Immobilienkrise treibt notleidende Kredite in Deutschland nach oben

Unternehmenskredite immer gefragter
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Die Kreditqualität in Deutschland verschlechtert sich entgegen dem allgemeinen Trend in der Europäischen Union deutlich. Laut dem jüngsten EBA Risk Dashboard für das vierte Quartal 2025 sinkt die NPL-Quote auf EU-Ebene auf ein Rekordtief von 1,82 %. Das Gesamtvolumen notleidender Kredite liegt laut der European Banking Authority (EBA) bei 370 Mrd. EUR. Dies stellt den niedrigsten Stand seit Beginn der Datenerfassung dar. Länder wie Griechenland, Italien und Spanien haben ihre Quoten laut dem Bericht massiv gesenkt. In Spanien bleibt der Sekundärmarkt für Kredite weiterhin sehr aktiv.

Verschlechterung der Lage in Deutschland

In Deutschland zeigt die Entwicklung laut dem Dashboard der EBA in die entgegengesetzte Richtung. Die NPL-Quote steigt hier auf 1,61 %. Dies ist nach Angaben der Aufseher der höchste Wert seit dem Jahr 2018. Das Volumen erreicht mit 48,7 Mrd. EUR einen neuen Höchststand in der Zeitreihe. Als wesentliche Treiber gelten die Zinswende und die Krise bei Gewerbeimmobilien. Auch steigende Insolvenzen im Mittelstand belasten die Bilanzen der Institute. Die Stage-2-Quote liegt laut dem Bericht bei 15,5 %. Dieser Wert ist mehr als eineinhalb Mal so hoch wie der EU-Durchschnitt. Nach Einschätzung der Experten signalisiert dies weiteren Druck für die kommenden Monate. Das Segment der Unternehmenskredite bleibt dabei das größte Problemfeld. Hier liegt das Volumen bei 34,6 Mrd. EUR. Dies entspricht zwei Dritteln des gesamten deutschen Bestands an notleidenden Krediten.

Krise bei Gewerbe- und Wohnimmobilien

Besonders dramatisch stellt sich die Situation bei Gewerbeimmobilien dar. Die deutsche NPL-Quote in diesem Bereich liegt nun laut EBA bei 6,9 %. Das entspricht einem Volumen von knapp 19 Mrd. EUR. Im Jahr 2019 lag dieser Wert in Deutschland noch bei lediglich 1,7 %. Heute liegt die Quote fast 70 % über dem europäischen Durchschnitt. Ein Drittel aller notleidenden Gewerbeimmobilienkredite in Europa entfällt damit auf Deutschland. Auch bei Wohnimmobilienkrediten wurde eine neue Schwelle überschritten. Die Quote erreicht laut dem Dashboard erstmals 0,97%. Das Volumen übersteigt in diesem Segment erstmals die Marke von 4 Mrd. EUR. Bei Krediten für kleine und mittlere Unternehmen sprang die Quote auf 4,6%. Das Volumen beläuft sich hier auf 11,4 Mrd. EUR.

Neue Risiken durch Private Credit

Zusätzlich rückt das Feld Private Credit in den Fokus der Aufsicht. Die EZB hat eine Prüfungsrunde zu den Verflechtungen der Banken mit diesem Markt angekündigt. Der Markt ist laut der Europäischen Zentralbank auf über 1,5 Billionen EUR angewachsen. Die Regulierung ist in diesem Sektor deutlich schwächer als im klassischen Bankwesen. Laut der ESMA stellt dieser Markt eine systematische Schwachstelle dar. Große Fonds verzeichneten zuletzt milliardenschwere Rücknahmen durch ihre Anleger. Der Aufbau notleidender Kredite in Deutschland ist laut dem Bericht kein vorübergehendes Phänomen. Die Kreditqualität hat sich durch Inflation und Zinswende strukturell verschlechtert. Besonders die Industrie und der Immobiliensektor stehen unter hohem Druck.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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