Einst als Plage der deutschen Wirtschaft verschrien, leben Mittelständler und Private Equity-Gesellschaften heute oftmals in einer Symbiose, weil sich die Branche auf die hiesige Unternehmenskultur eingestellt hat. Doch aktivistische Investoren sind dabei, den Imagewandel in der Öffentlichkeit zu torpedieren. 

Das wird Bremer Satellitenhersteller OHB erspart bleiben. Dennoch muss sich OHB seit etwa einem Jahr mit der pedantischen Kritik seines Anteilseigners Guy Wyser-Pratte auseinandersetzen. Dieser hat bislang mehrere Briefe geschrieben und diese an die Presse weitergespielt, der letzte datiert vom 18. Mai. Darin kritisiert er Vorstand und Aufsichtsrat – beides unter Führung der Inhaberfamilie Fuchs, die etwa 70 Prozent der Aktien kontrolliert. Der Vorstandsvorsitzende Marco Fuchs und sein Pressesprecher Günther Hörbst reagierten gelassen wie entschieden auf den Tadel, wohlwissend, dass sie durch ihre Aktienmehrheit keine ernste Gefahr zu befürchten haben: „Wir sind ruhig geblieben und haben uns bewusst eine Woche Zeit gelassen, bis wir den Brief beantwortet haben. Das hat zu der günstigen Situation geführt, dass die Medien mit großer Spannung auf unsere Sicht der Dinge gewartet haben“, fasst Hörbst die Kommunikationsstrategie zusammen.



„Wir sind ruhig geblieben und haben uns bewusst eine Woche Zeit gelassen, bis wir den Brief beantwortet haben.“

Günther Hörbst, Pressesprecher OHB SE


Ende 2017 verkaufte Wyser-Pratte seinen geringen Anteil von einem Prozent – mit einem satten Gewinn von 120 Prozent. Nun hat er sich erneut beteiligt, nachdem der Aktienkurs zwischenzeitlich wieder gefallen ist. Pressesprecher Hörbst sieht der künftigen Entwicklung aber gelassen entgegen: „Die ersten Briefe haben noch höhere Wellen in der Presse geschlagen, der letzte war den meisten dann nur noch eine Meldung wert.“

OHB-Aktie (Prime Standard, Xetra): Die Kritik führte zu einer kurzfristigen Kurssteigerung

© Tai-Pan
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Die Fälle Thyssen-Krupp und OHB – so unterschiedlich sie wegen der Unternehmensgröße sowie der Aktionärsstruktur auch sind – sorgen für eine neue Fundamentalkritik an Finanzinvestoren. Der ehemalige Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel, ein Parteigenosse Franz Münteferings, hat sich Ende Juli im Handelsblatt geäußert und die Heuschrecke wieder salonfähig gemacht. Für Gabriel sind Finanzinvestoren vom Schlage eines Paul Singers, dem CEO des Thyssen-Krupp-Investors Elliott, nicht weniger als Feinde der sozialen Marktwirtschaft und der Demokratie.

Mitnichten Private Equity

Der Unterschied zur Diskussion von damals ist, dass aktivistische Investoren mitnichten Private Equity-Häuser sind. Diese agieren in der Regel außerbörslich: Entweder übernehmen sie nicht-börsennotierte Unternehmen oder nehmen oft über sogenannte Delistings ihre Beteiligungen nach dem Erwerb vom Kapitalmarkt. Singer und Guy Wyser-Pratte gehen den genau entgegengesetzten Weg und nutzen den Kapitalmarkt, um ihre öffentlichkeitswirksamen Angriffe zu starten. Ulrike Hinrichs vom Private Equity-Verband grenzt ihre Branche deshalb von den aggressiven Finanzinvestoren ab: „Es geht ihnen nicht um Unternehmenswachstum und konstruktive Fortentwicklung, sondern einzig um die kurzfristige Aktienkurserhöhung.“

Dass Außenstehende auch andere Finanzinvestoren trotzdem unter dem Kampfbegriff Heuschrecke einordnen, kann der geläuterten PE-Szene nicht gefallen. Vielleicht braucht es also eine medienwirksame Antwort eines Branchenkenners auf das Pamphlet von Sigmar Gabriel, um der Öffentlichkeit klarzumachen: Es gibt die alte Heuschrecke, die fast ausgestorben ist, und die neue, mit verändertem Gencode. Das würde der PE-Branche bei ihrer weiteren Imagepflege sicherlich helfen.