Unternehmensverkauf: Den „perfekten Termin“ gibt es nicht

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Wenn es um die Nachfolgeregelung in einem Familienunternehmen mit mehreren Gesellschaftern geht, dann stehen wirtschaftlichen und praktikablen Lösungen nicht selten persönliche Befindlichkeiten gegenüber. Wie lässt sich dem begegnen? VON ALEXANDER GÖRBING

Sind verschiedene Gruppen Anteilseigner, dann kommt der ideale Zeitpunkt für einen Verkauf vermutlich nie. Ein vielleicht sogar befristetes besonderes Interesse eines Teils der Inhaber kann den kompletten Transaktionsprozess anhalten und damit den gewünschten Verkauf unmöglich machen.

„Verkauf zur Unzeit“ ist keine Lösung

„Am Ende des Tages ist es wohl so, dass es den perfekten Termin für einen Unternehmensverkauf nur selten gibt. Davon sollten sich die Gesellschafter aber bei einer sorgfältig geplanten Unternehmensnachfolge nicht abhalten lassen. Bevor man sich zu einem Verkauf zur Unzeit treiben lässt, raten wir in jedem Fall zu einer Prüfung von Alternativen“, meint Frank Löffler, Partner bei der Hannover Finanz Gruppe. Das 1979 gegründete Private Equity-Haus ist seit 40 Jahren ein gefragter Eigenkapitalpartner für den Mittelstand in allen Branchen. Es seien neben dem klassischen Verkauf auch andere Szenarien zu prüfen, wie eine Weiterführung des Unternehmens mit Fremdkapitalunterstützung oder einem Finanzinvestor, gegebenenfalls einschließlich der Beteiligung eines familienfremden Managements.

Nachfolgeregelung unklar

Wie eine flexible Lösung für die Nachfolgeregelung eines Familienunternehmens aussehen kann, erläutert Löffler am Beispiel der FLEXA Holding GmbH. Das Hanauer Unternehmen produziert und vertreibt seit seiner Gründung im Jahr 1947 Systeme zum Schutz von Kabeln und Leitungstechnik. Die Produkte tragen zur Funktionssicherheit von Maschinen, Anlagen und Schienenfahrzeugen bei.

In Produktionsanlagen der Pharmaindustrie kommen Maschinen der Atec Pharmatechnik zum Einsatz.
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Hannover Finanz war beim Erstgespräch mit den beiden Brüdern, die seinerzeit Gesellschafter in zweiter Generation waren, davon ausgegangen, dass das Unternehmen vollständig übernommen werden sollte. Im Verlauf weiterer Gespräche stellte Löffler aber fest, dass die Brüder unterschiedliche Lebensplanungen und Interessenlagen hatten. „Es kristallisierte sich heraus, dass einer der Brüder, der das Unternehmen bereits seit über 20 Jahren ununterbrochen als Geschäftsführer leitete, den Zeitpunkt für einen vollständigen Unternehmensverkauf nicht als optimal ansah. Er wollte seinem Sohn die Möglichkeit der Unternehmensnachfolge offenhalten. Also bestand die Aufgabe darin, eine Lösung zu finden, die dem einen Bruder den vollständigen Ausstieg aus dem Unternehmen und dem anderen Bruder die spätere Übergabe des Unternehmens an die dritte Generation ermöglichen würde“, erinnert sich Löffler.

Aus Komplettverkauf wird Teilverkauf

Frank Löffler, HANNOVER Finanz

Aus dem ursprünglich geplanten Komplettverkauf wurde durch das neue Modell der Hannover Finanz ein Teilverkauf, der es einem Bruder ermöglichte, seine Bindungen zum Unternehmen vollständig zu kappen, und dem anderen die Chance eröffnete, das Unternehmen an die dritte Generation weiterzugeben. Die Strukturierung erfolgte durch eine Mischung von Eigen- und Fremdkapital in Form einer Mezzanine-Finanzierung mit 20-jähriger Laufzeit – bei einem variablen Zins. „Wir haben der Inhaberfamilie die Flexibilität gegeben, um innerhalb eines langen Zeitraums von 20 Jahren selbst entscheiden zu können, wie sie die Unternehmensnachfolge regeln möchte.

Diese langfristigen Beteiligungen können wir anbieten, da wir unser Geld aus unseren unbegrenzten Evergreenfonds entnehmen. Unser Finanzierungspaket hat die notwendige Ruhe gebracht, um den perfekten Zeitpunkt zu finden“, sagt Löffler. Dass dieser Zeitpunkt dann bereits nach gut zwei Jahren kommen würde, hatten er und seine Kollegen bei der Hannover Finanz nicht erwartet – aber das immer weiter sinkende Zinsniveau erlaubte dem Inhaber einen günstigen Kredit zur Ablösung der Mezzanine-Finanzierung. Flexa ist auch heute – trotz Corona – stabil aufgestellt.

Familienunternehmer schätzen Flexibilität

Inzwischen ist Flexa wieder komplett schuldenfrei und das Unternehmen wächst ununterbrochen weiter. „Wir haben alles richtig gemacht, auch wenn eine längere Haltefrist für uns sicher lukrativer gewesen wäre. Aber im Kern haben wir eine Finanzierungslösung entwickelt, die einen ungewollten Unternehmensverkauf verhindert hat, sodass der Sohn jetzt in die Unternehmensführung einsteigen konnte. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass Flexa weiterhin ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit der Perspektive auf den Übergang in die nächste Generation der Familie bleibt. Unser grundsätzliches Ziel ist es, mittelständische Unternehmen langfristig bei der Weiterentwicklung zu unterstützen. Ein weiterer zufriedener Unternehmer in unserem Netzwerk ist uns wichtiger, als kurzfristig Rendite zu erzielen“, lautet Löfflers Resümee.

Aus zahlreichen früheren Verhandlungen weiß Löffler, dass Familienunternehmer ein hohes Maß an Flexibilität schätzen und sich gerne alle Optionen offenhalten. Mit dem „Owner-Buy-out-Modell“ hat die Hannover Finanz bei mittelständischen Unternehmen in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht: Hierbei verkauft der Unternehmer sein Unternehmen an eine neugegründete Erwerbergesellschaft und kann somit einen Teil seines Vermögens zu Lebzeiten realisieren. An dieser neuen Firma beteiligen sich die Hannover Finanz und ein oder mehrere frühere Gesellschafter gemeinsam.

Owner-Buy-out lässt Familie am Steuer

Nach dem variablen Modell bleibt es dann vorerst offen, ob das neue Unternehmen irgendwann verkauft wird oder die Altgesellschafter wieder alle Anteile übernehmen. „Bei unserem Modell des Owner-Buy-out ist sichergestellt, dass die Inhaberfamilie weiter am Ruder bleibt. Und das kommt bei vielen Gesellschaftergruppen gut an“, sagt Löffler. „Die Flexibilität ist bei Hannover Finanz unter anderem deswegen möglich, da wir nicht exitgetrieben agieren müssen.“

Wachstumssprung nach China geplant

Firmenchef Hans-Werner Mumm setzt auf frühzeitige Nachfolgeplanung. Foto: © Detlef Szech

Sehr früh mit dem Thema Unternehmensnachfolge beschäftigt hat sich Hans-Werner Mumm von der Flensburger Atec Pharmatechnik GmbH. Der 54-jährige Firmenchef vereinbarte mit Hannover Finanz ebenfalls einen Owner-Buy-out als vorbereitenden Schritt. „Gerade weil Atec wachstumsstark ist, soll das Unternehmen langfristig mit einem Partner weiterentwickelt werden.“ Da der Geschäftsführer von seinen Kindern nicht bereits jetzt erwarten möchte, dass sie die Firma übernehmen, und er selbst weiter an Bord bleiben will, sieht er in der Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Eigenkapitalpartner eine ideale Vorbereitung auf die Nachfolgelösung.

Insgesamt existieren inzwischen Vertriebsstandorte in 13 Ländern. Der nächste Wachstumsschritt ist für China geplant. Mit dem frischen Kapital besitzt das Unternehmen die notwendigen Mittel für die weitere Entwicklung; zudem kann es auf das Expertennetzwerk seines Investors zurückgreifen. „Auch diese Partnerschaft mit Atec zeigt, dass eine flexible Finanzierung das Wachstum ermöglicht, während der Unternehmer weiter die Fäden in der Hand behält“, so Löfflers Fazit.

 

Dieser Beitrag ist erschienen in der Unternehmeredition 3/2020.