Börsennotierte Beteiligungsgesellschaften im Fokus

Lebendiger Austausch über Investmentideen und unternehmerische Visionen im Haus der Bayerischen Wirtschaft

Foto: © GoingPublic Media AG

Am vergangenen Montag verwandelte sich die Executive Area das HBW-Konferenzzentrums in München in einen Hotspot für Investmentideen, unternehmerische Visionen und persönlichen Austausch. Die Unternehmer Edition (GoingPublic Media AG) und Baker Tilly Germany hatten gemeinsam eingeladen, um börsennotierte Beteiligungsmodelle ins Rampenlicht zu rücken – ein Anlageansatz, der Kapitalmarkt, Unternehmertum und langfristiges Denken miteinander verbindet.

Frank Stahl; Foto: © GoingPublic Media AG

Nach einem herzlichen Empfang eröffneten Markus Rieger (GoingPublic Media) und Frank Stahl (Baker Tilly) den Abend. „Wir begleiten Unternehmer, Investoren und Private Equity nicht nur bei Transaktionen – wir verstehen Beteiligungsmodelle als Motor für Wachstum“, betonte Frank Stahl in seiner Begrüßung. Markus Rieger, der als Moderator durch den Abend führte, startete mit einer Einordnung: „Während globale Giganten wie Berkshire Hathaway, Partners Group oder EQT teils dreistellige Milliardenbewertungen erreichen, bringen es alle deutschen börsennotierten Beteiligungsgesellschaften zusammen auf gerade einmal 4,7 Mrd. EUR.“ Der Abend solle zeigen, wie viel Potenzial in diesem noch jungen Markt steckt.

Markus Rieger; Foto: © GoingPublic Media AG

Schon in der Eröffnung wurde deutlich: Die größten Vermögen unserer Zeit sind nicht an den Finanzmärkten geboren, sondern durch unternehmerische Tätigkeit. Vordenker wie Benjamin Graham, Charlie Munger und Warren Buffet haben früh erkannt, dass sich nachhaltiger Wohlstand dort bildet, wo Kapital in Menschen, Ideen und Unternehmen investiert wird. Börsennotierte Beteiligungsmodelle knüpfen genau hier an: Sie machen diese unternehmerischen Anlageideen für Investoren zugänglich und ermöglichen es, an Visionen und Strategien erfolgreicher Unternehmer zu partizipieren.

Das Herzstück des Abends bildeten sodann fünf Impulsvorträge, die den Facettenreichtum börsennotierter Beteiligungsmodelle beleuchteten.

Globale Perspektiven – „Mini-Berkshires“ im Porträt

Gunter Burgbacher; Foto: © GoingPublic Media AG

Den Auftakt machte Gunter Burgbacher, Gründer des AFB Global Equity Select Fonds. Er nahm die Gäste mit auf eine Reise durch die Welt der „Mini-Berkshires“ – von Fairfax in Kanada über Exor in Italien bis hin zu Investor AB in Schweden. Sein Fonds bündelt 25–40 Beteiligungsgesellschaften, die wiederum hunderte Sub-Investments halten. So entsteht eine Diversifikation, die mit herkömmlichen Aktienportfolios kaum vergleichbar ist. Burgbacher unterstrich: „Eine Aktie kann Ihnen indirekt Zugang zu über 1.000 Investments eröffnen – das ist die wahre Kraft börsennotierter Beteiligungsmodelle.“ Mit durchschnittlich 11 % Jahresrendite seit Auflage belegt sein Fonds eindrucksvoll, dass dieser Ansatz nicht nur visionär, sondern auch ertragreich ist.

Wertorientiertes Denken statt hektischer Marktlogik

Dr. Mathias Saggau; Foto: © GoingPublic Media AG

Nach dieser globalen Perspektive schlug Dr. Mathias Saggau vom Partners Fund den Bogen zum langfristigen Denken im Kleinen. Er zeigte, warum konzentrierte Portfolios und tiefes Verständnis für die Geschäftsmodelle wichtiger sind als breite Streuung. Der Partners Fund investiert bewusst in wenige, ausgewählte Firmen und hält diese langfristig – ganz im Sinne von Warren Buffett. Saggau erklärte: „Der Markt ist nicht jederzeit effizient. Wer bereit ist, Geduld zu haben und eigenständig zu denken, kann Überrenditen erzielen.“ Damit stellte er klar: Unternehmerisch zu investieren bedeutet, gegen den Strom denken zu können und Werte über Jahre hinweg reifen zu lassen.

Spin-Offs als unterschätzte Renditequelle

Peter Heim; Foto: © GoingPublic Media AG

Einen ganz anderen Blickwinkel brachte anschließend Peter Heim mit. Als Gründer des Keynote Spin-Off Funds widmet er sich einem Marktsegment, das von vielen Investoren vernachlässigt wird: Unternehmensabspaltungen. Heim zeigte anhand prominenter Beispiele wie Ferrari, wie Spin-Offs enorme Werte freisetzen können. Seine Botschaft war eindeutig: „Spin-Offs befreien Unternehmen von Konzernstrukturen und schaffen oft eine neue Dynamik – das ist die Stunde der Innovation.“ Keynote S.A. aus Luxemburg ist damit ein Pionier, denn der von Heim gemanagte Fonds ist der weltweit erste UCITS-Publikumsfonds („Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities“) mit diesem klaren Fokus.

Secondaries – der besondere Private-Equity-Trend

Alexander Lachmann; Foto: © GoingPublic Media AG

Nach dieser Spezialstrategie stand das Thema Private Equity Secondaries im Mittelpunkt. Alexander Lachmann präsentierte die Matador Secondary Private Equity AG aus der Schweiz. Ihr Ansatz: Investitionen in sogenannte Secondary-Transaktionen – also den Aufkauf bestehender Private-Equity-Beteiligungen von Investoren, die frühzeitig aussteigen wollen. Das Ergebnis ist ein diversifiziertes Portfolio über Branchen, Regionen und Konjunkturzyklen hinweg, das zudem stetige Cashflows erwirtschaftet. Für Privatanleger ist der Zugang denkbar einfach: eine börsennotierte Aktie, handelbar in Zürich und Frankfurt. Lachmann brachte es auf den Punkt: „Private Equity bleibt eine der ertragsstärksten Anlageklassen. Mit Matador öffnen wir diese Tür – liquide, transparent und für jeden zugänglich.“

Mission Critical – das Erfolgsmodell der Chapters Group

Andreas Bergius; Foto: © GoingPublic Media AG

Den Schlusspunkt der Vortragsreihe setzte Andreas Bergius von der Chapters Group AG. Mit einer Marktkapitalisierung von rund einer Milliarde Euro war Chapters das Schwergewicht unter den vorgestellten Unternehmen. Bergius erklärte, wie Chapters in „mission critical“ digitale Lösungen investiert – Software und Services, die für ihre Kunden unverzichtbar sind. Dabei verfolgt Chapters ein dezentrales Modell: Akquirierte Unternehmen behalten ihre Identität und Kundennähe, erhalten aber Zugang zu Kapital und Know-how der Gruppe. „Wir bauen kein Konglomerat, das zentral alles steuert – wir schaffen ein Zuhause, in dem jedes Unternehmen wachsen kann, ohne seine Identität zu verlieren,“ so Bergius. Grundlage ist die firmeneigene „Manuscript Method“, die Autonomie mit klaren Kennzahlen verbindet. Damit schafft Chapters ein stabiles Fundament für Wachstum über Jahrzehnte hinweg.

Intensiver Austausch beim Gruppen-Speed-Dating

Speeddating; Foto: © GoingPublic Media AG

Nach diesen fünf Impulsen war es Zeit für den direkten Austausch. Im eigens organisierten Gruppen-Speed-Dating rotierten die Gäste von Tisch zu Tisch und konnten in Kleingruppen mit jedem Referenten diskutieren. Zehn Minuten pro Runde – dann klingelte die Glocke, und es ging zur nächsten Investmentidee. Der Abend klang bei Fingerfood und Drinks in entspannter Atmosphäre aus. Kontakte wurden vertieft, erste Ideen für Kooperationen geschmiedet und die Diskussionen zu den vorgestellten Modellen lebten bis spät am Abend weiter.

Fazit des Abends

Networking; Foto: © GoingPublic Media AG

Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich: Börsennotierte Beteiligungsmodelle sind weit mehr als ein Nischeninvestment. Sie verbinden die Denkweise erfolgreicher Unternehmer mit der Zugänglichkeit liquider Kapitalmärkte. Oder, wie es ein Referent formulierte: „Es geht nicht nur ums Investieren – es geht darum, Unternehmermut und Visionen für jedermann investierbar zu machen.“ Der Abend in München hat gezeigt: Hier entsteht eine Anlageklasse, die Brücken baut – zwischen Kapital und Unternehmertum, zwischen Investoren und Visionären.

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen.

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