Die International Chemical Investors Group übernimmt die Geschäftsaktivitäten der Venator am Standort Duisburg. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem strategischen Investor wurde bereits erfolgreich unterzeichnet. Der Investor plant nach eigenen Angaben das Duisburger Traditionsunternehmen vollständig zu übernehmen. Die Vereinbarung steht derzeit noch unter dem Vorbehalt einer kartellrechtlichen Genehmigung durch die Behörden. Mit dem Einstieg der ICIG ist die Zukunft des Standortes in Nordrhein-Westfalen gesichert. Besonders positiv für die Region Duisburg ist die Übernahme sämtlicher rund 350 Mitarbeiter. Die formelle Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Venator Germany GmbH ist für den 1. Februar 2026 vorgesehen.
Schnelle Lösung im Sanierungsprozess

Laut der vorläufigen Insolvenzverwalterin Sarah Wolf von der Kanzlei Anchor ist damit ein echtes Traditionsunternehmen gerettet. Nach Angaben von Wolf bedeutet dieser Abschluss nun Planungssicherheit für die Belegschaft sowie für regionale Dienstleister. Die Beteiligten arbeiteten in den vergangenen Monaten intensiv an dieser nachhaltigen Lösung für das Unternehmen. „Ich bin außerordentlich froh, dass wir so schnell eine nachhaltige Lösung präsentieren können“, erklärt Wolf. „Mein besonderer Dank gilt dem gesamten Team, das in den vergangenen Monaten unermüdlich und hochprofessionell an dieser Lösung gearbeitet hat.“ Trotz der wirtschaftlichen Schieflage lief der Produktionsbetrieb am Standort zuletzt uneingeschränkt weiter.
Strategische Vision für den Chemiestandort
Der neue Eigentümer verfolgt eine klare strategische Vision für die Entwicklung in Duisburg. Neben der Stabilisierung der bestehenden Strukturen ist eine Weiterentwicklung des Chemiestandortes fest eingeplant. Ein zentraler Punkt der Strategie ist zudem die Rückkehr zu den historischen Wurzeln des Betriebs. Laut Christoph Sprenger, CEO der Käufergruppe, glaubt das Management fest an die Zukunftsfähigkeit des Standortes. „In den vergangenen Wochen haben wir ein sehr kompetentes und hochmotiviertes Team kennengelernt – das ist für uns eine hervorragende Basis“, sagt Sprenger. Das Ziel der Gruppe ist der Ausbau der Produktion mit traditionsreichen Marken wie Sachtolith oder Blanc Fixe.
Stabilität während der Insolvenzphase
Die Produktion blieb seit dem Insolvenzantrag im September 2025 ohne Unterbrechungen stabil. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von funktionellen Additiven und Nano-Produkten spezialisiert. Diese Produkte finden Anwendung in der Kunststoff-, Farben- und Kosmetikindustrie. Laut dem Management war die Aufrechterhaltung des Betriebs eine gemeinschaftliche Leistung aller Beteiligten. Durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Belegschaft und Gläubigern blieb die Lieferfähigkeit jederzeit gewahrt. Hohe Energiekosten und Konzernrestrukturierungen hatten zuvor die wirtschaftliche Schieflage bei der Tochtergesellschaft verursacht.
Die Käufergruppe ist eine weltweit agierende Industriegruppe mit Fokus auf mittelständische Chemieunternehmen. Seit der Gründung im Jahr 2005 erwirbt die Gruppe gezielt Geschäftsbereiche von globalen Konzernen. Der aktuelle Umsatz der Gruppe liegt laut Unternehmensangaben bei über 3 Mrd. EUR. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 6.000 Mitarbeiter in verschiedenen Nischenmärkten. Die Kanzlei Anchor begleitete den Prozess als Hybrid aus Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung. Mit 15 Standorten gehört die Einheit zu den großen Restrukturierungsteams in Deutschland. Der Betriebsrat unter Uwe Sova begleitete die Verhandlungen ebenfalls engmaschig. Nach Angaben von Sova investiert der neue Eigentümer vor allem langfristig in seine Plattformen.
Marktumfeld der Chemieindustrie
Die deutsche Chemiebranche befindet sich laut dem Verband der Chemischen Industrie in einer strukturellen Krise. Die Produktionsanlagen waren zuletzt nur zu 70% ausgelastet. Viele Unternehmen leiden unter schwacher Weltkonjunktur und Konkurrenz aus China. Auch hohe Energiepreise belasten den Standort Deutschland massiv. In diesem Umfeld nutzen Investoren wie Aequita oder Mutares derzeit Chancen für Zukäufe. Die Übernahme in Duisburg verhindert einen drohenden Dominoeffekt am Verbundstandort. Andere Unternehmen wie Domo Chemicals mussten zuletzt hingegen ihre Produktion in den Notbetrieb versetzen. Für den Standort Duisburg bedeutet der Deal den Erhalt industrieller Wertschöpfung.





