Die BSU Holding GmbH zeigt, wie digitale Prozesse und eine kluge Nachfolge im Handwerk gelingen. Mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) wurde der Management Buy-out (MBO) nun erfolgreich vollzogen.

Die BSU Holding GmbH aus Hoppegarten bei Berlin agiert als Muttergesellschaft einer spezialisierten Unternehmensgruppe im Handwerk. Das Angebot umfasst inzwischen die Ingenieurplanung und technische Gebäudeausrüstung. „Wir kommen aus dem Handwerk, wir beherrschen das Handwerk, verstehen uns heute jedoch als umfassender Dienstleister“, beschreibt Matthias Gommlich, einer der beiden Geschäftsführer, sein Selbstverständnis in der Branche. Der Schwerpunkt liege auf der gewerkübergreifenden Abwicklung komplexer Projekte. Im Mittelpunkt steht dabei die Brand-, Wasserschaden- und Schadstoffsanierung als strategisches Kerngeschäft der Gruppe. Darüber hinaus gehören die Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallation sowie weitere Leistungen der technischen Gebäudeausrüstung zum festen Leistungsbestand.
Die BSU-Gruppe fokussiert sich auf anspruchsvolle Gebäude-, Wohnraum- und Gewerberaumsanierungen. Durch die Bündelung aller Leistungen unter einem Dach werden Prozesse effizient gesteuert. Die Minimierung von Schnittstellen bietet den Kunden laut Firmenangaben eine hohe Sicherheit. Parallel dazu investiert das Unternehmen konsequent in eine digitale Infrastruktur. Dies soll die Leistungsfähigkeit auch unter schwierigen Marktbedingungen stabil halten. Der Anspruch der Gruppe ist die Übernahme von deutlich mehr Verantwortung für Aufträge. Dies beginnt bei der Planung und endet bei der „ganzheitlichen, gewerkeübergreifenden Projektfertigstellung“.
Digitale Prozesse als zentraler Wettbewerbsvorteil

In der BSU Holding sind heute nahezu alle Kernprozesse digital organisiert. „Wir arbeiten datenbasiert und vernetzt; deutlich intensiver, als man es in einem klassischen Handwerksbetrieb erwarten würde“, sagt Geschäftsführer André Tischler. Mit dem Generationswechsel hat diese Entwicklung nochmals an Dynamik gewonnen. Ziel ist es, Abläufe effizienter, transparenter und strukturierter zu gestalten und dadurch echten Mehrwert für Kunden und Partner zu schaffen. Von dieser konsequenten Digitalisierung profitieren nicht nur die eigenen Mitarbeiter. Auch Partner- und Nachunternehmen werden projektbezogen in die digitalen Strukturen eingebunden, sodass alle Beteiligten jederzeit auf einem einheitlichen Informationsstand arbeiten. Das sorgt für Transparenz, reduziert Abstimmungsaufwand und beschleunigt Entscheidungsprozesse. Digitale Planungs- und Steuerungstools unterstützen dabei, Projekte präzise vorzubereiten und umzusetzen. Informationen stehen in Echtzeit zur Verfügung, Abläufe werden besser koordiniert und potenzielle Konflikte frühzeitig erkannt. Für die Kunden bedeutet das vor allem höhere Planungs- und Kostensicherheit, klare Prozesse und eine insgesamt verlässlichere Projektabwicklung.
Der Weg zum unternehmerischen Risiko
Der Übergang in die Rolle der geschäftsführenden Gesellschafter war ein anspruchsvoller Schritt. Gommlich beschreibt den Weg vom angestellten Geschäftsleiter zum Unternehmer als emotional fordernd: „Plötzlich trägt man nicht mehr nur operative Verantwortung für die täglichen Abläufe. Mit der Übernahme ist auch ein unternehmerisches Risiko verbunden. Man übernimmt nicht nur ein Unternehmen, sondern auch den Lebenstraum der Vorgänger.“ Dieses Vertrauen empfinden die neuen Inhaber laut eigenen Aussagen als große Verantwortung. Tischler betont die Bedeutung der langjährigen Nähe zum Betrieb für den Übergang: „Die Nachfolge wurde bewusst über einen längeren Zeitraum vorbereitet. Diese Vorbereitung erfolgte gemeinsam mit den bisherigen Gesellschaftern der Gruppe. Die Nähe zu den Mitarbeitern hat den Einstieg laut den Beteiligten erleichtert.“ Die Nachfolge habe gezeigt, wie wichtig eine frühzeitige Planung und Vertrauen sind. Nur so kann Kontinuität gesichert und Raum für neue Impulse geschaffen werden.
MBG als strategischer Finanzierungspartner

Die Übernahme des Unternehmens durch die beiden neuen Inhaber war finanziell anspruchsvoll und erforderte einen starken Partner. Das Vorhaben hätte ohne externe Unterstützung kaum realisiert werden können. Die Hausbank stellte klare Anforderungen an das Eigenkapital für die Finanzierung. Diese Lücke konnte die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft durch ihren Einstieg erfolgreich schließen. Sie trat dabei als stille Gesellschafterin auf und fungierte somit als wichtiger Enabler. Ein entscheidender Faktor war die operative Unabhängigkeit der Geschäftsführung. „Die MBG agiert partnerschaftlich im Hintergrund – genau diese Rolle war für uns ausschlaggebend“, erklärt Tischler. So begründen die Unternehmer ihre Wahl gegen einen Private-Equity-Investor.
Klassische Beteiligungsmodelle seien häufig zu stark renditegetrieben. Die MGB versteht sich stattdessen als langfristiger Partner des Mittelstands. Das Engagement war zudem ein wichtiges Signal für alle weiteren Akteure. Es habe maßgeblich dazu beigetragen, Vertrauen bei anderen Finanzierungspartnern zu schaffen. Die gestärkte Kapitalbasis ermöglicht nun die Vertiefung der bestehenden Kompetenzfelder. Besonders in der Schadstoffsanierung sollen die Kapazitäten regional ausgebaut werden.
Sicherung der Fachkräfte durch eigene Qualifizierung

Um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen, wurde die eigene BSU Academy ins Leben gerufen. Sie ist ein zentraler Baustein der langfristigen Strategie des Unternehmens. Die Einrichtung dient sowohl der Mitarbeiterbindung als auch der Gewinnung neuer Kräfte. „Nachhaltiges Wachstum ist nur mit qualifizierten und motivierten Menschen möglich“, sagt Gommlich. In vielen Projekten würden Leistungen erbracht, die über klassische Handwerksleistungen hinausgehen. „Wer erfolgreich sein will, braucht gut ausgebildete Teams. In fünf Jahren wollen wir unsere Position als digitaler Dienstleister festigen“, erklärt Tischler. Der Fokus bleibe dabei stets auf organisches Wachstum aus eigener Stärke gerichtet. Eine schnelle Expansion um jeden Preis ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Qualität und Spezialisierung stehen für die Zukunft im Vordergrund der Bemühungen. „Nachfolge ist kein Ereignis, sondern ein Prozess“, so Gommlich. Dieser Rat der Inhaber unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Planung: Wer Talente einbindet und Partner einbezieht, erhöht die Chancen auf Erfolg.
„Wir sehen uns als Enabler, der den Weg für eine stabile Zukunft ebnet“
Interview mit Michael Maurer, Prokurist, MBG Berlin-Brandenburg
Unternehmeredition: Herr Maurer, welchen Beitrag leistete Ihr Haus bei der Übernahme durch die neuen Gesellschafter?

Michael Maurer: Die Übernahme war finanziell anspruchsvoll und hätte ohne einen starken Beteiligungspartner kaum realisiert werden können. Die Hausbank stellte klare Eigenkapitalanforderungen an die Käufer. Wir konnten diese Lücke als stille Gesellschafterin vollständig schließen. Uns war wichtig, dass die operative und strategische Unabhängigkeit der Unternehmer erhalten bleibt. Die MBG Berlin-Brandenburg agiert hierbei partnerschaftlich im Hintergrund.
Weshalb ist eine stille Beteiligung für mittelständische Betriebe oft vorteilhafter als Private Equity?
Klassische Private-Equity-Modelle sind häufig stärker renditegetrieben und greifen operativ in das Geschäft ein. Wir verstehen uns hingegen als langfristiger Partner des Mittelstands. Diese Haltung passt deutlich besser zur DNA eines Unternehmens wie der BSU Holding GmbH. Unsere Beteiligung sichert die unternehmerische Entscheidungsfreiheit vollständig ab. So kann Kontinuität gesichert und Raum für neue Impulse geschaffen werden.
Welche Wirkung hatte Ihr Engagement auf das gesamte Finanzierungskonstrukt des Projekts?
Die Beteiligung war ein wichtiges Signal für alle weiteren beteiligten Akteure. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, Vertrauen zu schaffen und die Finanzierungspartner zusammenzubringen. Zudem übernahmen wir eine koordinierende Rolle zwischen Hausbank und Förderinstituten. Dies hat den gesamten Prozess deutlich beschleunigt und strukturiert. Wir sehen uns als Enabler, der den Weg für eine stabile Zukunft ebnet.
Wir danken Ihnen für die interessanten Einblicke!
👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 1-2026 erschienen.
KURZPROFIL
BSU Holding GmbH
Gründungsjahr: 1999
Branche: Prozessindustrie
Firmensitz: Bausanierung
Mitarbeiterzahl: 90
Umsatz: 13,5 EUR







