Beim Standortfaktor Regulierung schneidet Deutschland schlecht ab; das hat der Länderindex Familienunternehmen 2023 gezeigt. Doch wie und wo genau ist man ineffizient? Eine neue ZEW-Studie zeigt, das Land ist teils schon auf dem richtigen Weg zu evidenzbasierter Wirtschaftspolitik. Aber mehr Anreize über Marktmechanismen würden die Akzeptanz staatlicher Eingriffe erhöhen – und die Kosten senken.
Ein Hochkostenstandort könnte durchaus attraktiv bleiben, wenn die Gegenleistung stimme, die der Staat den Unternehmen biete. Doch der deutsche Standort könne diese Gegenleistung immer weniger erbringen. So schreiben die Autoren des Länderindex Familienunternehmen vom ZEW Mannheim in einer neuen vertieften Sonderstudie zum Thema Regulierung im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen.
Hoher finanzieller Ressourceneinsatz verbunden mit einer geringen Effizienz öffentlicher Ausgaben – diese Diagnose machen die Forscher an einer breiten Palette von OECD-Zahlen fest. Bürokratieaufwand und Governance stehen verglichen mit den 21 Staaten in einem schlechten Verhältnis zur Standortqualität.

Doch das Forscherteam unter Leitung von Professor Friedrich Heinemann findet auch anerkennende Worte. Die Abschätzung von Gesetzesfolgen und die Evaluation von erfolgten Regulierungsmaßnahmen in Deutschland läuft im OECD-Vergleich eher gut. Selbst bei der Dauer von Baugenehmigungen liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. Einen guten Platz im Ranking gibt es zudem für die öffentliche Auftragsvergabe.
Mehr Optimismus und Akzeptanz bei Steuerung über Preise

Das könne der Grund für den Pessimismus sein, mit dem die Wirtschaftsakteure der Klimapolitik entgegentreten. Die vollständige Dekarbonisierung sehen sie als Risiko, sind damit allerdings im globalen Vergleich nicht allein. Anders in skandinavischen Ländern, die einen marktbasierten Ansatz verfolgten und den CO2-Preismechanismus nutzen: Hier zeigen die Unternehmen mehr Optimismus und Akzeptanz.
Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen: „Familienunternehmen in Deutschland bewegen sich in einem immer dichter werdenden Netz von Regeln zur Verhaltenssteuerung. Das hemmt Wachstum und Investitionen und erzeugt Zorn. Der gesellschaftliche Konsens, den wir eigentlich brauchen, um die Zukunftsaufgaben zu bewältigen, geht so verloren. Die Politik sollte die Unternehmen mit klaren Marktsignalen ermutigen und nicht mit Bürokratie frustrieren.“

» zur Studie „Effizienz und Regulierung – Bürokratielasten im internationalen Vergleich“





