Gläubiger übernehmen Kontrolle bei Faserhersteller Lycra

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The Lycra Company hat im US-Bundesstaat Texas ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Das Unternehmen strebt damit eine umfassende Restrukturierung seiner finanziellen Verbindlichkeiten an. Nach Angaben von Finanzchef Dean Williams sieht die Vereinbarung vor, einen Großteil der bestehenden Schulden zu streichen. Die Kontrolle über den Faserhersteller geht dabei vollständig auf die Gläubiger über. Durch diesen Schritt sollen die langfristigen Verbindlichkeiten um 1,2 Milliarden US-Dollar sinken. Gleichzeitig stellt die Vereinbarung frisches Kapital in Höhe von mehr als 75 Mio. EUR bereit. Diese Mittel dienen laut dem Unternehmen der Sicherung des laufenden Geschäftsbetriebs. Die rund 2.000 Beschäftigten sowie Kunden und Lieferanten seien von dem Verfahren nicht betroffen.

Der Antrag markiert den Höhepunkt einer jahrelangen wirtschaftlichen Belastung für den Produzenten von Spandexgarn. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis in das Jahr 1958 zurück. Damals entwickelten Wissenschaftler des Chemiekonzerns DuPont die ursprüngliche Kunstfaser. Laut dem Unternehmen belasteten zuletzt pandemiebedingte Störungen der Lieferketten und eine schwache Nachfrage die Bilanz. Hinzu kamen eine anhaltend hohe Inflation sowie ein verstärkter Wettbewerb durch günstigere Anbieter. Nach Informationen des Portals Fashion Network sank die Auslastung der acht Produktionsstätten zuletzt auf rund 60 %. Für das aktuelle Jahr wird ein Rückgang des EBITDA auf 44 Mio. EUR prognostiziert. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 132 Mio. EUR. Steigende Kosten für das Schuldenmanagement verschärften die Lage zusätzlich.

Gescheiterte Verkaufsbemühungen

Bereits im Jahr 2022 übernahmen Kreditgeber die Anteile von der chinesischen Ruyi Textile and Fashion International Group. Anfang 2025 strebte The Lycra Company laut eigenen Angaben einen Verkauf an einen chinesischen Investor an. Diese Transaktion sollte sämtliche ausstehenden Schulden tilgen. Im August wurde jedoch bekannt, dass der Verkauf nicht zustande kommen würde. Daraufhin trieben die Gläubiger die Übernahme im Rahmen eines Alternativplans voran. Die finanzielle Situation verschlechterte sich jedoch so massiv, dass die ursprüngliche Planung nicht mehr tragfähig war. Das nun eingeleitete Verfahren soll die Neuordnung der Schuldenstruktur ermöglichen. Vor dem Antrag bestand die Last unter anderem aus 520 Mio. EUR an Anleihen. Das Unternehmen führt den Betrieb während der Sanierungsphase fort. Ziel bleibt die Umsetzung eines tragfähigen Sanierungsplans unter der Führung der neuen Eigentümer.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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