Die Indus Holding AG ist eine Beteiligungsgesellschaft, die auf die langfristige Entwicklung ihrer Unternehmen setzt. Nach der Neuausrichtung auf drei wachstumsstarke Geschäftsfelder hat Indus stärker auch Akquisitionen im Ausland im Visier. Im Interview erläutert CEO Dr. Johannes Schmidt, warum er trotz geopolitischer Unsicherheiten optimistisch bleibt und welche Rolle Zukäufe, Internationalisierung und Technikkompetenz für die weitere Entwicklung spielen.
Unternehmeredition: Was zeichnet Indus als Beteiligungsgesellschaft aus?
Dr. Johannes Schmidt: Wir haben einen klaren Investitionsfokus. Wir investieren in Nachfolgelösungen für mittelständische Familienunternehmen. Wir erwerben im industriellen Umfeld, typischerweise Unternehmen mit einem eigenen Produkt, zunehmend aber auch Unternehmen, die eine durchaus erhebliche Dienstleistungskomponente aufweisen. Im Zuge unserer neuen Strategie „Empowering Mittelstand“ schauen wir nicht nur auf Akquisitionen in Deutschland und der Schweiz, sondern auch in benachbarten europäischen Ländern wie den Benelux-Staaten, Polen und Tschechien.
Warum blickt Indus ungeachtet des aktuell schwierigen Umfelds optimistisch auf das laufende Jahr?
Das geopolitische Umfeld hat sich zuletzt sogar noch verdüstert. Leicht optimistisch sind wir dennoch. Zum einen wegen der Basiseffekte: Der Markt für unsere beiden Segmente Infrastructure und Engineering war in den letzten beiden Jahren durch massive Nachfragerückgänge geprägt. Hier sehen wir inzwischen wieder eine gewisse Belebung. Optimistisch sind wir aber auch, weil wir aus Erfahrung wissen, dass Indus in schwierigen Zeiten immer relativ gut performt. Das liegt an der breiten Streuung in unserem Portfolio. Wir sind krisenresilienter, weil wir zahlreiche mittelständischen Unternehmen haben, die alle sehr agil arbeiten und schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren können. Im Übrigen haben wir akquiriert und tun das auch weiter überall dort, wo wir Wachstumspotenziale sehen. All dies führt dazu, dass wir trotz des schwierigen Umfelds optimistisch in die Zukunft blicken.
In welchen Branchen sehen Sie aktuell Wachstumspotenzial?
Wir sehen klare Wachstumspotenziale im gesamten Infrastrukturbereich, vor allem bei den Infrastrukturnetzen, also zum Beispiel Strom- oder Glasfasernetzen. Da sind wir mit mehreren Beteiligungen dabei. Das Gleiche gilt für die Verkehrsinfrastruktur, etwa Brücken. Auch in der energetischen Sanierung von Gebäuden sehen wir für uns Potenziale. Wir erhoffen uns auch zusätzliches Geschäft aus dem vor einem Jahr von der Bundesregierung aufgelegten Infrastrukturpaket. Wie erwartet spüren wir dort aktuell aber noch keine positiven Umsatzeffekte. In unserem Segment Engineering sehen wir weiterhin Wachstumspotenziale im Bereich der Automatisierung, insbesondere der Prozessautomatisierung, wo es auch um die Einbindung von Künstlicher Intelligenz geht. In all diesen Feldern sind unsere Unternehmen gut positioniert. Entsprechend groß sind ihre Wachstumschancen.
Wollen Sie Ihre Beteiligungen durch Zukäufe stärken?
Zukäufe sind Teil unserer DNA, und wir haben sie in unserer Strategie als zentralen Wachstumstreiber definiert. Wir unterscheiden zwischen Wachstumsakquisitionen, bei denen wir ein neues Unternehmen auf erster Ebene kaufen, und Ergänzungsakquisitionen, sogenannten Add-ons, die unsere bestehenden Beteiligungsunternehmen stärken – gerne auch international. Hier besteht für uns ein geringes Risiko, denn die Beteiligungsunternehmen, die zukaufen, kennen ihre Märkte, sie kennen die Kunden und können den Neuerwerb schnell integrieren. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zukäufe, und in dieser Größenordnung sind die Kaufpreise derzeit auch relativ niedrig.
Worauf beruht Ihr Geschäftsmodell der Zukunft?
Unsere Strategie beruht auf den drei Wachstumstreibern Akquisitionen, Internationalisierung und Technikkompetenz. Akquisitionen hatte ich bereits erwähnt. Internationalisierung bedeutet, dass wir unseren globalen Footprint durch Zukäufe stärken und unsere Beteiligungen zunehmend weitere Standorte im Ausland aufbauen, vor allem in Nordamerika. Technikkompetenz schließlich heißt, dass wir aus der Holding heraus unsere Beteiligungen an die technologischen Entwicklungen der Zukunft heranführen, beispielsweise durch den Einsatz von KI oder die Zusammenarbeit mit Start-ups. Mit diesen drei Säulen sind wir bestens für die Zukunft gerüstet.
Vielen Dank für das Gespräch!
👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“.
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Dr. Johannes Schmidt
CEO
Indus Holding AG









