IWH meldet Rekord bei Firmenpleiten

Foto: © MQ-Illustrations_AdobeStock
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Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland hat laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im März 2026 einen historischen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Forscher wurden in diesem Zeitraum 1.716 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Dieser Wert liege um 17% über dem Vormonat und übertreffe das Niveau des Vorjahresmonats um 18%. Laut der Analyse des Instituts stellt dies den höchsten monatlichen Wert seit Juni 2005 dar. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre vor der Corona-Pandemie betrage der Anstieg sogar 71%.

Rekordwerte bei kleinen Unternehmen

Das IWH berichtet von neuen Höchstwerten bei den Firmenaufgaben im Baugewerbe sowie im Handel. Nach Einschätzung der Experten sind zudem Dienstleistungsbereiche massiv von der aktuellen Pleitewelle betroffen. Regional betrachtet verzeichneten Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die höchsten Werte seit Beginn der spezifischen Datenerhebung im Jahr 2020. Laut dem Institut geht der aktuelle Zuwachs vor allem auf eine Häufung von Insolvenzen bei kleineren Betrieben zurück.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

In den größten 10% der insolventen Firmen waren im März nach Angaben des Instituts rund 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Dieser Wert liege zwar 40% unter dem Niveau des Vormonats, aber dennoch 77% über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Corona-Zeit. Im gesamten ersten Quartal 2026 summierten sich die betroffenen Stellen auf etwa 54.000 Jobs. Laut den Forschern entfiel der größte Anteil mit rund 16.000 Arbeitsplätzen auf das Verarbeitende Gewerbe. Damit erreichten die Jobverluste durch Firmenpleiten den höchsten Stand seit dem dritten Quartal des Jahres 2020.

Düstere Aussichten für das Frühjahr

Das Institut beobachtet zudem eine besorgniserregende Entwicklung bei den Frühindikatoren für die kommenden Monate. Diese seien zuletzt kontinuierlich angestiegen und hätten im Februar und März ungewöhnlich hohe Werte erreicht. „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Laut seinen Angaben müssen sich Wirtschaft und Gesellschaft auf weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen einstellen. „Es ist möglich, dass sich die sehr hohen Werte aus dem März wiederholen“, betont der Experte. Nach Ansicht des Instituts deutet derzeit wenig auf eine rasche Entspannung der Lage hin. Insgesamt verzeichnete das erste Quartal 4.573 Pleiten, was den höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten markiert. Selbst während der globalen Finanzkrise im Jahr 2009 seien die Zahlen niedriger gewesen als im aktuellen Berichtszeitraum.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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