Wirtschaftsprognosen verschlechtern sich

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Im Zuge der zweiten Corona-Welle trübt sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ein. Eine Reihe von Wirtschaftsinstituten korrigieren ihre Konjunkturprognosen deutlich nach unten.

Ifo-Index sinkt deutlich

„Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen“, lautet das Fazit von Clemens Fest, Präsident des ifo Instituts angesichts der neuen Zahlen des ifo-Geschäftsklimaindexes. Der Index ist im November auf 90,7 Punkte gesunken – nach 92,5 Punkten im Vormonat – und damit fällt er zum zweiten Mal in Folge nach dem Höchststand im September (93,2). Im verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich die Lagebeurteilung und die Zukunftserwartungen. Im Dienstleistungssektor hingegen blicken die Unternehmen sehr pessimistisch in die Zukunft. Auch die Unternehmen des Handels sind weniger zufrieden mit der aktuellen Lage.  Auch die Stimmung der deutschen Exportwirtschaft hat sich verschlechtert, denn die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist nach Meinung der ifo-Experten verflogen.

Wirtschaftsleistung in Deutschland steigt

Gute Nachrichten vom Statistischen Bundesamt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 um 8,5 % gestiegen. Nach Ansicht der Experten konnte damit die deutsche Wirtschaft einen großen Teil des durch die Corona-Pandemie bedingten massiven Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal 2020 wieder aufholen. Die Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – stiegen um 16,0 %. Die Zeitreihe zeigt einen „V-Verlauf“, wie ihn viele Experten immer noch erhoffen. Bei allem Optimismus liegt der Wert des 3. Quartals 2020 satte 4% unter dem Vorjahresniveau.

ZEW sieht Wolken am Himmel

Die Konjunkturerwartungen des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (ZEW) für Deutschland fallen in der Novemberumfrage 2020 abermals sehr stark und liegen mit 39,0 Punkten um 17,1 Punkte unterhalb des Vormonatswertes. Diese ist bereits der zweite Rückgang. Seit ihrem zeitweisen Höhepunkt von 77,4 Punkten im September sind die Erwartungen damit um 38,4 Punkte gesunken. „Die Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten sorgen sich um die wirtschaftlichen Auswirkungen der zweiten Covid-19-Welle. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind daher im November abermals erheblich zurückgegangen. Dies deutet auf eine deutliche Verlangsamung des wirtschaftlichen Erholungsprozesses in Deutschland hin“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, die aktuellen Erwartungen.

DIHK fürchtet viele Insolvenzen

Die Corona-Krise führt aktuell bei rund einem Viertel der Unternehmen zu Liquiditätsengpässen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Blitz-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nach Branchen aufgeschlüsselt müssen danach in erster Linie Unternehmen des Einzelhandels (33 Prozent) sowie der Reise- (40 Prozent) und der Kultur – und Kreativwirtschaft (43 Prozent) mit Liquiditätsengpässen zurechtkommen. Im Gastgewerbe ist sogar jedes zweite Unternehmen davon betroffen.

Insgesamt sehen sich 9% der Unternehmen in Deutschland einer drohenden Insolvenz gegenüber. Von diesen Unternehmen rechnet ein Drittel damit, ihre Geschäftstätigkeit noch ein bis drei Monate aufrechterhalten zu können. 17 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie nur noch wenige Wochen durchhalten. Die schwierige Finanzlage wirkt sich auch auf die Zukunftsaussichten der Unternehmen aus. So berichten jeweils rund 70 Prozent der Befragten, die unter Liquiditätsengpässen oder Eigenkapitalrückgang leiden, dass sie Investitionen verschieben oder streichen müssen. Sieben Prozent der Firmen beklagen einen erschwerten Zugang zu Fremdkapital.

GFK-Konsumklima sinkt erheblich

Die neuen Beschränkungen durch die Corona-Pandemie sorgen bei den deutschen Verbrauchern für ein Absinken der Kauflaune. Die Konsumforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelten für den kommenden Monat Dezember einen Rückgang ihres Indikators zum Konsumklima auf minus 6,7 – im November lag er bei minus 3,2 Punkten. Ein niedrigerer Wert war bisher nur im Mai 2020 mit minus 10,2 Punkten gemessen worden. „Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“, erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen.“