Laut dem Kreditversicherer Coface bleiben die Unternehmensinsolvenzen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften auch im Jahr 2026 auf einem hohen Stand. Nach einer deutlichen Zunahme in den Vorjahren zeichnet sich nun eine Stabilisierung ab. Das Unternehmen geht in seinem aktuellen Bericht von einer dauerhaften Normalisierung der Fallzahlen aus. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben laut den Experten jedoch weiterhin herausfordernd. Ein schwaches Wachstum und anhaltende Unsicherheit prägen das globale Umfeld.
Normalisierung nach der Pandemie
Nach Angaben von Coface endete mit dem Auslaufen der staatlichen Hilfsprogramme eine Phase künstlich niedriger Insolvenzzahlen. Während der Pandemie hatten umfassende Stützungsmaßnahmen viele Unternehmen vor dem Zusammenbruch bewahrt. Laut den Experten führten Barzahlungen und Kurzarbeiterregelungen zu einer kontraintuitiven Entwicklung. Trotz des wirtschaftlichen Einbruchs sanken die Insolvenzen bis Ende des Jahres 2021 zunächst ab. In der darauf folgenden Phase der Normalisierung kehrten die Verfahren zu Standardpraktiken zurück. Viele Betriebe mussten laut dem Bericht nun Kredite zurückzahlen, die sie während der Krise aufgenommen hatten. Dies führte ab dem Jahr 2022 zu einem markanten Anstieg der Ausfälle. Laut den Analysten spielten dabei auch öffentliche Gläubiger eine zentrale Rolle. Diese begannen nach der Wiedereröffnung der Gerichte vermehrt mit der Einreichung von Insolvenzanträgen. Der Bericht betont, dass dieser Nachholeffekt nun weitgehend abgeschlossen sei. Dennoch bleiben die strukturellen Belastungen laut den Experten für viele Firmen bestehen.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland
In Deutschland zeigt sich laut dem Kreditversicherer eine besonders langwierige Aufwärtsbewegung bei den Firmeninsolvenzen. Das Jahr 2025 markierte laut den Daten bereits das vierte Jahr in Folge mit steigenden Zahlen. Der Bericht verweist auf eine Zunahme im vergangenen Jahr um etwa 11%. Für das aktuelle Jahr 2026 wird laut den Experten jedoch eine Stabilisierung auf hohem Niveau erwartet. Die Prognose geht von einem nur noch minimalen Zuwachs der Fallzahlen um 1% aus. Laut den Analysten stützen steuerliche Entlastungen für Investitionen und Maßnahmen gegen hohe Energiekosten dieses Szenario. Auch höhere öffentliche Investitionen sollen laut dem Bericht zur Beruhigung des unternehmerischen Umfelds beitragen. Trotz dieser positiven Signale bleibt die wirtschaftliche Aktivität laut den Experten insgesamt verhalten. Die grundlegenden Risiken für den Standort Deutschland seien laut den Daten weiterhin vorhanden. Eine schnelle Rückkehr zu den niedrigen Quoten der Vorjahre wird laut dem Bericht nicht erwartet. Vielmehr festige sich laut den Experten ein neues Niveau an Unternehmenszusammenbrüchen.
Trends im europäischen Wirtschaftsraum
Laut Coface verzeichneten fast alle großen europäischen Volkswirtschaften zuletzt steigende Insolvenzraten. In Frankreich und dem Vereinigten Königreich bewegten sich die Zuwächse zuletzt im einstelligen Bereich. Der Kreditversicherer erwartet für diese Länder auch im Jahr 2026 eine Fortsetzung dieses moderaten Trends. Nach Angaben der Studie liegt die Zahl der Insolvenzen dort jedoch weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Eine Ausnahme bilden laut dem Bericht die Niederlande, wo die Zahlen zuletzt wieder sanken. In Italien und Spanien haben laut den Analysten Gesetzesreformen die Interpretation der Daten erschwert. Neue rechtliche Rahmenbedingungen fördern dort laut den Experten präventive Maßnahmen und Restrukturierungen. Für Spanien wird laut den Daten aufgrund einer starken Wirtschaftsleistung ein Rückgang der Ausfälle prognostiziert. In Italien hingegen ist laut dem Bericht ein Schrumpfen der Unternehmenspopulation zu beobachten.
Herausforderungen für industrielle Kernsektoren
Die europäische Industrie sieht sich laut dem Bericht mit einer Kombination aus hohen Kosten und schwacher Nachfrage konfrontiert. Besonders die Automobilindustrie und die chemische Branche leiden laut den Experten unter den Energiepreisen. Laut den Analysten haben diese Faktoren die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Betriebe massiv geschwächt. In der Chemiebranche sank die Kapazitätsauslastung laut den Daten auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Der Anteil finanziell gefährdeter Unternehmen hat sich dort laut dem Bericht fast vervierfacht. Auch der Textilsektor und die Metallverarbeitung zeigen laut den Experten eine hohe Verschuldung bei sinkenden Erträgen. Laut den Analysten erschweren zusätzliche regulatorische Lasten beim Emissionsschutz die Erholung dieser Branchen. Der Bausektor bleibt laut dem Bericht aufgrund der hohen Finanzierungskosten ebenfalls stark unter Druck.
Zinssituation und Ausblick
Laut Coface bleibt die Entwicklung der Zinsen der entscheidende Faktor für die künftige Insolvenzdynamik. Zwar haben einige Zentralbanken laut dem Bericht bereits mit ersten Zinssenkungen begonnen. Dennoch liegen die Finanzierungskosten für viele Unternehmen weiterhin auf einem sehr hohen Stand. Kleine und mittlere Betriebe sind laut den Experten besonders von den teuren Krediten betroffen. Laut den Analysten könnte eine weniger aggressive Lockerung der Geldpolitik die Lage verschärfen. Das Basisszenario des Kreditversicherers geht jedoch von einer schrittweisen Verbesserung der Kreditbedingungen aus. Die Unsicherheit bleibt laut dem Bericht dennoch das prägende Element für das Geschäftsjahr 2026. Mögliche Handelskonflikte und geopolitische Spannungen könnten laut den Experten neue Schocks verursachen. Ein nachhaltiger Rückgang der Insolvenzen auf das Niveau vor der Pandemie sei laut den Daten vorerst nicht absehbar. Die wirtschaftliche Stabilität hängt laut den Analysten maßgeblich von einer globalen Beruhigung ab.







