Allgäu Fresh Foods

Foto: © industrieblick_AdobeStock
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Die Allgäu Fresh Foods (AFF) GmbH & Co. KG ist erfolgreich saniert. Grundlage dafür ist ein Insolvenzplan, der von den Gläubigern einstimmig angenommen und vom Amtsgericht Kempten bestätigt wurde. Mit der Zustimmung erhält die Sanierung rechtliche Wirksamkeit. Künftig übernimmt die Kupfer Holding SE 51% der Anteile an dem Allgäuer Lebensmittelunternehmen. Die verbleibenden 49 % hält die Familie Feneberg über eine eigene GmbH. Die bisherigen Gesellschafter, darunter die Feneberg Lebensmittel GmbH, scheiden aus.

Die Sanierung wurde im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens durchgeführt. Am 22. April 2025 hatte Allgäu Fresh Foods beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Zum 1. August 2025 wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung planmäßig eröffnet. Nach Angaben der Beteiligten stand die Neuausrichtung unter erheblichem Zeitdruck, da die Krise des Unternehmens durch stark gestiegene Rohstoffpreise ausgelöst wurde.

360 Arbeitsplätze bleiben erhalten

Laut dem Sanierungskonzept bleiben sämtliche 360 Arbeitsplätze bei Allgäu Fresh Foods erhalten. Die neue Struktur sieht vor, dass zentrale Aufgaben künftig von der Kupfer Holding SE übernommen werden. Dazu zählen die Bereiche Vertrieb, Einkauf sowie die kaufmännische Leitung. Auch personell wird Kupfer Verantwortung übernehmen: Maximilian Kupfer tritt als Geschäftsführer bei AFF ein. Er wird das Unternehmen gemeinsam mit Stephan Leibold führen. Die neue Eigentümerstruktur wurde durch ein umfangreiches Investorenverfahren ermöglicht. Die rechtliche Gestaltung der Transaktion begleitete die Kanzlei Sonntag & Partner, die die Kupfer Holding SE anwaltlich vertreten hat. Die Kanzlei übernahm dabei unter anderem insolvenzrechtliche, steuerliche und arbeitsrechtliche Beratung.

Nach Angaben von Dr. Maximilian Hüttel, Partner bei Sonntag&Partner, lag der Fokus auf der Schaffung einer stabilen rechtlichen Basis für die Zusammenarbeit zweier Familienunternehmen. Die Vertragsstruktur musste unter den Bedingungen des Insolvenzverfahrens neu aufgebaut werden. Dabei wurde das Unternehmen zugleich von Altverbindlichkeiten entlastet. Die steuerliche Bewertung der Transaktion konnte laut Angaben der Kanzlei vor der Abstimmung durch eine verbindliche Auskunft geklärt werden.

Kupfer setzt auf Wachstumsbereiche

Mit der Mehrheitsbeteiligung an Allgäu Fresh Foods erweitert Kupfer sein Geschäft gezielt um die Segmente Bio, Vegan und Convenience. Diese Produktbereiche gelten als besonders wachstumsstark im deutschen und europäischen Lebensmittelmarkt. In Kempten sowie weiteren Standorten produziert AFF bereits heute ein breites Sortiment, das neben Fleisch- und Wurstwaren auch Fertiggerichte, Salate, Teigwaren, Suppen und Konserven umfasst. Nach Angaben von Maximilian Kupfer verbindet das Unternehmen durch die Beteiligung an AFF alle relevanten Wachstumsfelder. Der Einstieg ermögliche es, Innovationen künftig schneller, direkter und verlässlich aus einer Hand anzubieten. Die Integration soll Synergieeffekte schaffen und klarere Strukturen entlang der Wertschöpfungskette etablieren.

Kupfer zählt zu den führenden Eigenmarkenproduzenten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel im Bereich Fleisch und Wurst. Das Familienunternehmen mit Sitz in Heilsbronn, Bayern, wird in vierter Generation geführt. Aktuell beschäftigt Kupfer rund 1.400 Mitarbeitende an den Standorten Heilsbronn, Nürnberg und Günthersleben-Wechmar. Neben klassischen Fleischwaren produziert das Unternehmen seit Jahren auch Bio-Fleischprodukte sowie vegane Fleischalternativen. Die Erzeugnisse werden in über 30 Länder exportiert.

Beratung durch erfahrene Partner

Auf Verkäuferseite wurde der Prozess durch die WINTERGERST Societät für Unternehmer-Beratung begleitet. Laut Projektpartner Volker Wintergerst war das frühzeitig aufgebaute Vertrauensverhältnis zwischen den beteiligten Parteien ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die gemeinsame Perspektive einer langfristigen Weiterentwicklung habe maßgeblich zur zügigen Umsetzung beigetragen. Auch GRUB BRUGGER war als beratende Kanzlei im Sanierungsverfahren eingebunden. Der Insolvenzplan wurde unter Federführung von Dr. Frank Schäffler ausgearbeitet. Die einstimmige Zustimmung der Gläubiger sei laut Schäffler ein starkes Signal des Vertrauens in das Management von AFF und das Sanierungskonzept. Sonntag & Partner war mit einem multidisziplinären Team an der Transaktion beteiligt. Neben Dr. Maximilian Hüttel wirkten Dr. Anne Deike Riewe im Bereich Insolvenzrecht, Christian Schöler im Steuerrecht sowie Natalie Ehrhardt im Arbeitsrecht an der Umsetzung mit.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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