„Es ist nie zu spät, Neues zu beginnen und neugierig zu bleiben“

Interview mit Heiner Lauterbach Schauspieler, Synchronsprecher; Mitgründer/ Geschäftsführer von Meet Your Master

Heiner Lauterbach im Interview über Karriere, „Männer“, „Rossini“ und seine Lernplattform Meet Your Master.
Heiner Lauterbach mit seiner Ehefrau Viktoria; Foto: © Stefan Kokovic

Heiner Lauterbach zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Gesichtern des deutschen Films – seinen Durchbruch feierte er 1985 mit Doris Dörries „Männer“, später folgten unter anderem Kinoerfolge wie „Rossini“. Heute setzt er neben der Schauspielerei auch unternehmerische Akzente: Mit der digitalen Plattform „Meet Your Master“ will er Lernen neu denken. Wir haben mit ihm über seinen Weg gesprochen.

Unternehmeredition: Herr Lauterbach, wann war der Moment, in dem Sie wussten: „Schauspiel ist mein Beruf“ und nicht nur eine Phase?
Heiner Lauterbach: Diesen einen Moment gab es nicht. Eine solche Entscheidung entsteht selten in einem einzigen Augenblick. Mit elf Jahren habe ich in einem Internat in Bayern gemerkt, dass mir die Schauspielerei Freude macht und dass ich offenbar ein Talent dafür habe. Später habe ich mir die Frage gestellt, wie realistisch es ist, von diesem Beruf eines Tages leben zu können. Am Ende stand eine bewusste Entscheidung.

Ihr Durchbruch kam Mitte der 80er: Wie haben Sie diese Zeit erlebt und was hat sie in Ihnen verändert?
Ich zitiere hier gern Falko: Wer sich an die Achtziger erinnern kann, hat sie nicht gelebt. Die Achtziger waren wild, laut und voller Möglichkeiten. Für mich vor allem beruflich. Anfang der Achtziger habe ich meine erste Hauptrolle im Fernsehen gespielt, kurz darauf ging’s weiter ins Kino. Das war in Roland Suso Richters preisgekröntem Erstling „Kolp“ im Jahr 1984.

Viele verbinden Sie mit „Männer“ oder „Rossini“: Was macht für Sie eine Rolle „groß“ – jenseits von Erfolg und Aufmerksamkeit?
Für mich ist die Qualität des Drehbuchs das Wichtigste in unserer Branche. Gute Bücher bringen gute Rollen hervor – wie groß sie werden, liegt dann auch am Schauspieler. Doris Dörrie und Helmut Dietl sind großartige Drehbuchautoren, und als Schauspieler freut man sich immer über ein wirklich gutes Buch. Auch bei „Ein fast perfekter Antrag“, der aktuell im Kino läuft, war es wieder das Drehbuch, das mich überzeugt hat.

Gibt es Rollen, die Sie grundsätzlich ablehnen und eine, die Sie im Nachhinein gern gespielt hätten?
Schlechte Rollen in schlechten Drehbüchern lehne ich grundsätzlich ab. Klar gibt es in einer Karriere wie meiner immer wieder Situationen, die man im Nachhinein dann anders gelöst hätte.

Nicht jedes Projekt trifft den Nerv der Zeit: Wie gehen Sie mit Flops, Kritik oder Gegenwind um?
Rückschläge oder Niederlagen gehören zu einer Karriere, genauso wie die Höhepunkte. Es gibt keine Karriere auf der Welt, die stringent nur aufwärts geht.

Welche Entscheidung in Ihrer Laufbahn war rückblickend die mutigste, obwohl sie sich damals vielleicht eher unvernünftig anfühlte?
Vermutlich die Entscheidung Schauspieler zu werden.

Seit 2019 sind Sie Mitgründer der digitalen Lern-Plattform „Meet Your Master“. Worum geht es Ihnen dabei?
Uns geht es um eine neue Art zu lernen: von den Besten. Von Koryphäen, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern Inspiration und Motivation weitergeben – aus Erfahrung, nicht nur in der Theorie. Die Master sind Koryphäen ihres jeweiligen Fachs. Zu den bekannten Persönlichkeiten zählen unter anderem Oliver Kahn, Anke Engelke, Judith Williams, Sebastian Fitzek, Dr. Müller-Wohlfahrt, Reinhold Messner oder Malaika Mihambo. Sie sprechen über Themen wie Motivation, Disziplin, mentale Stärke, Verhandeln, Verkaufen, Kreativität, Gesundheit oder Kulinarik.

Dabei geben sie auch Einblicke in ihre Denkweisen, sprechen offen über Fehler, Scheitern und ihre wichtigsten Lernprozesse. Das ist uns ganz wichtig. Für mich ist lebenslanges Lernen eine Haltung. Es ist nie zu spät, Neues zu beginnen und neugierig zu bleiben. Ich selbst habe mit Ende 50 noch einmal neu angefangen und endlich Klavierspielen gelernt – das war schon immer ein Traum von mir.

Unternehmertum bedeutet Zahlen, Prozesse, Entscheidungen: Was war beim Aufbau für Sie überraschend hart und was fiel Ihnen als Bühnenprofi eher leicht?
Überraschend hart war ehrlich gesagt nichts, weil mir von Anfang an klar war, dass dieses Projekt viel Arbeit bedeutet. Wir haben die Aufgaben sehr gut verteilt: Meine Frau verantwortet gemeinsam mit unserem großartigen Team das Tagesgeschäft, die Abläufe und die Organisation. Ich selbst konzentriere mich vor allem auf die Akquise sowie auf die inhaltliche und visuelle Entwicklung der Filme, also der Kurse, die wir produzieren. Darüber hinaus bin ich in Teile des Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit eingebunden.

Sie sind Vater von drei Kindern: Welche Haltung oder welchen Wert möchten Sie ihnen vorleben?
Man kann fast alles im Leben machen, solange man damit anderen Menschen nicht schadet.

👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der nächsten Magazinausgabe der Unternehmeredition 1-2026.


KURZPROFIL

Foto: © Stefan Kokovic

Geboren: am 10. April 1953 in Köln
Familienstand: verheiratet; drei Kinder (Oscar, Maya, Vito)
Beruf: Schauspieler, Synchronsprecher; Mitgründer/ Geschäftsführer der E-Learning-Plattform „Meet Your Master“
Erfolge:
Durchbruch im Kino: Doris Dörries „Männer“ (1985)
Prägende Film-/TV-Arbeiten: u. a. „Rossini“, „Willkommen bei den Hartmanns“, „Enkel für Anfänger“, „Der Fall Collini“ und aktuell mit „Ein fast perfekter Antrag“ an der Seite von Iris Berben im Kino.
Auszeichnungen: u. a. Deutscher Filmpreis, Bambi, Bayerischer Filmpreis, Bayerischer Fernsehpreis, Bayerischen Verfassungsorden, Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten
Unternehmerisches Engagement: Aufbau von „Meet Your Master“ (seit 2019) als Plattform für Videokurse mit bekannten „Mastern“
Websites: www.heinerlauterbach.de und www.meetyourmaster.de

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen.

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