„Wachstumsunternehmen fördern Konsolidierung“

Interview mit Andi Klein, Managing Partner und Head of TSM bei Triton, zum erfolgreichen Exit von Meine Radiologie Holding

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Triton hat gerade den erfolgreichen Exit eines Portfoliounternehmens aus ihrem ersten Mittelstandsfonds vollzogen: Die Meine Radiologie Holding wurde an die schwedische EQT Infrastructure verkauft. Wir sprachen mit Andi Klein, Managing Partner und Head of TSM bei der deutsch-schwedischen Private-Equity-Gesellschaft, über die Transaktion und aktuelle Entwicklungen bei den beiden Mittelstandsfonds I und II. INTERVIEW EVA RATHGEBER

Unternehmeredition: Herr Klein, Triton hat die Meine Radiologie Holding an EQT Infrastructure verkauft. Was war das Besondere an dieser Transaktion?

Klein: Nach dem Verkauf der schwedischen Eleda ist das der zweite Exit aus dem ersten Mittelstandsfonds und die größte Firma aus dessen Portfolio. Es handelt sich um eine in Frankfurt ansässige Radiologiegruppe, die sowohl Untersuchungen als auch Therapien durchführt. Wir sind dort Ende 2018/Anfang 2019 eingestiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns schon sehr intensiv mit dem Radiologieumfeld beschäftigt und erste Zielpraxen identifiziert. Wir haben dann den damaligen Eigentümer des ursprünglichen Nukleus, Tempus Capital, überzeugt, das Unternehmen mehrheitlich an uns zu verkaufen.

Unternehmeredition: Wieso haben sie gerade jetzt verkauft?

Klein: Die Strategie hinter so einem Investment ist es ja, sehr zügig eine größere Gruppe zu bilden, die Einkaufssynergien schafft und über ein Medical Board verfügt, in dem sich die Ärzte austauschen können, und bei der wir die Digitalisierung und Prozesseffizienz vorantreiben.

Der Grund für den frühen Verkauf nach nur zweieinhalb Jahren ist, dass wir das Wachstum schneller vorantreiben konnten als geplant. Der erste Mittelstandsfonds hat 450 Mio. EUR Eigenkapital, und das Investment wurde dann leider zu groß für uns. Angesichts der großen Nachfrage war ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt die beste Option.

Unternehmeredition: Wer war denn noch unter den Bietern und wie konnte sich EQT durchsetzen?

Klein: Die weiteren Bieter möchte ich nicht nennen. Zum Schluss waren noch zwei namhafte Private Equity Gesellschaften dabei. EQT war mit seinem Infrastruktur-Zweig im Rennen. Die Meine Radiologie Holding passte sehr gut dort ins Portfolio. Ausschlaggebend war, dass EQT einen besseren Preis geboten hat. Beide Bieter waren sehr schnell unterwegs, sodass wir die Transaktion schon eine Woche nach den vorläufigen Angeboten abschließen konnten. Das war nur möglich, weil sich die Investoren sehr gut vorbereitet hatten.

Unternehmeredition: Wie beurteilen Sie die Gesamtbilanz des Investments?

Klein: Als wir den Nukleus Ende 2018/ Anfang 2019 gekauft haben, erzielte er einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von weniger als 3 Mio. EUR. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir nun ein Ebitda von 37 Mio. EUR. Der Umsatz wuchs von 25 Mio. EUR im Jahr 2018 auf 72 Mio. EUR im vergangenen Jahr. Auch die Mitarbeiterzahl stieg von über 100 im Jahr 2018 auf aktuell über 600 an, die Zahl der Praxen wuchs von neun auf 37. Das Ganze hat einen substanziellen Einfluss auf die Nettorendite des gesamten Fonds. Diese stand Ende letzten Jahres bereits bei 20% netto IRR und stieg jetzt um weit über fünf Punkte substanziell nach oben.

Unternehmeredition: Worin sehen Sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

Klein: Seit der Übernahme haben wir insgesamt elf Zukäufe für die Meine Radiologie getätigt. Wir haben ein völlig neues, erfahrenes Managementteam eingesetzt, eine Holding sowie ein komplettes M&A-Team aufgebaut, das sich ausschließlich mit den Praxiskäufen beschäftigt. Wir haben ein professionelles Reporting und professionelle Finanzierungsstrukturen eingeführt, uns sehr intensiv mit dem Thema Medical Board auseinandergesetzt und ergründet, wie die Zusammenarbeit der Ärzte untereinander verbessert werden kann. Das hat dazu geführt, dass uns viele große Praxen und schließlich auch EQT ihr Vertrauen geschenkt haben.

Digitalisierung hat in mehreren Bereichen eine wichtige Rolle gespielt, u.a. hinsichtlich der Anbindung an die zuweisenden Praxen, wie z.B. die Orthopäden oder Allgemeinmediziner, aber auch hinsichtlich der Datenverfügbarkeit.

Unternehmeredition: Wie beurteilen Sie den Healthcare-/Radiologiemarkt? Gibt es hier aktuell viel Bewegung?

Klein: Der Gesundheitsmarkt ist grundsätzlich attraktiv für viele Investoren, denn er ist relativ stabil und konjunkturunabhängig. Der deutsche Gesundheitsmarkt ist allerdings wenig konsolidiert. Hier erreichen wir lange nicht die Konsolidierungszahlen, wie wir sie in Schweden oder Finnland gewohnt sind. Deutschlandweit haben selbst die großen Gruppen immer noch Marktanteile von deutlich unter 10%. Von der Gefahr, dass große dominierende Ketten entstehen könnten, sind wir meilenweit entfernt.

Die Herausforderung für große Fonds liegt meistens darin, dass sie eine gewisse Mindestgröße für ihre Eigenkapitalinvestitionen benötigen, damit es für sie Sinn macht zu investieren. Mit der Bildung einer so großen Gruppe wie die Meine Radiologie haben wir einem großen Investor die Chance geboten, in den deutschen Gesundheitsmarkt zu investieren.

Unternehmeredition: Wie wollen Sie sich selbst hier noch weiter engagieren?

Klein: Wir finden den Markt weiterhin sehr attraktiv. Im zweiten Mittelstandsfonds, der mit 815 Mio. EUR Eigenkapital deutlich größer ist als der erste, beschäftigen wir uns auch weiterhin mit Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Im Dezember 2020 haben wir beispielsweise die Klinik Schöneberg erworben, eine Belegarztklinik mit angeschlossenem Ambulanzbereich in Berlin, die auch die Plattform für weitere Akquisitionen z.B. in der Orthopädie ist. Wir verfolgen auch hier den Fokus, Nachfolgelösungen anzubieten und über das Ärzteboard die Servicequalität noch weiter zu steigern. Wenn man eine große Gruppe wird, hat man immer mehr Spezialisten im Angebot, darunter Fußspezialisten, Spezialisten für Golfellenbogen etc. Auf diese Weise können wir eine optimale Betreuung bieten. Hier haben wir die ersten Praxiszukäufe getätigt und stehen noch lange nicht vor dem Verkauf. Ich bin sicher, dass wir über die nächsten Monate weitere Zukäufe tätigen. und am Ende auch über 20 Mio. EBITDA erwirtschaften werden. Auf diese Weise leisten wir einen Beitrag zum deutschen Gesundheitssektor, indem wir Nachfolgelösungen anbieten und über Investitionen in Digitalisierung and Professionalisierung weiteren Wertbeitrag bieten.

Unternehmeredition: Wie ist denn jeweils der aktuelle Stand bei den beiden Mittelstandsfonds I und II? Und welche Erwartungen haben Sie hier insgesamt?

Klein: Im ersten Fonds gab es bislang zwei Exits. Aktuell ist da nichts weiter immanent. Mit der Akquisition der Firma Inwerk haben wir die Plattformakquisitionen beim ersten Fonds beendet. Beim zweiten Fonds haben wir bislang vier Plattformkäufe getätigt, darunter zwei in Dänemark, Geia Food und Fairwind, und in Deutschland die Klink Schöneberg mit den zwei Strängen Orthopädie und Kardiologie. Zukäufe laufen. Für dieses Jahr erwarte ich mindestens noch zwei weitere Plattformtransaktionen beim zweiten Mittelstandsfonds.

Unternehmeredition: Welche Strategie verfolgen Sie denn beim Aufbau Ihres Portfolios?

Klein: Wir verfolgen eine sehr klare Strategie. Wie beim ersten Fonds wollen wir wieder ein diversifiziertes Portfolio aufbauen. Wir haben bereits einen Anbieter aus dem Gesundheitswesen, einen Dienstleister und ein Konsumgüterunternehmen und arbeiten derzeit noch an der Übernahme eines Industrieunternehmens. Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit digitalen Geschäftsmodellen nach dem Vorbild von Inwerk aus dem ersten Fonds.

Unternehmeredition: Wo sehen Sie aktuell die besten Chancen am Markt?

Klein: Die Preise sind generell ziemlich hoch. Entgegen den Erwartungen hat sich im Zuge der Coronakrise keine Vielzahl an günstigen Kaufmöglichkeiten für gute Unternehmen ergeben. Wir suchen deshalb nach Situationen, in denen wir einen klaren Wachstumsbeitrag leisten können. Bei Industrieunternehmen können wir das durch unsere Internationalisierungsmöglichkeiten. Hier sind wir sehr gut aufgestellt, vor allem für Asien und die USA, aber natürlich auch für die nordischen Länder. Im Dienstleistungsbereich und im Gesundheitswesen erzielen wir Wachstum durch Digitalisierung und Zukäufe.

Lieber Herr Klein, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.


ZUR PERSON

Andi Klein ist Managing Partner und Head of TSM bei der deutsch-schwedischen Private-Equity-Gesellschaft Triton Partners. Bevor er 2009 zu Triton Partners wechselte, war der studierte Betriebswirt elf Jahre lang in führender Position bei Procter & Gamble beschäftigt. Seit der Gründung im Jahr 1997 hat Triton Partners zehn Fonds aufgelegt und sich auf Unternehmen in den Sektoren Industrie, Dienstleistungen, Konsumgüter und Gesundheitsweisen fokussiert. Die Triton Fonds investieren in mittelständische Unternehmen mit Sitz in Europa und unterstützen deren positive Entwicklung.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.

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