Im Rahmen des zweiten Mittelstandsdialogs mit Staatssekretärin Gitta Connemann hat der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) deutliche Impulse zur aktuellen Lage des deutschen Mittelstands eingebracht. Der Verband adressierte dabei eine besorgniserregende Stagnation der deutschen Wirtschaft: Während private Investitionen einen historischen Tiefstand erreicht haben, geraten Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität zunehmend unter Druck.
Ungenutztes Kapital bremst das Wachstum

Nach Einschätzung des BVK liegt das Problem nicht an einem Mangel an Kapital, sondern an dessen fehlender Mobilisierung. „Deutschland hat kein Kapitalproblem. Wir lassen Kapital ungenutzt“, betonte Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des BVK. Trotz teilweise solider Eigenkapitalquoten im Durchschnitt steige die Zahl schwach kapitalisierter Betriebe, während die Insolvenzen den höchsten Stand seit rund zehn Jahren erreicht haben. Besonders alarmierend: Die Nettoinvestitionsquote ist auf etwa 0,3 % des BIP gefallen, und weniger als 40 % der geplanten Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) werden tatsächlich umgesetzt.
Private Equity als Hebel für die Transformation
Private Equity wird vom BVK als zentraler Hebel für Nachfolgeregelungen, Transformation und Skalierung im Mittelstand gesehen. Dennoch bleibe Deutschland bei Beteiligungsinvestitionen hinter vergleichbaren Volkswirtschaften zurück. Wenn Fonds nicht skaliert würden, bestehe die Gefahr, dass Innovationen und Arbeitsplätze zunehmend im Ausland finanziert werden, anstatt das heimische Wachstum zu stärken.
Kernforderungen für eine wirtschaftliche Erneuerung
Um den Investitionsstau aufzulösen, fordert der BVK zwei konkrete politische Maßnahmen:
- KfW-gestützter Dachfonds: Ein spezielles Instrument für KMU-Finanzierungen soll Fondsvolumina skalieren und privates Kapital gezielt mobilisieren.
- Steuerliche Transparenz: Ein Mindeststandard für Beteiligungskapital soll Investoren Rechtssicherheit bieten und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fondsstrukturen sichern.
Abschließend warnte Hinrichs: „Das aktuelle Wachstum von rund einem Prozent ist kein Aufbruch, sondern ein Strohfeuer. Ohne private Investitionen bleibt Deutschland im Stillstand. Wachstumskapital ist keine Subvention − es ist die Voraussetzung für wirtschaftliche Erneuerung.“





