Wirtschaftsprognosen werden besser

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Die Industrie in der Eurozone boomt im April weiter. Der IHS Markit Eurozone Einkaufsmanager Index wuchs noch stärker als im März. Mit einem Wert von 62,9 erreichte er damit ein neues Allzeithoch seit Juni 1997. Mit diesen aktuellen Zahlen beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

Sämtliche von der IHS-Markit-Umfrage erfassten Industriebereiche legten nach der Befragung weiter zu, vor allem der Investitions- und Vorleistungsgüterbereich. Das Produktionswachstum wurde allerdings von Kapazitätsengpässen gebremst, was wiederum teilweise auf den enormen Lieferdruck zurückzuführen war. Die Engpässe bei Produktionsmaterialien sorgten für den zweitstärksten Anstieg der Einkaufspreise seit Umfragebeginn. Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert: „Die Umfragedaten von April liefern erfreuliche Hinweise darauf, dass die Eurozone im zweiten Quartal 2021 den erneuten Konjunktureinbruch hinter sich lassen wird. Der Boom im Verarbeitenden Gewerbe, der − nach dem Ende der Lockdowns in vielen Ländern − von der steigenden Binnen- und Exportnachfrage befeuert wird, wird begleitet von Anzeichen, dass der Servicesektor nun ebenfalls wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist.”

Motor der Autoindustrie läuft rund

Bei den deutschen Autoherstellern und ihren Zulieferern laufen die Geschäfte besser. Der ifo-Indikator zur Geschäftslage für die Branche stieg auf im April plus 21,6 Punkte, nach plus 10,7 im März. „Die Autobauer haben nun ihr Corona-Tief überwunden“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Auch die Erwartungen der Automanager hätten sich verbessert. Der Indikator stieg deutlich auf 24,9 Punkte, auch die Nachfrage kletterte auf 36,9 Punkte. Die Produktion solle nach den Ergebnissen der aktuellen Befragung weiter hochgefahren werden. Im April fragte das ifo-Institut auch nach der Kapazitätsauslastung der Automotive-Branche. Auch hier stieg der Wert auf 91,1%. Trotz gut laufender Geschäfte planen die Unternehmen nach Aussage des ifo-Instituts mit weniger Personal. Die Beschäftigungspläne sehen weiter einen Arbeitsplatzabbau vor.

ifo warnt vor Engpässen bei der Beschaffung

45 Prozent der vom ifo Institut im April befragten Industriefirmen berichteten von Engpässen bei der Beschaffung von Vorprodukten. Das sei mit Abstand der höchste Wert seit Januar 1991. „Dieser neue Flaschenhals könnte die Erholung der Industrie gefährden“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Besonders betroffen von der Materialknappheit seien die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren (71,2%), Autohersteller (64,7%) und Hersteller elektrischer Ausrüstungen (63,3%). Die Frage nach den Vorprodukten stellt das ifo Institut alle drei Monate.

Insgesamt hätten Corona-Pandemie, Produktionsbehinderungen in der Industrie und das kalte Wetter am Bau in Deutschland im ersten Vierteljahr rund 50 Mrd. EUR Wirtschaftsleistung gekostet. „Im zweiten Quartal 2021 stehen die Zeichen auf Erholung, sofern sich in den kommenden Wochen weitere Impferfolge einstellen und die Kontaktbeschränkungen allmählich gelockert werden“, sagte Prof. Dr. Timo Wollmershäuser zu den Aussichten.

Dienstleistungssektor leicht unter Druck

Der IHS Markit Dienstleistungsindex ist im April wieder unter die Marke von 50 Punkten gesunken, die ein Wachstum bedeuten würde. „Die weitere Verschärfung des Lockdowns bremste die zaghafte Erholung im Dienstleistungssektor spürbar aus. Wie die jüngsten Daten signalisieren, kam es zu erneuten Rückgängen in den verbrauchernahen Branchen. Die April-Umfrage verdeutlicht, dass auch der Kostendruck im Servicesektor nochmals angestiegen ist. Die Nachfrage nach Dienstleistungen blieb nach wie vor verhalten“, sagt Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit. Angesichts teils explodierender Energie- und Treibstoffausgaben stieg der Kostendruck indes weiter auf ein Zwei-Jahreshoch und lag damit über dem Langzeitdurchschnitt.

Unternehmen stellen wieder ein

Die deutschen Unternehmen suchen neues Personal. Das ifo Beschäftigungsbarometer stieg im April auf 98,3 Punkte. Nach Einschätzung der ifo-Experten holt der Arbeitsmarkt langsam Teile der Jobverluste aus der Coronakrise wieder auf. Insbesondere Firmen im Maschinenbau wollen nach der Befragung mehr Mitarbeiter beschäftigen. Im Dienstleistungssektor dagegen ist die Einstellungsbereitschaft unverändert auf niedrigem Niveau geblieben. Die Zahl der Kurzarbeiter ist im April um zehn Prozent gesunken auf 2,7 Millionen Menschen. Das schätzt das ifo Institut auf Basis seiner monatlichen Konjunkturumfrage und Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Finanzierungsbedingungen werden anspruchsvoller

Der Mittelstand sieht aktuell eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der aktuellen Creditreform Mittelstandsbefragung. Demnach berichtete jedes siebte befragte Unternehmen, dass sich die Finanzierungsbedingungen zuletzt verschlechtert hätten. Besonders betroffen sind dabei  Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe. „Kreditgeber haben zunehmend Sorge vor Ausfällen aufgrund des Corona-Wirtschaftseinbruchs“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung beim Verband der Vereine Creditreform in Neuss. Verschärfungen der Bedingungen stellten die mittelständischen Unternehmen vor allem bei den benötigten Sicherheiten fest, und zudem seien auch die Kreditzinsen gestiegen. Jedes dritte Unternehmen hat in den letzten sechs Monaten einen Kredit beantragt und dieser Wert liegt nur etwas höher als vor neun Jahren.

Export brummt weiter

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich weiter verbessert. Die ifo Exporterwartungen stiegen mit  24,6 Punkte auf den höchsten Wert seit Januar 2011. Die Nachfrage nach deutschen Exportgütern profitiert deutlich davon, dass in vielen Ländern der Welt Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückgegangen sind. Die Aussichten haben sich nach die ifo-Umfrage über fast alle Industriezweige hinweg verbessert.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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