Die Pro-Liberis gGmbH und die Lenitas gGmbH haben jeweils einen Insolvenzantrag gestellt. Beide Unternehmen betreiben in Karlsruhe und der umliegenden Region mehr als 30 Einrichtungen für Kindertagesbetreuung und Jugendhilfe. Laut der Pressemitteilung der Kanzlei Schultze & Braun soll das Verfahren zur wirtschaftlichen Neuaufstellung genutzt werden. Der Betrieb in allen Standorten läuft nach Angaben der Verwalter in vollem Umfang weiter. Rund 600 Mitarbeitende sind von der Situation betroffen. Die fachliche Beratung bei der Antragstellung erfolgte durch die Kanzlei Grub Brugger.
Sicherung des laufenden Betriebs
Als vorläufige Insolvenzverwalter begleiten Jürgen Erbe für Pro-Liberis und Holger Blümle für Lenitas die Verfahren. „Wir sind zwar erst sehr kurz für die beiden Unternehmen als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig, haben aber in den Gesprächen mit den Mitarbeitenden direkt festgestellt, mit welch großem Engagement sie sich um das Wohl der Kinder und Jugendlichen kümmern“, betonen Erbe und Blümle. Laut den Verwaltern werden bei der Qualität der Betreuung keinerlei Abstriche gemacht. Die Löhne der Beschäftigten sind bis Ende März über das Insolvenzgeld abgesichert. Ab April sollen die Gehälter wieder aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden.
Ursachen der wirtschaftlichen Krise
Die finanzielle Schieflage resultiert nach Angaben des Unternehmens aus einer ambitionierten Wachstumsstrategie. In der Vergangenheit wurden mehrere Kindergärten von öffentlichen Trägern übernommen. Zusätzlich belasteten starke Preissteigerungen für Energie und Materialien die Liquidität der Gesellschaften. Die Einnahmen blieben laut Peer Giemsch, dem Gründer der Unternehmen, nahezu gleich. Dies führte zu einer Lücke, die nicht aus eigener Kraft geschlossen werden konnte. „Wir haben bereits damit begonnen, unsere Strukturen an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen“, sagt Giemsch. Er sieht das Geschäftsmodell aufgrund der steigenden Nachfrage als grundsätzlich zukunftsfähig an.
Zukunftsperspektiven für die Träger
Die Verantwortlichen prüfen derzeit alle Sanierungsoptionen für die nachhaltige Fortführung. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg sind laut den Insolvenzverwaltern Gespräche mit öffentlichen Kostenträgern. „Die Leistungen der Mitarbeitenden für die Kinder und Jugendlichen, aber auch für die Eltern, können gar nicht hoch genug bewertet werden“, sagen Erbe und Blümle. Das Angebot umfasst bei Pro-Liberis 907 Betreuungsplätze. Lenitas bietet 452 Plätze sowie stationäre Jugendhilfe an. Ein enger Austausch mit Eltern und Leistungsträgern ist geplant. Ziel ist die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Funktionalität in einem stabilen Zukunftsmodell.





