Der deutsche Mittelstand genießt weltweit einen exzellenten Ruf für seine Innovationsfähigkeit. Viele Mittelständler sind Marktführer und bieten mit großem Erfolg als sogenannte Hidden Champions hoch spezialisierte Produkte an. Gründe für diesen Erfolg gibt es viele.Unternehmerisches Denken ist die Grundlage all ihres Handelns, sie richten ihre Entscheidungen an mittel- bis langfristigen Zielen und Ergebnissen aus und motivieren zu Innovationsfreude und Innovationskraft durch das Schaffen von Freiräumen und Verantwortung für jeden Einzelnen.

Eine unabdingbare Voraussetzung, wenn es um die Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle geht. Ebenso bringen sie den Mut auf, Neues auszuprobieren, achten dabei aber auf eine ausgeglichene Balance zwischen Potenzial und Risiko. Mittelständischen Unternehmen eilt zudem der Ruf voraus, näher am Kunden zu sein als globale Konzerne und so teure Fehlinvestitionen oder eine breite Streuung von Innovationsbudgets zur Abdeckung aller Eventualitäten vermeiden zu können. Kurz gefasst: Der deutsche Mittelstand innoviert smarter als viele Wettbewerber.

Studie belegt Zusammenhang zwischen Innovationsfähigkeit und erfolgreichem Wachstum

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat das Thema Innovationsfähigkeit von Unternehmen in der derzeit größten internationalen Studie ihrer Art beleuchtet. Für die Studie wurden über 1.700 Führungskräfte in 25 Ländern weltweit zu ihrem Umgang mit Innovation befragt, darunter auch zahlreiche mittelständische Unternehmen. Die Studie belegt den Zusammenhang zwischen Innovationsfähigkeit und unternehmerischem Erfolg. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass innovative Unternehmen schneller wachsen, mehr Umsatz generieren und nachhaltig erfolgreicher sind.
Auf den deutschen Mittelstand bezogen, belegt die Studie den hohen und nachhaltigen Innovationsanspruch: Es besteht eine deutlich aggressivere Wachstumsplanung durch Innovation für die nächsten fünf Jahre als bei den anderen befragten Unternehmen in Deutschland.

Erfolgsrezept führender Mittelständler: Kooperieren im Netzwerk und klare Strukturen

Die für die Studie befragten Unternehmen mit Sitz in Deutschland sehen sich als Vorreiter für Innovation – zu Recht: Rund 1.500 deutsche, oftmals familiengeführte mittelständische Unternehmen sind aktuell Weltmarktführer in einem Nischenmarkt, zumeist aufgrund von hoch spezialisierten, innovativen Produkten und Technologien.

Ein Geheimnis für diesen Erfolg: Zur Entwicklung neuer Produkte und Technologien arbeiten die in der Studie befragten deutschen Unternehmen eng mit Kooperationspartnern zusammen und haben effektive Open-Innovation-Netzwerke etabliert. Etwa 70% von ihnen wollen in den kommenden drei Jahren weiter mit akademischen Einrichtungen zusammenarbeiten, um ihre Innovationsfähigkeit voranzutreiben. Unter den weltweit befragten Unternehmen liegt dieser Anteil nur bei 56%. Auch kooperieren mittelständische Unternehmen häufig eng und vertrauensvoll mit Universitäten und Forschungseinrichtungen und tragen so gemeinsam zur Stärkung des Standortes Deutschland bei.

Doch Mittelständler setzen nicht nur auf die Zusammenarbeit mit der Forschung, sondern kollaborieren auch eng mit ausgewählten Kunden, Zulieferern, Verbänden und teilweise sogar dem Wettbewerb, um zielgerichtet und marktnah zu innovieren.

Unternehmen hierzulande überlassen ihre Innovationsfähigkeit nicht dem Zufall: Sie setzen sich bereits seit einiger Zeit mit Innovationsmanagement auseinander und haben verstärkt geeignete organisatorische und prozessuale Strukturen aufgebaut, um Innovationen auf den Weg zu bringen. So haben laut PwC-Studie 75% der befragten Unternehmen in Deutschland formale Strukturen für das Innovationmanagement etabliert. Auch hier zeigt sich die Besonderheit des mittelständischen Innovationsansatzes: Dank flacherer Hierarchien, ihrer weniger komplexen Organisation und einer vorgelebten Innovationskultur sind auch die Innovationsstrukturen nicht überorganisiert und durch informelle Elemente ergänzt – bei gleicher oder besserer Steuerbarkeit.

Geringere Innovationsbudgets erfordern effizienteren Umgang mit Innovation

Die Studie zeigt weiterhin deutlich, dass Unternehmen hierzulande mit weniger Budget für ihre Innovationsbestrebungen auskommen müssen als der globale Wettbewerb. Durchschnittlich fließen 7% ihres Gesamtumsatzes in Innovation. Weltweit sind es immerhin 9%. Im internationalen Vergleich profitieren Firmen hierzulande zudem deutlich weniger von finanziellen Anreizen: Lediglich 27% der Befragten sehen die Möglichkeit, Steuervorteile zu nutzen, um ihre Innovationsanstrengungen voranzutreiben. Global sind es 45%.
Gerade für den deutschen Mittelstand bedeutet dies, dass die limitierten und im Vergleich geringeren Ressourcen klug eingesetzt werden müssen. Zugleich sollte für effiziente Prozesse im Innovationsmanagement gesorgt und der Fokus auf die zeit- und marktgerechte sowie kosten- und qualitätsoptimale Umsetzung gelegt werden.

Innovationsführerschaft behaupten durch andere Arten der Innovation

Die Studie zeigt eine zu starke Konzentration auf Produkt- und Technologieinnovationen bei Unternehmen in Deutschland (66%) im Vergleich zum globalen Wettbewerb (49%). Durch diesen Fokus auf klassische Innovationen laufen Unternehmen Gefahr, den Anschluss an den internationalen Wettbewerb zu verlieren. Dieser forciert zum Beispiel verstärkt Service-Innovationen und diverse Geschäftsmodellinnovationen.
Mittelständische Unternehmen haben bereits stärker als andere Unternehmen hierzulande erkannt, dass Produkt- und Technologieinnovationen nicht ausreichen, um führend im globalen Wettbewerb zu bleiben. Im weltweiten Vergleich scheinen die momentanen Anstrengungen jedoch noch nicht ausreichend, die Innovationsführerschaft bleibt gefährdet. Innovation zu innovieren wird eine zentrale Aufgabe nicht nur der mittelständischen Unternehmen in Deutschland sein und dazu beitragen, die steigenden Anforderungen im Kunden- und Marktumfeld zu erfüllen und die Innovationsführerschaft zu behaupten.