2026: Experience Management vereint Effizienz und Empathie

Foto: © www.freund-foto.de_AdobeStock

2026 wird das Jahr, in dem Künstliche Intelligenz nicht mehr nur Prozesse beschleunigt, sondern die Spielregeln für Kunden- und Mitarbeitererlebnisse neu schreibt. Die Frage ist nicht, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern wie und ob sie dabei Vertrauen, Kultur und strategische Relevanz beweisen. Vier führende Experten von Qualtrics haben sich intensiv mit den Trends des kommenden Jahres beschäftigt und präsentieren ihre Vorhersagen für 2026. Ihre Einschätzungen zeigen: Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, sichert sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern die Zukunft.

Von der Umfrage zur Interaktion: KI beendet die Feedback-Krise

Die klassische Kundenbefragung steckt in der Krise, denn Kunden geben immer weniger Feedback. Warum? Weil Umfragen oft unpersönlich, extraktiv und ohne erkennbaren Nutzen wirken. Menschen investieren Zeit und ehrliche Antworten, nur um dann in ein schwarzes Loch zu fallen: keine Rückmeldung, keine Lösung, kein Gefühl, dass ihre Meinung zählt.

Brad Andersen

Brad Anderson sieht hier den Wendepunkt: „Die Feedback-Krise ist keine Frage der Menge, sondern des Werts.“ KI soll das ändern und macht aus passiver Datensammlung aktive Interaktion. Adaptive Systeme erkennen Frustration, stellen Rückfragen und lösen Probleme sofort. KI-Agenten können Beschwerden eskalieren, Lösungen anbieten oder positives Feedback direkt im Moment der Rückmeldung würdigen. Das Ergebnis: Kunden würden erleben, dass ihre Stimme zählt. Das steigere die Bereitschaft zur ehrlichen Rückmeldung und drehe den Trend sinkender Rücklaufquoten um. Unternehmen, die diesen Wandel umsetzen, gewinnen nicht nur bessere Daten, sondern auch Vertrauen, so sein Fazit.

Effizienzfalle oder Beziehungstreiber?

Isabelle Zdatny

Doch schon beim Einsatz von Technologie verstecken sich Fallstricke, denn KI wird vielerorts als reiner Effizienzhebel eingesetzt. Isabelle Zdatny warnt: „Organisationen stehen vor einer strategischen Weggabelung.“ Automatisierte Prozesse sparen kurzfristig Geld, aber sie machen Interaktionen anonym und austauschbar. In einer Welt, in der Produkte immer ähnlicher werden, ist emotionale Bindung der letzte Differenzierungsfaktor.

Die Lösung liegt Ihrer Ansicht nach nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“. KI könne entlasten und gleichzeitig Raum für menschliche Interaktion schaffen, und zwar in den Schlüsselmomenten, auf die es ankommt. Unternehmen, die KI nutzen, um Probleme tatsächlich zu lösen und Kunden individuell anzusprechen, bauen Beziehungen auf, die Wettbewerber nicht kopieren können. Der Erfolg im Jahr 2026 werde nicht anhand von vermiedenen Kontakten oder eingesparten Kosten gemessen werden, sondern an tatsächlich gelösten Problemen und aufgebautem Vertrauen.

KI demokratisiert Insights in der Marktforschung

Ali Henriques

Während CX neu gedacht wird, steht die Marktforschung vor einer eigenen Revolution. Forschungsteams sind überlastet, während der Bedarf an Insights explodiert. Stakeholder warten auf Antworten, Innovation verzögert sich. KI-Agenten lösen dieses Dilemma. Sie übernehmen Routineanfragen, während Forscher sich auf strategische Fragen konzentrieren. Ali Henriques prognostiziert: „2026 wird das Jahr, in dem Self-Service-Intelligence Realität wird.“ Die Zahlen würden eine klare Sprache sprechen: 84 % der Experten glauben demnach, dass Research Agents innerhalb von drei Jahren mehr als die Hälfte aller Projekte eigenständig steuern werden. Diese Demokratisierung von Insights verändere nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Rolle der Forscher: weg vom Gatekeeper, hin zum strategischen Partner.

Kultur schlägt Technologie: Die unterschätzte Variable

Benjamin Granger

Doch Technologie allein reicht nicht. Die Organisation muss bereit sein, diesen Wandel zu tragen, weiß Benjamin Granger, wenn er sagt: „Die Lücke zwischen technologischem Potenzial und kultureller Reife wird 2026 über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.“ Viele Unternehmen würden massiv in KI investieren, ohne gleichzeitig die kulturellen Verhaltensweisen und Führungspraktiken zu entwickeln, die nötig seien, um diese Technologie wirksam zu nutzen. Hinzu kommt eine klare Diskrepanz, wie KI im Unternehmen betrachtet werde: Während 83 % der Führungskräfte glauben, KI habe ihre Prozesse effizienter gemacht, teilen nur 65 % der Mitarbeitenden diese Sicht. 15 % fürchten sogar Jobverlust durch KI, verglichen mit nur 5 % der Führungskräfte.

Die Folge: Investitionen versanden, Mitarbeiter fühlen sich entfremdet und Wettbewerber ziehen vorbei. Obendrein entwickelt sich eine neue Dynamik: Arbeitsbeziehungen werden zunehmend transaktional. Mitarbeiter bewerten ihren Arbeitgeber heute wie einen Konsumdeal: rational, kurzfristig, ohne emotionale Bindung. Wer diese Entwicklung durch fehlende Wertschätzung noch verstärkt, riskiert den Verlust seines wichtigsten Kapitals: Die High-Performer der eigenen Teams, die Innovation vorantreiben, Wissen weitergeben und tragende Säulen der Firmenkultur sind. Deshalb müssen Unternehmen Technologie und Kultur synchron weiterentwickeln. Das bedeutet: Leadership-Programme, die Vertrauen schaffen, klare Kommunikation über die Rolle von KI und eine Kultur, die Menschen nicht als Kostenfaktor, sondern als strategische Ressource begreift. Nur wer diese Balance meistert, wird nicht nur effizienter, sondern auch resilienter und sichert sich die Loyalität, die in Zeiten disruptiver Veränderungen unbezahlbar ist.

2026 trennt die Spreu vom Weizen

Experience Management wird zum Indikator für Unternehmenserfolg. Wer KI als reinen Effizienzhebel sieht, riskiert den Verlust von Vertrauen – bei Kunden wie Mitarbeitern. Wer sie als Chance begreift, Beziehungen zu vertiefen und Forschung zu demokratisieren, sichert sich nicht nur einige Wettbewerbsvorteile, sondern eine große Zukunft.

Vorheriger ArtikelM+E Industrie kämpft mit massiver Standortschwäche
Nächster ArtikelEmeram investiert in Hochfrequenz Unternehmensberatung