Die Erich Jaeger GmbH aus Friedberg hat Anfang April einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Nach Angaben der Muttergesellschaft Ad Capital AG erfolgte dieser Schritt aufgrund von Zahlungsunfähigkeit. Ein stark durch geopolitische Entwicklungen bedingter Umsatzrückgang wird als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage angeführt. Das Amtsgericht Friedberg bestellte den Rechtsanwalt Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Stabilisierung des internationalen Geschäftsbetriebs
Der Fokus liege laut Plathner zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit. „Parallel schaffen wir Transparenz über die wirtschaftliche Situation und prüfen Sanierungsoptionen“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter. Das Ziel sei es, im Rahmen eines strukturierten Prozesses zeitnah eine Investorenlösung für die Unternehmensgruppe zu realisieren. Der Geschäftsbetrieb des Zulieferers laufe indes an allen Standorten uneingeschränkt weiter. Zur Sicherung der Löhne und Gehälter wurde bereits eine Vorfinanzierung von Insolvenzgeld eingeleitet. Erste Gespräche mit wesentlichen Kunden aus der Automobilindustrie und weiteren Stakeholdern seien bereits aufgenommen worden.
Krise trotz umfassender Reorganisation
Trotz intensiver Restrukturierungsbemühungen konnte die Zahlungsunfähigkeit des Tochterunternehmens laut Ad Capital nicht abgewendet werden. Erst zum 1. Januar 2026 war eine umfangreiche Reorganisation des Betriebs in Kraft getreten. Das fast 100 Jahre alte Traditionsunternehmen ist stark internationalisiert und beschäftigt weltweit rund 1000 Mitarbeiter. Davon sind etwa 200 Beschäftigte an deutschen Standorten tätig. In der Firmenzentrale in Friedberg arbeiten mehr als 70 Personen in der Entwicklung und Verwaltung. Der Automotive-Zulieferer betreibt insgesamt elf Standorte, darunter Werke in Mexiko, Tschechien und China.
Das Unternehmen fertigt Steckverbindungssysteme für Anhänger von Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Traktoren. Zu den Kunden zählen namhafte Marken wie Audi, BMW, Daimler, Ford, Volkswagen und Volvo. Auch Nutzfahrzeughersteller wie MAN oder Claas sowie das Rüstungsunternehmen Rheinmetall beziehen Produkte aus Friedberg. Zuletzt erwirtschaftete der Spezialist für Verbindungssysteme einen Jahresumsatz von 77 Mio. EUR. Die börsennotierte Muttergesellschaft Ad Capital hatte ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2025 bereits im Vorfeld korrigiert. Der Aktienkurs der Holding brach nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrags Anfang April massiv ein.









