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„Die Corona-Krise stellt tatsächlich die globale Finanzkrise ziemlich in den Schatten“, erklärte der Präsident des Münchener ifo-Institus, Clemens Fuest bei der ifo-Jahresversammlung in dieser Woche. Nach seiner Einschätzung sei die aktuelle Situation deutlich extremer, auch heute das genaue Ausmaß der Auswirkungen der Pandemie noch nicht abzuschätzen ist. Als Begründung für seine Beurteilung der Lage führt Clemens Fuest an, dass nach ifo-Umfragen deutsche Unternehmen einen Umsatzrückgang von rund 20% erwarten.

Sorge wegen hoher Kurzarbeiter-Zahl

In seiner Wachstumsprognose vom Mai rechnete das ifo-Institut für das Jahr 2020 mit einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft um 6,6%. Sorgen macht dem ifo-Chef auch die hohe Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland. Nach den jüngsten Zahlen seien 21,7% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen. Erst die Zukunft werde zeigen, ob die Kurzarbeit wieder ende und so Arbeitsplätze rette oder in Firmenpleiten oder den Verlust von Jobs münde.

KfW sieht eine leichte Entspannung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sieht in im deutschen Mittelstand eine leichte Entspannung der Lage – insbesondere bei der Liquidität der Unternehmen. Die Lockerungen der coronabedingten Beschränkungen hat zu einer stärkeren Wirtschaftsaktivität geführt. Rund 2,3 Mio. Mittelständler waren nach Angaben der KfW auch im Mai von Umsatzeinbrüchen betroffen. Durchschnittlich 46% der üblicherweise zu erwartenden Umsätze seien verloren gegangen. Insgesamt büßte der Mittelstand im Mai rund 88 Mrd. EUR ein.

Bei 20% der Unternehmen reicht die Liquidität nur noch 4 Wochen

Der fehlende Umsatz belastet laut der KfW-Einschätzung auch die Liquidität der Unternehmen. Zwar scheine sich die Situation für einige entspannt zu haben – so berichten 25% der Mittelständler aktuell über ausreichend Liquiditätsreserven. Bei rund jedem fünften Unternehmen reichten die liquiden Mittel jedoch nur noch bis zu vier Wochen – wenn sich an der derzeitigen Situation nichts ändert.

Rückkehr zur vollen Wirtschaftstätigkeit wohl erst Frühjahr 2021

Die KfW-Befragung hat ergeben, dass 60% der Mittelständler erwarten, dass sie die Krisenfolgen noch lange spüren werden. Im Durchschnitt rechnen diese Unternehmen mit einer Normalisierung ihrer Geschäftslage in rund 8,5 Monaten – dies entspräche ungefähr März 2021. Jedes zweite derjenigen Unternehmen, die einen Zeitraum bis zur Normalisierung abschätzen, rechnet damit, das Vorkrisenniveau Ende 2020 wieder erreichen zu können.

 

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Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.