5 Gründe für KI-Startups, nach Singapur zu expandieren

Singapur hat sich zu einem erstklassigen Standort für Startups entwickelt, die für ihre Innovationen KI nutzen – als Einstiegsmarkt, aber auch als Sprungbrett für die Expansion in den gesamten indopazifischen Raum. German Accelerator verrät, was den Stadtstaat für Gründer so attraktiv macht.

© Adobe Stock - arvitalya

Singapur – strategisch günstig zwischen Süd- und Ostasien gelegen – ist ein pulsierender Knotenpunkt für Handel, Technologie und Innovationen. Der Stadtstaat bietet ein sehr wirtschaftsfreundliches Umfeld, gilt als wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt und steht im Bloomberg Innovationsindex 2021 weltweit an zweiter Stelle. Nahezu alle Behördengänge können online erledigt werden, und selbst die Gründung eines Unternehmens dauert auf diesem Weg nur wenige Minuten. Englisch ist darüber hinaus eine der offiziellen Landessprachen. Damit ist Singapur eines der attraktivsten Ziele für Startups, die eine internationale Expansion planen. Für KI-Startups (KI – Künstliche Intelligenz) ist der Stadtstaat jedoch besonders attraktiv: Singapur hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 ein führendes Powerhouse für künstliche Intelligenz zu werden – und ist bereits auf dem besten Weg dorthin.

Hier sind die fünf wichtigsten Gründe, die für einen Markteintritt in Singapur sprechen:

1. Fülle an KI-Investitionen und -Risikokapital

Singapur gilt schon seit Jahren als Top-Adresse für Investitionen in KI und Robotik – und hat inzwischen andere Innovationszentren wie Dubai, Peking oder Shanghai überholt. Bereits 2017 kürte Juniper Research den Stadtstaat zur weltweit führenden Smart City, was die Nutzung des Internets der Dinge (IoT) und anderer Automatisierungstechnologien angeht. Zudem ist Singapur eines der aktivsten Investitionszentren in Asien. Die Investorengemeinschaft bietet KI-Startups, die sich im Inselstaat ansiedeln oder dorthin expandieren wollen, große finanzielle Unterstützung. So hat sich die Bereitstellung von Risikokapital in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Trotz Corona-Pandemie und Lieferkettenkrise, die die globalen Märkte erschüttern, konnte der Tech-Sektor Singapurs allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 fast 8,2 Milliarden US-Dollar einsammeln – mehr als doppelt so viel wie im Gesamtjahr 2020. Laut Alex Ng, Managing Director von Spaze Ventures, ist KI ein Schwerpunkt dieser Investitionen.

2. Solide staatliche Unterstützung

Zusätzlich zu den Investitionen des Privatsektors erhalten KI-Startups auch großzügige Unterstützung von der Regierung Singapurs. Zum Beispiel im Rahmen der nationalen KI-Strategie, deren Ziel es ist, bis 2030 weltweit führend im Bereich der künstlichen Intelligenz zu sein. Die Strategie umfasst eine Reihe von Initiativen zur Förderung eines lebendigen und nachhaltigen KI-Ökosystems – wie etwa das National AI Office oder ein behördenübergreifendes Regierungsprogramm namens AI Singapore. Darüber hinaus bietet die Monetary Authority of Singapore Zuschüsse und Ko-Finanzierungsprogramme an, um Unternehmen zu ermutigen, KI-Lösungen zur Verbesserung ihrer Geschäftsabläufe einzuführen.

Die Regierung selbst geht mit gutem Beispiel voran: Wo immer möglich, fungieren Regierungsbehörden als „early adopter“ und nutzen KI-Lösungen frühzeitig. Last but not least, hat Singapur im Rahmen seines Plans für Forschung, Innovation und Unternehmen 2020 (RIE2020) mehr als 364 Millionen US-Dollar zur Finanzierung von KI-Aktivitäten bereitgestellt.

3. Großer KI-Talentpool

Jedes KI-Unternehmen weiß, dass die Suche nach qualifizierten Fachkräften oft den größten Engpass darstellt. Schließlich ist KI einer der am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit und es herrscht ein großer Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. Glücklicherweise verfügt die Gartenstadt, wie Singapur wegen der zahlreichen Parks auch genannt wird, über einen wachsenden Pool an Fachleuten, die KI-Startups für ihr Wachstum und ihre internationale Expansion benötigen – nicht zuletzt dank eines erstklassigen Bildungssystems und eines Technologiesektors mit vielen öffentlich-privaten Partnerschaften.

Einem Bericht von Accenture zufolge hat KI das Potenzial, in Singapur bis 2035 in elf Branchen eine Bruttowertschöpfung von bis zu 215 Milliarden US-Dollar zu generieren. Als Reaktion darauf hat die Regierung mehrere Schulungs- und Kapazitätsaufbauprogramme ins Leben gerufen, um den Pool an KI-Experten weiter zu vergrößern.

4. Florierendes Ökosystem

Ein weiterer Faktor, der Singapur zu einem erstklassigen Standort für KI-Startups macht, ist die Anzahl und Vielfalt der öffentlich-privaten Partnerschaften, die an Lösungen für künstliche Intelligenz arbeiten. So soll AI Singapore, das nationale KI-Vorzeigeprogramm, einheimische Talente fördern, das KI-Ökosystem weiterentwickeln und den Stadtstaat weltweit als Player für KI etablieren. Dazu bringt AI Singapore Forschungseinrichtungen mit Startups und Unternehmen zusammen, die KI-Lösungen entwickeln, und bietet Unternehmen jeglicher Größenordnung Ko-Finanzierungsmöglichkeiten. Über die National Research Foundation fördert die singapurische Regierung weitere öffentlich-private KI-Partnerschaften zwischen Industrie, Wissenschaft und Behörden. Und sie plant, ihre Datenspeicherkapazität um 25 Prozent zu erhöhen, damit öffentliche und private KI-Anwendungen auf den riesigen Bestand an offenen Daten zurückgreifen können, um damit ihre Algorithmen zu trainieren.

Um das Vertrauen der Öffentlichkeit in KI-Produkte zu stärken, hat Singapur auch eine Reihe von KI-Governance-Vorschriften entwickelt, die die Sicherheit der Nutzer, den Datenschutz und einen fairen Wettbewerb gewährleisten sollen. Singapur war das erste asiatische Land, das gemeinsam mit dem Zentrum für die vierte industrielle Revolution des Weltwirtschaftsforums das „Model AI Framework“ einführte. Damit ist der Inselstaat führend beim Aufbau und der Definition von KI-Governance.

5. Sprungbrett in die Region

Singapur ist ein wichtiges Tor zum indopazifischen Raum – aufgrund seiner Lage an der Straße von Malakka und wegen seiner engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen mit dem Rest Asiens. So unterhält die Republik Singapur freundschaftliche diplomatische Beziehungen zu allen wichtigen Ländern Asiens, einschließlich China, Japan, Südkorea und Indien. Nicht zufällig haben 46 Prozent der multinationalen Konzerne ihren Hauptsitz für die Region Asien in der Gartenstadt. Zudem kann der Stadtstaat mit einem einfachen Zugang zu den wichtigsten Wachstumsmärkten in Südostasien aufwarten, wie Thailand, Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Indonesien. Für Startups jeglicher Couleur – und so auch für deutsche KI-Startups –, die im Osten nach Expansionsmöglichkeiten suchen, bietet sich Singapur daher als Sprungbrett in die gesamte Region an.

Ein Einstieg in die südostasiatischen Märkte über Singapur hat einen weiteren Vorteil: Gründer können ihre Expansionsstrategie auf kleinere Marktsegmente ausrichten, in denen meist nicht derselbe Wettbewerbsdruck herrscht wie in großen Märkten der EU oder in den USA. Gleichzeitig ist Singapur in Bezug auf Talente und regulatorische Stabilität mit diesen Regionen vergleichbar.

FAZIT

Deutsche KI-Startups, die eine Expansion in den asiatischen Raum in Erwägung ziehen, finden in Singapur nahezu ideale Rahmenbedingungen vor. Zum Beispiel ein Business-freundliches und sicheres Umfeld, viele Unterstützungsangebote oder einen großen Pool an KI-Talenten und -Experten. Hinzu kommt die strategisch günstige Lage: Singapur mag als Markt zwar nicht groß sein, ist aber ein idealer Ausgangspunkt für die Expansion in weitere Märkte. Über die Drehscheibe Singapur erreichen Startups 650 Millionen Verbraucher in ganz Südostasien. Und zwar junge Konsumenten, die digital versiert und für neue Technologien offen sind. Gründerinnen und Gründer, die in Asien noch nie Geschäfte getätigt haben, sollten mit Singapur starten – sozusagen als einer Art `Asia Light´.

Grafik:  10 Gründe, warum Singapur ein erstklassiges Ziel für KI-Startups ist

 

Über German Accelerator
Der German Accelerator unterstützt die vielversprechendsten deutschen Startups bei der internationalen Expansion in die USA und Asien. Durch individuell zugeschnittene Programme, intensive Workshops und den Austausch mit erfahrenen Experten sowie Zugang zu einem globalen Netzwerk von Geschäftspartnern und Investoren, erleben Programmteilnehmer eine steile Lernkurve und können so ihre Ziele besonders schnell erreichen. Seit dem Start 2012 haben mehr als 600 Startups eines der Programme erfolgreich durchlaufen und bisher insgesamt 13,5 Milliarden US-Dollar an Finanzierung erhalten. Der German Accelerator wird von der German Entrepreneurship GmbH betrieben und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) finanziert. Weitere Infos unter www.germanaccelerator.com.

Autorenprofil
Claus Karthe

Claus Karthe ist CEO von German Entrepreneurship Asia und Managing Partner von German Accelerator Asia.

Vorheriger ArtikelBridge Loan Facility für enercity
Nächster ArtikelVisma steigt in den deutschen Softwaremarkt ein